Papst Leo: „Europas Erbe sorgfältig bewahren“
Stefan von Kempis - Vatikanstadt
Der Papst zog eine Bilanz seiner Spanienreise, die ihn letzte Woche nach Madrid, Barcelona und auf die Kanarischen Inseln geführt hat. Dabei würdigte er Spanien zunächst als „Land mit einer alten und sehr reichen katholischen Tradition“. Er danke sehr für die begeisterte Aufnahme und hoffe, eine Botschaft der Gemeinschaft, des Dialogs und der „Einheit in der Vielfalt“ hinterlassen zu haben, denn darin bestehe ja sein Dienst in erster Linie.
„Im Falle Spaniens konnte ich mit Freude feststellen, wie sehr die Menschen jeden Alters und jeder Lebenslage den Besuch des Papstes erwarteten: Überall traf ich auf Menschenmengen, die mich mit großer Herzlichkeit empfingen. Diese Tatsache war nicht selbstverständlich und verdient eine Reflexion. Natürlich drückt diese Beteiligung, wie ich bereits sagte, in erster Linie den Glauben des spanischen Volkes aus; zugleich glaube ich, dass sie das weitverbreitete Bedürfnis zum Ausdruck bringt, sich auf einer wahren und tiefen Grundlage wiederzufinden, die weder ideologisch noch von Partikularinteressen geprägt ist.“
„Diese Begegnung von Alt und Neu“
Tatsächlich hat es viele Beobachter sehr überrascht, dass Rechts wie Links dem Papst bei seinem historischen Auftritt im Parlament von Madrid sieben Minuten lang stehend Beifall geklatscht haben.
„In Madrid und Barcelona haben wir uns sowohl in den großen Kathedralen als auch in hochmodernen Stadien versammelt. Wir haben in der Abtei von Montserrat den Rosenkranz gebetet. Wir haben in der Sagrada Familia gefeiert, diesem majestätischen Symbol, dieser Symphonie aus Stein und Licht, die zu allen vom christlichen Geheimnis spricht. Diese Begegnung von Alt und Neu, von katholischer Tradition und zeitgenössischer Kultur hat mir den eigentlichen Charakter Europas, seinen unschätzbaren Reichtum, als aktuelle, nicht überholte Realität lebendig vor Augen geführt. Es handelt sich um ein Erbe, das es sorgfältig zu bewahren gilt, um es in die globale Gegenwart mit ihren epochalen Herausforderungen einbringen zu können…“
Eine andere Perspektive auf das Thema Migration
Einige dieser Herausforderungen zählte Leo XIV. auf: „Frieden, integrale Ökologie, gerechte und nachhaltige Entwicklung, Achtung der Menschenwürde“. Und Migration – das Thema, um das sich seine zwei Tage auf den Kanarischen Inseln drehten. Natürlich sei das Phänomen der Migration „komplex“. Doch Christen sollten darauf eine „andere und umfassendere Perspektive“ gewinnen:
„Wir sind aufgerufen, das Evangelium in der heutigen Welt neu zu lesen. Nämlich indem wir die Gaben unserer jeweiligen Kulturen miteinander teilen, insbesondere die Früchte, die in ihnen durch die Botschaft Christi hervorgebracht wurden. Und eine dieser Früchte ist gerade der Dialog zwischen den Menschen und zwischen den Völkern, die Begegnung im Geist der Geschwisterlichkeit, die es ermöglicht, die Werte, die der andere in sich trägt, zu entdecken und wertzuschätzen. Dieser Weg ist nicht einfach; er erfordert guten Willen und die Hilfe Gottes, aber er ist der Weg, der zur Zivilisation der Liebe führt.“
Leo wiederholte auch das Motto seiner Reise: „Alzad la mirada“, „Erhebt den Blick!“ (vgl. Joh 4,35). „Heute möchte ich diese Einladung mit euch teilen: Erheben wir den Blick! Lasst uns von Jesus lernen, den Nächsten, die Menschen, die Welt ,mit den Augen Gottes' zu betrachten, das heißt mit Liebe, Respekt und Mitgefühl.“
(vatican news)
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