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Papst Leo XIV. ruft in Neapel zu „Kultur der Fürsorge“ auf

Es war eine Atmosphäre spürbarer Herzlichkeit, als Papst Leo XIV. an diesem Freitagnachmittag den Dom von Neapel betrat. Inmitten der geschichtsträchtigen Mauern traf das Oberhaupt der katholischen Kirche auf Bischöfe, Priester und Ordensleute - in einer Stadt, die er als „reich an Kunst und Kultur, gelegen im Herzen des Mittelmeers“ beschrieb.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Leo XIV. ist an diesem Freitag nach seinem Besuch im Marienwallfahrtsort Pompeji nach Neapel weiter gereist. Zugleich beging der Papst an diesem 8. Mai den ersten Jahrestag seiner Wahl. Vor dem Treffen mit dem Klerus sagte der Papst vor dem Dom von Neapel:

„Hallo Neapel, guten Tag! Ich bin nach Neapel gekommen, um diese Herzlichkeit zu finden, die nur Neapel zu bieten hat. Danke für diesen Empfang - danke! Es ist ein Segen Gottes, dass wir hier zusammen sind, ich freue mich sehr, heute Nachmittag hier sein zu können: eine sehr kurze, aber sehr bedeutungsvolle Zeit. Mein erster Halt ist hier am Dom, der Kathedrale von Neapel, wo ich auch dem Heiligen Januarius (San Gennaro) meine Ehrerbietung erweisen möchte, der für eure Frömmigkeit und euren Glauben so wichtig ist! Ich grüße Seine Eminenz und euch alle. Danke, dass ihr hier seid. Wir werden gemeinsam beten und um Gottes Segen für euch alle und für ganz Neapel bitten. Danke!"

Zum Nachhören - was der Papst sagte
Der Besuch des Papstes im Dom von Neapel
Der Besuch des Papstes im Dom von Neapel   (@Vatican Media)

Der Gastgeber, Kardinal Domenico Battaglia, bedankte sich beim Papst, dass er die süditalienische Metropole am Jahrestag seiner Wahl zum Nachfolger Petri aufsucht. Und er fügte an: „Wir sind heute nicht hier, um viel über uns selbst zu erzählen, sondern um uns erkennen zu lassen: als eine Kirche auf dem Weg, bestehend aus Gesichtern, Geschichten und täglicher Treue.“

„eine Kirche auf dem Weg, bestehend aus Gesichtern, Geschichten und täglicher Treue“

Mit Worten der Anerkennung bedachte Leo XIV. in seiner anschließenden Ansprache das neapolitanische Volk, das trotz schwerer Lasten seine unverwechselbare Freude bewahrt habe – eine Ressource, von der sich der Gast aus Rom, wie der Papst sagte, am Tag seines Besuchs gerne anstecken lassen wolle.

Im Dom der Stadt segnete der Pontifex während des Treffens mit dem neapolitanischen Klerus die anwesenden Gläubigen mit der kleinen Ampulle, die das bereits verflüssigte Blut des Stadtpatrons enthält.

Papst Leo XIV. im Dom von Neapel
Papst Leo XIV. im Dom von Neapel   (@Vatican Media)

Die harte Realität der Gegenwart

In seiner Ansprache schlug der Papst eine Brücke zwischen der biblischen Erzählung der Emmaus-Jünger und der harten Realität der Gegenwart. Das zentrale Motiv seiner Überlegungen war das Wort „Cura“ – die Fürsorge. Leo XIV. stellte fest, dass viele Gläubige und Seelsorger oft mutlos und enttäuscht ihren Weg gingen, unfähig, die Zeichen der Zeit zu deuten. Diesem Zustand der inneren Bitterkeit stellte er das Handeln Jesu gegenüber, der sich den Menschen an die Seite stellt und sie begleitet.

Der Papst vor dem Dom von Neapel
Der Papst vor dem Dom von Neapel   (@Vatican Media)

Scharf kritisierte der Papst das Gegenteil der Fürsorge: die Vernachlässigung. Diese zeige sich nicht nur im vernachlässigten Zustand von Straßen, Plätzen und Randgebieten der Stadt, sondern vor allem dort, wo das Leben selbst in seiner Würde missachtet werde. Doch noch vor dem Blick auf äußere Missstände sei eine „innere Fürsorge“ wichtig, wie der Papst verdeutlichte. Besonders die Verantwortlichen in der Kirche, die Priester und Geweihten, müssten auf ihre eigene Menschlichkeit und ihre Beziehungen achten, da die Last des Dienstes in der heutigen Zeit schwerer wiege als früher.

