Papst in Lodigiano: Die Ansprache im Wortlaut
Liebe Brüder und Schwestern,
ich freue mich, euch alle begrüßen zu dürfen: Mitbürger und Landsleute der heiligen Francesca Saverio Cabrini! Ich danke dem Bischof, Monsignore Maurizio Malvestiti, sowie dem Pfarrer, dem Bürgermeister und den anderen zivilen Behördenvertretern.
Mutter Cabrini: Schutzpatronin der Migranten und erste US-amerikanische Heilige
Ich bin hier, um Mutter Cabrini zu ehren, Schutzpatronin der Migranten und erste US-amerikanische Heilige. Sie wurde 1850 hier in Sant’Angelo Lodigiano geboren und starb 1917 in Chicago, meiner Heimatstadt. Als ich erfuhr, dass Sant’Angelo Lodigiano nur wenige Kilometer von Pavia entfernt liegt, dachte ich mir, dass ich diese Gelegenheit nutzen sollte… Und hier bin ich nun. Vielen Dank für euren herzlichen Empfang! Damit zeigt ihr mir die Verbundenheit der Kirche der Lombardei zum Papst – eine Liebe, die Mutter Cabrini mit außergewöhnlicher Hingabe und in treuem Gehorsam gelebt hat.
Als nämlich der Moment der entscheidenden Wahl über die „Richtung“ kam, die die Mission ihres Ordens einschlagen sollte, wollte sie, dass diese der Papst vorgab. Und Leo XIII. sprach klare Worte: „Nicht nach Osten, sondern nach Westen“ – zum Dienst an den Tausenden italienischen Auswanderern in Amerika. Dies entsprach auch dem Rat, den ihr bereits der heilige Bischof von Piacenza, Johannes Baptist Scalabrini, gegeben hatte.
Durch die Stimmen dieser beiden erleuchteten Hirten verstand Mutter Cabrini die Zeichen der Zeit und erkannte, dass sich ihr Traum, dem Beispiel des heiligen Franz Xaver zu folgen und nach China zu gehen, dort verwirklichen sollte, wo die Not in jenem Augenblick am größten war.
Doch, liebe Schwestern und Brüder, was müssen wir sagen, wenn wir auf die Welt von heute blicken? Dieses „Zeichen“ – das Phänomen der Migration – ist in eine neue Phase eingetreten: eine andere, sicherlich komplexere Phase, die die Kirche aber nicht weniger herausfordert.
Fragen wir uns: Wenn Mutter Francesca heute leben würde, was würde ihr missionarisches Herz ihr sagen? Oder besser: Was würde das Herz Christi ihrem Herzen sagen, dem Herzen einer Frau, das dem Herrn und dem Dienst an seinem Reich geweiht ist? Und was hätte ihr ein Papst wie Franziskus nahegelegt, der als Sohn italienischer Einwanderer (nach Argentinien) den Dienst an den Migranten zu einem der Kernpunkte seines Pontifikats gemacht hat?
Liebe Brüder und Schwestern, Papst Franziskus wollte seine dritte Enzyklika Dilexit nos – die auch seine letzte sein sollte – der „menschlichen und göttlichen Liebe des Herzens Christi“ widmen: jenem Geheimnis der unendlichen Liebe also, die der einzige wahre „Motor“ des Lebens der heiligen Francesca Cabrini war; der Motor von allem, was sie vollbracht hat, und vor allem der Art und Weise, wie sie es getan hat. In besagter Enzyklika schreibt Papst Franziskus: „Die Aktualität der Verehrung des Herzens Christi zeigt sich besonders deutlich in der Evangelisierungs- und Erziehungsarbeit zahlreicher weiblicher und männlicher Ordensgemeinschaften, die von ihren Anfängen an von dieser christologischen geistlichen Erfahrung geprägt waren“ (Nr. 150).
Ich für meinen Teil habe das Lehramt von Papst Franziskus mit dem Apostolischen Schreiben Dilexi te über die Liebe zu den Armen übernommen und fortgeführt. Und dort, wo von Nächstenliebe in Form der „Begleitung von Migranten“ die Rede ist, steht direkt neben dem heiligen Giovanni Battista Scalabrini die Gestalt der heiligen Francesca Saverio Cabrini.
Das rastlose mütterliche Herz
„Ihr rastloses mütterliches Herz erreichte diese Menschen – die Auswanderer – überall: in den Elendsquartieren, Gefängnissen und Bergwerken“ (Nr. 74). Sie selbst hat geschrieben: „Keine Arbeit wird zu schwer sein, kein Land zu fern, kein Mensch zu verwundet für die Liebe des Herzens Jesu und für all jene, die dazu berufen sind, die Liebe Christi in die Welt zu tragen.“
Brüder und Schwestern, was könnte aktueller sein als dieses Charisma? Ich sage dies hier, vor der Reliquie des Herzens von Mutter Cabrini, die aus dem Mutterhaus in Codogno hierher gebracht wurde. Ich sage dies, während ich ihre geistlichen Töchter, die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, herzlich grüße und ihnen danke. Was könnte aktueller sein als ein missionarisches Charisma, das sich in den Dienst der Migranten stellt?
Lernt die heilige Francesca Cabrini kennen!
Ich nutze daher diese Gelegenheit, besonders an die jungen Menschen einen Appell zu richten: Lernt die heilige Francesca Cabrini kennen! Lest ihre Schriften, die erfüllt sind von der Leidenschaft für Jesus und für die Mission; ihre Briefe, ihre Reisetagebücher, die Notizen ihrer Exerzitien. Wer Mutter Cabrini kennenlernt, wird von ihr erobert! Ihre Seele war zugleich kontemplativ und aktiv; sie war eingetaucht in die Liebe des Herzens Christi, und dies verlieh ihr eine außergewöhnliche Arbeitskraft und eine bemerkenswerte innere Stärke – ganz im Einklang mit den Paulusworten, die sie für ihr Institut gewählt hatte: „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt“ (Phil 4,13).
Diesen Appell richte ich ganz besonders an die Kirche von Lodi, die mich heute mit so viel Zuneigung empfangen hat! Und ich möchte ihn in Form eines Wunsches zum Ausdruck bringen: Möge sich die Kirche des heiligen Bassianus stets durch jene Eigenschaften auszeichnen, die in ihrer so ruhmreichen Tochter erstrahlen. Die heilige Francesca Cabrini helfe euch durch ihr Beispiel und ihre Fürsprache, in Christus verliebt zu sein, Zeugen seines Evangeliums, und tatkräftig und großzügig im Dienst an den Ärmsten zu stehen. Sie helfe euch, eine echte Synodalität zu leben, gemeinsam unterwegs zu sein und vereint nach Heiligkeit zu streben – in der Vielfalt der Gaben und der Dienste. Dafür versichere ich euch mein Gebet.
Und schließlich bete ich auch für die Missionarinnen vom Heiligsten Herzen Jesu in all ihren Gemeinschaften: Gott segne sie und erneuere sie in der Treue zum Charisma Mutter Cabrinis. Möge die ganze Kirche auf diese wunderbare Missionarin der Liebe blicken, um zu lernen, was es bedeutet, dem Reich Gottes mitten in der Geschichte zu dienen.
Euch allen und euren Lieben erteile ich von Herzen den apostolischen Segen. Danke!
(vaticannews - skr)
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