Papst an Sternwarte-Stiftung: Auch Arme haben das Recht, Sterne zu sehen

Papst Leo XIV. hat diesen Montag im Vatikan Mitglieder des Verwaltungsrats der „Vatican Observatory Foundation“ (Stiftung der Vatikanischen Sternwarte) empfangen. Er würdigte die Arbeit der in den USA ansässigen Stiftung als zentralen Dienst für die Weltkirche.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In seiner Rede vor dem rund 30 Audienz-Teilnehmern erinnerte Leo XIV. auf die Neugründung der Sternwarte durch seinen Namensvetter Leo XIII. vor 135 Jahren. Damals sei es darum gegangen, die Vereinbarkeit von Kirche und Wissenschaft zu demonstrieren. Heute verortet der Papst die Herausforderung jedoch an anderer Stelle. Er stellte fest, dass sowohl Wissenschaft als auch Religion mit der Leugnung objektiver Wahrheiten konfrontiert seien. „Zu viele in unserer Welt weigern sich anzuerkennen, was sowohl die Wissenschaft als auch die Kirche deutlich lehren – dass wir eine feierliche Verantwortung für die Bewahrung unseres Planeten und für das Wohlergehen derer tragen, die auf ihm leben und für die Natur“, erklärte der Papst. Er verknüpfte so wissenschaftliche Erkenntnis direkt mit der Verantwortung gegenüber Gruppen von benachteiligten Menschen, deren Leben durch die Ausbeutung von Mensch und Natur gefährdet sei und mit dem Schutz der Schöpfung.

„Zu viele in unserer Welt weigern sich anzuerkennen, was sowohl die Wissenschaft als auch die Kirche deutlich lehren – dass wir eine feierliche Verantwortung für die Bewahrung unseres Planeten und für das Wohlergehen derer tragen, die auf ihm leben“

Zunehmende Lichtverschmutzung

Besondere Bedeutung maß der Papst der Astronomie bei. Er bezeichnete den Blick auf die Gestirne als ein Geschenk, das jedem Menschen unabhängig von seinem sozialen Status zustehe. Die Betrachtung des Himmels lade dazu ein, menschliche Ängste im Licht der Unermesslichkeit Gottes zu sehen. Leo XIV. warnte jedoch vor zunehmender Lichtverschmutzung: Er griff einen Gedanken von Papst Benedikt XVI. auf und merkte an, dass künstliches Licht den Blick auf die von Gott gesetzten Lichter am Himmel zunehmend versperre.

Die Arbeit der „Vatican Observatory Foundation“ bezeichnete der Papst als essenziell, um den Dialog mit der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten. Durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung sei es möglich, Studenten aus aller Welt den Zugang zur Astronomie zu ermöglichen und Bildungsprogramme in katholischen Schulen und Pfarreien anzubieten.

Theologische Grundlage der Sternwarte

Abschließend erläuterte Leo XIV. die theologische Grundlage des wissenschaftlichen Engagements der vatikanischen Sternwarte in Castelgandolfo. Da sich Gott laut der christlichen Lehre durch die Schöpfung offenbare, sei das Verlangen, das Universum zu verstehen, ein Spiegel der Sehnsucht nach Gott. „Der Hunger, die Schöpfung besser zu verstehen, ist nichts Geringeres als ein Abbild jenes ruhelosen Verlangens nach Gott, das im Zentrum jeder Seele liegt“, so der Papst. Zum Abschluss der Audienz beteten alle dann noch gemeinsam mit dem Papst das Vaterunser. 

„Der Hunger, die Schöpfung besser zu verstehen, ist nichts Geringeres als ein Abbild jenes ruhelosen Verlangens nach Gott, das im Zentrum jeder Seele liegt““

Die Vatican Observatory Foundation

Bei der Gruppe, die Papst Leo XIV. in Audienz empfing, handelt es sich um die Mitglieder des Vorstands der Vatican Observatory Foundation. Diese Stiftung mit Sitz in den USA (Tucson, Arizona) wurde gegründet, um die wissenschaftliche Arbeit der Vatikanischen Sternwarte (Specola Vaticana) in Castelgandolfo finanziell zu unterstützen. Während die Gehälter der Jesuiten-Astronomen und die Grundkosten der Gebäude vom Vatikanstaat getragen werden, finanziert die Stiftung durch private Spenden moderne Forschungsprojekte, die Wartung technologischer Infrastruktur – wie das „Vatican Advanced Technology Telescope“ (VATT) in Arizona – sowie internationale Bildungsprogramme und Sommerkurse für junge Wissenschaftler. Die Stiftung fungiert somit als Brücke zwischen der kirchlichen Forschungseinrichtung und der globalen Wissenschaftsförderung.

(vatican news)

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11. Mai 2026, 12:51