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Papst in spanischem Gefängnis: „Gott hat Größeres mit dir vor"

Papst Leo hat am Mittwoch ein spanisches Gefängnis besucht. Die Einrichtung für männliche und weibliche Häftlinge befindet sich in Sant Esteve Sesrovires, rund 40 Kilometer von Barcelona entfernt. „Gott liebt dich so, wie du bist, aber er hat noch Größeres mit dir vor“, versuchte er jedem einzelnen Häftling Mut zu machen.



Anne Preckel – Vatikanstadt

Papst Leo wurde herzlich mit Beifall und Gesang des Gefängnischors empfangen. Teil nahmen Haft-Insassen mehrerer Abteilungen wie auch eine Delegation, die christliche Häftlinge aus ganz Katalonien vertritt. Außerdem waren der Ministerpräsident von Katalonien, Salvador Illa, und der regionale Justizminister Ramon Espadaler anwesend, der auch mit Resozialisierung von Häftlingen befasst ist.

Gang an die Peripherie

„Ihr Besuch freut uns riesig, denn wir fühlen uns hier oft vergessen“, sagte die Haft-Insassin Montse, eine Frau um die 50 aus Barcelona. Sie berichtete dem Papst, wie sie im Gefängnis zu Gott fand. „Es war schwer, denn ich habe viel Leid erfahren, ich habe den Tod der Menschen erlebt, die ich am meisten liebte, und obwohl mir der Glaube vermittelt wurde, stand ich vor der Stille Gottes. Obwohl ich die beste Familie der Welt habe, weiß ich auch heute, dass ich ihnen viel Leid zugefügt habe.“

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)
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Sie habe dann „um die Gnade des Glaubens gebeten“ und ihren Groll überwunden, berichtete die Frau weiter: „Durch den Glauben und das Vertrauen bin ich ein besserer Mensch geworden, ich entdecke Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie in mir habe.“ Auch habe sie ihre schwere Schlaflosigkeit überwunden, gegen die nichts zu helfen schien. „Eines Nachts, als ich mich an ein Kreuz klammerte, konnte ich schlafen. Ich weiß, dass es Jesus war, der mir geholfen hat.“

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)

„Durch den Glauben und das Vertrauen bin ich ein besserer Mensch geworden, ich entdecke Dinge, von denen ich nicht wusste, dass ich sie in mir habe“

Josefina, eine weitere Haft-Insassin, berichtete über eine Glaubenskrise in Zusammenhang mit dem Unfall ihres Sohnes: „Ich habe sehr gelitten, als ich ihn leiden sah, und sogar mein Glaube wankte. Ich verstand nicht, warum dieses Unglück geschah“, berichtete sie. Dass ihr Sohn am Ende überlebte, sei wie „ein Wunder“. „Und ich werde immer daran glauben, dass es Gott ist. Es ist immer Gott. Hier im Gefängnis bin ich nicht allein, Jesus gibt mir Kraft. Ich werde mein Leben wieder aufnehmen und weiterhin mit Gott verbunden sein“, zeigte sich die Frau zuversichtlich.

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)

Papst erinnert an Würde eines jeden Menschen

Die Erfahrungsberichte zu hören, habe er als „sehr aufbauend“ empfunden, ging der Papst auf das Gehörte ein. Er erinnerte daran, dass jeder Mensch, der „von Gott gewollt, geschaffen und geliebt“ werde, würdig sei – niemals wende der Herr seinen Blick von uns ab.

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)

„Tröstliche Wahrheit, die uns in jedem Augenblick begleitet und uns daran erinnert, dass seine barmherzige Liebe immer größer ist als alles Gute oder Böse, das wir getan haben“

„Das ist eine tröstliche Wahrheit, die uns in jedem Augenblick begleitet und uns daran erinnert, dass seine barmherzige Liebe immer größer ist als alles Gute oder Böse, das wir getan haben. Dies gilt in besonderer Weise für euch, liebe Brüder und Schwestern, die ihr die Last tragt, von euren Lieben getrennt zu sein und zudem unter eurer gegenwärtigen Lage leidet. Wenn ihr in Versuchung geratet, euch minderwertig zu fühlen, und denkt, es lohne sich nicht, weiterzumachen, dann ,erhebt eure Augen‘ zu Ihm, der euch durch die Gegenwart so vieler Menschen unaufhörlich seine Liebe und Nähe zeigt“, machte der Papst den Häftlingen Mut.

Neuanfang ist immer möglich

Trotz Bedrückung und Traurigkeit sollten sie daran denken, „dass die Fehler im Leben nicht die Identität eines Menschen bestimmen“, so Leo, der sich an jeden der Anwesenden wandte: „Jedem von euch sage ich: Gott liebt dich so, wie du bist, aber er hat noch größeres mit dir vor! Der Herr ermöglicht uns allen, immer wieder neu anzufangen, denn das Mensch- und Christsein besteht nicht darin, keine Fehler zu machen, sondern darin, in der Fähigkeit zu wachsen, sich zu bekehren, zu bereuen, sich zu bessern und vor allem, sich zu versöhnen und zu vergeben.“

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)

„Jedem von euch sage ich: Gott liebt dich so, wie du bist, aber er hat noch größeres mit dir vor! Der Herr ermöglicht uns allen, immer wieder neu anzufangen“

Der Augustiner-Papst verwies auf den heiligen Augustinus, der mit Blick auf sein eigenes, bewegtes Leben festhielt, dass beim Vertrauen auf Gott „die Vergangenheit in unserem Leben nicht die Zukunft brandmarkt“, weil Entscheidungen und Wege veränderbar seien (Vgl. Augustinus, Bekenntnisse).

Tiefe des Gewissens

Leo XIV. lud dazu ein, Gott in der Tiefe des Gewissens zu suchen. Er warte dort auf uns, liebe uns. „Schaffen wir im Herzen Platz für den Herrn und suchen wir sein Angesicht. Lassen wir uns von seiner Liebe begleiten. Halten wir uns fest an ihn, der uns immer wieder zur Hoffnung einlädt und uns einen wunderbaren Horizont auftut, von dem uns keine physische Barriere fernhalten kann. Er spricht heute weiterhin in der Tiefe unseres Gewissens zu uns, um uns entdecken zu lassen, dass er mitten unter uns wohnt. Er wartet nur darauf, dass wir ihm eine Möglichkeit geben.“

Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“
Papst Leo XIV. beim Besuch der Strafvollzugsanstalt „BRIANS 1“   (@Vatican Media)

Der Leiter der Justizvollzugsanstalt bezeichnete den Papstbesuch „Ehre“. „Wir werden das nie vergessen“, zeigte er sich gerührt. Ein Gefängnisseelsorger berichtete bei der Begegnung über die pastorale Betreuung der Häftlinge. Die Hafteinrichtung folgt einem modularen Konzept, dass es den Häftlingen ermöglicht, verschiedene kulturelle, bildungsbezogene, berufliche und sportliche Aktivitäten in abgegrenzten Bereichen auszuüben. Für den Papstbesuch hatten die Häftlinge ein Lied einstudiert und Blumendekoration gestaltet. Auch übereichten sie dem Papst unter anderem einen selbst gefertigten Keramikteller mit einer Friedenstaube. Der Papst hinterließ eine Ikone der Muttergottes von Fatima.

Papst Leo hatte zuletzt bei einer Afrikareise in Äquatorialguinea eine Haftanstalt besucht. Sein Vorgänger Papst Franziskus kehrte regelmäßig in Hafteinstalten ein und warb für eine Reform des Strafvollzugs.

(vatican news – pr)

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10. Juni 2026, 11:38