Papst in „tiefer Sorge“ um Libanon und Kirchen des Nahen Osten
Papst Leo hatte den im libanesischen Antelias residierenden Katholikos bereits im vergangenen Jahr bei seiner Reise in den Libanon getroffen. Die Kirchen im Libanon befinden sich an einer Schnittstelle verschiedener Völker und Kulturen. Bei der Begegnung mit Aram I. an diesem Montag im Vatikan lenkte der Papst den Blick erneut auf den Vielvölkerstaat und die aktuelle Kriegssituation dort.
„Dieses Land Libanon, das mir so sehr am Herzen liegt und das der ganzen Welt seit langem vor Augen führt, dass Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen als eine Nation zusammenleben können, steht weiterhin vor schweren Prüfungen," so Papst Leo. „In einer Zeit, in der die Einheit und Integrität Ihres Landes erneut bedroht sind, sind unsere Kirchen aufgerufen, die brüderlichen Bande zu stärken, die nicht nur die Christen untereinander, sondern auch mit ihren Brüdern und Schwestern aus anderen Gemeinschaften in ihrer gemeinsamen Heimat verbinden. Eure Heiligkeit, ich versichere Ihnen meine täglichen Gebete und meine tiefe Sorge um das libanesische Volk und um die Kirchen des Nahen Ostens, denen Sie während Ihres Aufenthalts in Rom eine Konferenz widmen werden.“
Weltweites ökumenisches Engagement und Einsatz für die armenische Diaspora
Aram I. ist derzeit mit einer Delegation der Armenischen Apostolischen Kirche in Rom. Der für sein weltweites ökumenischen Engagement und seinen Einsatz für die armenische Diaspora bekannte Kirchenführer stand auch mit Leos Vorgänger Franziskus im brüderlichen Austausch. So betete er bereits 2021 mit Papst Franziskus und insgesamt zehn Führern christlicher Kirchen und Gemeinschaften des Libanon um Frieden in dem Land, das einstmals Modell des friedlichen Zusammenlebens verschiedenster Gruppen war.
Papst Leo zeigte sich an diesem Montag „zutiefst dankbar“ über die „unermüdlichen“ ökumenischen Bemühungen von Aram I. sowohl auf regionaler Ebene in Nahost als auch im Verhältnis zur katholischen Kirche in Rom. Als Katholikos war Aram I. erstmals während der Gebetswoche für die Einheit der Christen im Januar 1997 in Rom. Seitdem hat er sich verstärkt für Dialog mit dem Vatikan eingesetzt. Der Papst zeigte sich zuversichtlich, dass in diesem Dialog auch Uneinigkeiten in theologischen Fragen überwunden werden könnten:
„Ich danke Ihnen insbesondere für Ihr persönliches Engagement zur Förderung des theologischen Dialogs zwischen unseren Kirchen, der seit 2003 im Rahmen der ,Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen' stattfindet. Dieser Dialog, der von dem wertvollen Beitrag der armenischen Delegierten profitiert, hat bereits drei bedeutende Dokumente veröffentlicht: über das Wesen und die Sendung der Kirche, über die Gemeinschaft in der Urkirche und über die Sakramente. Ich hoffe aufrichtig, dass dieser Dialog trotz der jüngsten Schwierigkeiten mit neuer Kraft fortgesetzt wird, denn ohne Einheit im Glauben kann es keine Wiederherstellung der Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen geben.“
Die Besuche in Rom
Bereits im Mai 1967 hatte Arams Vorgänger, Katholikos Khoren I., als erster Primas einer orientalisch-orthodoxen Kirche nach dem Konzil Rom besucht. Leo XIV. erinnerte in seiner Ansprache an die historische Verbindung beider Kirchen im Apostel Paulus von Tarsus, der in Kilikien geboren wurde und in Rom die Märtyrerkrone empfing. Der Papst erinnerte zudem an den heiligen Nerses I., der in der Antike Patriarch der Armenischen Apostolischen Kirche und „Wegbereiter der Ökumene“ war. Papst Leo verkündete zudem, dass Nerses erst jüngst in das Römische Martyrologium aufgenommen wurde.
(vaticannews - pr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
