Papst würdigt Mutter Cabrini, Schutzpatronin der Migranten

Mit bewegenden Worten hat Papst Leo bei seinem Besuch in Sant’Angelo Lodigiano der heiligen Francesca Saverio Cabrini gedacht. In ihrer Geburtsstadt würdigte er die Schutzpatronin der Migranten als eine Heilige, deren Lebenswerk bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Der Stopp in Sant’Angelo Lodigiano fand im Rahmen des Kurzbesuchs von Papst Leo XIV. in der Lombardei statt, einer Region, die eng mit dem Leben der Ordensgründerin verbunden ist. Da die Visite auf den Weltflüchtlingstag fiel, der am 20. Juni begangen wird, setzte Papst Leo damit auch ein besonderes Zeichen der Verbundenheit mit Menschen auf der Flucht.

Nach der Anbetung des Allerheiligsten Altarsakraments und der Verehrung des Herzens der hl. Francesca Cabrini richtete der Papst in der Basilika “Santi Antonio Abate e Francesca Cabrini” ein Grusswort an die Anwesenden.

„Ich bin hier, um Mutter Cabrini zu ehren, Schutzpatronin der Migranten und erste US-amerikanische Heilige. Sie wurde 1850 hier in Sant’Angelo Lodigiano geboren und starb 1917 in Chicago, meiner Heimatstadt,“ betonte Papst Leo das besondere Band, das ihn mit dieser Heiligen verbindet, die eine Brücke zwischen ihrer italienischen Heimat und der Neuen Welt schlug.

Papst Leo an diesem Samstag
Papst Leo an diesem Samstag   (@VATICAN MEDIA)

Eine Frau mit einer außergewöhnlichen Mission

Francesca Saverio Cabrini zählt zu den bedeutendsten Gestalten der modernen Kirchengeschichte. Schon früh verspürte sie den Wunsch, als Missionarin nach China zu gehen und dem Vorbild des heiligen Franz Xaver zu folgen. Doch als sie über die Ausrichtung ihrer Kongregation entscheiden musste, suchte sie den Rat des Papstes.

„Und Leo XIII. sprach klare Worte: „Nicht nach Osten, sondern nach Westen“ – zum Dienst an den Tausenden italienischen Auswanderern in Amerika,“ zitierte der Papst seinen Vorgänger und Namensgeber. Unterstützt worden sei diese Vision auch vom heiligen Bischof Giovanni Battista Scalabrini, dem großen Apostel der Migranten.

Dort hingehen, wo die Not am größten ist

Mutter Cabrini habe „die Zeichen der Zeit verstanden“ und erkannt, „dass sich ihr Traum, dem Beispiel des heiligen Franz Xaver zu folgen und nach China zu gehen, dort verwirklichen sollte, wo die Not in jenem Augenblick am größten war,“ so der Papst weiter.

Mutter Cabrini erkannte darin den Ruf Gottes. Sie gründete Schulen, Waisenhäuser, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen für Einwanderer. Mit unermüdlichem Einsatz bereiste sie die Vereinigten Staaten sowie zahlreiche andere Länder. Ihr Wirken war geprägt von einer tiefen Spiritualität und einem praktischen Sinn für die Nöte der Menschen.

Migration als Herausforderung der Gegenwart

In seiner Ansprache stellte Leo XIV. die Frage, was Mutter Cabrini wohl heute angesichts der weltweiten Migrationsbewegungen tun würde. Die Migration habe sich seit dem 19. Jahrhundert verändert und sei komplexer geworden, doch sie fordere die Kirche weiterhin heraus.

Wörtlich sagte der Papst:

„Fragen wir uns: Wenn Mutter Francesca heute leben würde, was würde ihr missionarisches Herz ihr sagen? Oder besser: Was würde das Herz Christi ihrem Herzen sagen, dem Herzen einer Frau, das dem Herrn und dem Dienst an seinem Reich geweiht ist?“

Das Kirchenoberhaupt erinnerte auch an die enge Verbindung zwischen dem Wirken Mutter Cabrinis und dem Pontifikat von Papst Franziskus, der als Kind italienischer Auswanderer den Dienst an Migranten zu einem zentralen Anliegen seiner Amtszeit gemacht hatte. Die heilige Cabrini sei ein Vorbild dafür, wie christliche Nächstenliebe konkret gelebt werden könne.

Besonders hob Papst Leo hervor, dass die Kraft der Heiligen aus ihrer tiefen Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu schöpfte. Diese Liebe sei der Motor ihres Wirkens gewesen. Cabrini habe Migranten überall aufgesucht – in Elendsvierteln, Gefängnissen und Bergwerken.

„Brüder und Schwestern, was könnte aktueller sein als dieses Charisma? Ich sage dies hier, vor der Reliquie des Herzens von Mutter Cabrini, die aus dem Mutterhaus in Codogno hierher gebracht wurde. Ich sage dies, während ich ihre geistlichen Töchter, die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, herzlich grüße und ihnen danke. Was könnte aktueller sein als ein missionarisches Charisma, das sich in den Dienst der Migranten stellt?“

Der Appell an die Jugend

Abschließend richtete der Papst noch einen eindringlichen Appell besonders an junge Menschen. Sie sollten die Schriften, Briefe und Tagebücher der heiligen Cabrini lesen und sich von ihrem Mut inspirieren lassen, so sein Wunsch. Ihre Persönlichkeit vereine kontemplative Tiefe mit außergewöhnlicher Tatkraft, gemäß ihrem Leitspruch aus dem Philipperbrief: „Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.“

Mit Blick auf die Kirche der Lombardei äußerte Papst Leo den Wunsch, dass sie auch weiter jene Eigenschaften verkörpern möge, die auch Francesca Cabrini ausgezeichnet hätten: Liebe zu Christus, Einsatz für die Armen, missionarischer Eifer und die Bereitschaft, gemeinsam auf dem Weg der Heiligkeit voranzugehen.

Der Gruß vor der Rückkehr in den Vatikan

Bevor er in den Hubschrauber stieg, um in den Vatikan zurückzukehren, blieb Papst Leo noch kurz auf dem Sportplatz, um die rund 2.200 Anwesenden – darunter viele Jugendliche und Kinder – zu grüßen. Er dankte ihnen für ihr Zeugnis der Hoffnung und sagte: „Ihr jungen Menschen könnt die Welt verändern. Wir warten auf euch!“
Danach stieg Papst Leo in den Hubschrauber. Um 20.18 Uhr hob dieser in Richtung Vatikanstadt ab.

(vaticannews – skr)
 

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20. Juni 2026, 20:14