Stadt der tausend Farben

Neapel bezeichnete Leo XIV. als eine Stadt der tausend Farben, in der Tradition auf Moderne treffe, aber auch tiefe soziale Wunden und Gewalt das Bild prägten. In diesem Spannungsfeld sei das pastorale Handeln gefordert, das Evangelium so zu verkörpern, dass der Glaube nicht nur ein emotionales Ereignis bleibe, sondern das soziale Gefüge tief durchdringe. Der Papst zeigte großes Verständnis für das Gefühl der Ohnmacht, das viele Seelsorger befällt, wenn ihre Sprache und ihr Tun nicht mehr die Fragen der jungen Generation erreichen oder wenn sie sich in einer pastoralen Einsamkeit isoliert fühlen.

Papst Leo XIV. auf dem Weg zum Dom von Neapel
Papst Leo XIV. auf dem Weg zum Dom von Neapel   (@Vatican Media)

Um diesem Verschleiß entgegenzuwirken, mahnte Leo XIV. eine doppelte Heilung an: die Pflege des geistlichen Lebens durch das Gebet und die Stärkung der geschwisterlichen Gemeinschaft. Er forderte dazu auf, den Individualismus zu überwinden und neue Formen des gemeinsamen Lebens und Arbeitens zu finden. Geschwisterlichkeit dürfe kein bloßer Slogan sein, sondern müsse als konstitutives Element der Identität gelebt werden. Dabei betonte er ausdrücklich, dass diese Gemeinschaft alle Getauften einschließe, wobei den Laien und pastoralen Mitarbeitern eine zentrale Rolle zukomme.

Gegenseitiges Zuhören beibehalten

Mit Blick auf die zurückliegende Diözesansynode in Neapel ermutigte er die Anwesenden, die Methode des gegenseitigen Zuhörens beizubehalten. Es gelte, eine „Symphonie der Charismen“ zu schaffen, um von einer rein bewahrenden Pastoral zu einer missionarischen Ausrichtung zu gelangen, welche die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen berührt. In einer Stadt, die von Arbeitslosigkeit und familiärer Zerbrechlichkeit gezeichnet ist, könne die Verkündigung nicht ohne konkrete Solidarität auskommen.

„Habt keine Angst, lasst euch nicht entmutigen und seid für diese Kirche und diese Stadt Zeugen Christi, die Zukunft säen.“

Abschließend vertraute der Papst die Anwesenden dem Schutz des Heiligen Januarius - dem Stadtpatron - und der Gottesmutter Maria an. Er erinnerte sie daran, dass sie Teil einer göttlichen Liebesgeschichte seien, die weit vor ihnen begann und nicht mit ihnen ende. „Habt keine Angst, lasst euch nicht entmutigen und seid für diese Kirche und diese Stadt Zeugen Christi, die Zukunft säen“, rief er der versammelten Gemeinde zum Abschied zu.

Papst Leo XIV. vor dem Dom von Neapel
Papst Leo XIV. vor dem Dom von Neapel   (@Vatican Media)

Ein Herzstück der Geschichte

Der Dom von Neapel, offiziell die Cattedrale di Santa Maria Assunta, ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern das spirituelle Zentrum der Stadt, in dem sich die Geschichte Neapels wie in einem Brennglas bündelt. Das Bauwerk, das auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, vereint verschiedene Stilepochen von der Gotik über den Barock bis hin zur Neugotik.

Der Dom ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt, da er die Reliquien des Stadtpatrons Januarius beherbergt. Dreimal im Jahr versammeln sich dort Gläubige und Schaulustige, um das berühmte Blutwunder zu bezeugen, bei dem sich das getrocknete Blut des Märtyrers in einer Ampulle verflüssigen soll. Im Inneren beeindruckt die prunkvolle Kapelle des Schatzes des Heiligen Januarius sowie die angrenzende Basilika Santa Restituta, die auf eine frühchristliche Kirche aus dem 4. Jahrhundert zurückgeht und damit zu den ältesten Sakralbauten der Region zählt.

(vatican news)

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08. Mai 2026, 16:07