Papst in Pavia: „Demokratie bedeutet, sich um die Stadt zu kümmern“
Mario Galgano - Vatikanstadt
In seiner Ansprache dankte das Oberhaupt der katholischen Kirche für den Empfang durch den Bischof sowie den Bürgermeister und betonte, dass die Struktur einer Stadt das Erbe der Vergangenheit widerspiegle, das eine Verpflichtung für die Gegenwart darstelle. Monumente, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und Pfarreien seien Orte, die von einer gemeinsamen Sorge um die Person in der Gemeinschaft zeugten und die Basis des gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie der italienischen Verfassung bildeten. Die europäische Stadt zeichne sich dadurch aus, dass der urbane Raum das tägliche Leben stütze und den Bürgersinn der Erbauer sichtbar mache.
„Wir befinden uns inmitten von Denkmälern, die von euch erzählen und die daher zu euch sprechen. Ich beziehe mich dabei nicht nur auf die antiken Denkmäler, sondern auch auf die Häuser, die Schulen, die Universität, das Krankenhaus und die Pfarrzentren," so der Papst wörtlich. „Es sind allesamt bedeutungsvolle Orte, Einrichtungen mit einer ganz eigenen Bedeutung, die von Gastfreundschaft, Bildung und Kultur zeugen. In unterschiedlicher Form zeugen sie von derselben Fürsorge für den Menschen in der Gemeinschaft, mit seiner Würde und seinen Werten – jene Werte, die euch als ein einziges Volk vereinen und die auch die Grundlage der italienischen Verfassung bilden.“
Solidarität im Dienst des Gemeinwohls
Der Begriff Stadt, abgeleitet vom lateinischen Wort „civitas“, beschreibe laut Papst Leo XIV. eine menschliche Bedingung, in der die Gesellschaft ein geordnetes System von Beziehungen und Gesetzen bilde. Soziales Handeln bedeute Solidarität im Dienst des Gemeinwohls abseits von Teilinteressen. Angesichts aktueller Herausforderungen forderte der Papst dazu auf, das bürgerliche Bewusstsein zu stärken, um zu verhindern, dass öffentliches Eigentum vernachlässigt werde. Plätze, Parks und Straßen müssten als Orte der Begegnung durch Dialog und Kulturkontakt gepflegt werden. Weiter fügte Leo XIV. an:
„Sozial zu sein bedeutet, solidarisch zu sein und sich wie echte Mitmenschen zu verhalten: motiviert vom Gemeinwohl und nicht von Partikularinteressen. Die Bürger sind immer Mitbürger! Tatsächlich heißt die demokratische Körperschaft, die sich um die Stadt kümmert und das Wohlergehen ihrer Bewohner fördert, eben „Gemeinde“.“
Der Papst rief die Anwesenden dazu auf, eine Haltung des persönlichen Interesses an der Gesundheit der Mitmenschen, der Qualität des Lebensumfelds und dem Schutz der Natur einzunehmen. In diesem Kontext verwies er auf die akademische Tradition der Universität Pavia. Wissenschaft müsse den Menschen in den Mittelpunkt stellen, wobei jede Disziplin – von der Medizin über die Rechtswissenschaft bis zur Philosophie – eine Form der Sorge um den Einzelnen oder den sozialen Körper darstelle. Als Beispiel für die Suche nach Wahrheit nannte er den heiligen Augustinus, dessen Wirken den Dialog zwischen Glauben und Vernunft versinnbildliche, da beide Dimensionen einander bedingten. Der Glaube erinnere daran, dass der Mensch keinem anonymen Schicksal unterworfen sei.
Abschließend verwies der Papst auf die Aufgaben der Kirche vor Ort, die als Ort des Glaubens und der Nächstenliebe für Bedürftige, Kranke und ältere Menschen wirke. Er dankte den ehrenamtlichen Helfern und erklärte, dass das Kreuz im Stadtwappen von Pavia für die Verankerung der Stadtgeschichte in der christlichen Nächstenliebe stehe. Diese Geschichte solle durch die Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Vereinigungen, der Kirche und öffentlichen Institutionen fortgeschrieben werden. Die Ansprache endete mit dem apostolischen Segen für die Familien der Stadt.
Die Stadt Pavia: früher und heute
Die norditalienische Stadt in der Lombardei, südlich von Mailand gelegen, ist durch ein historisches Stadtbild mit mittelalterlichen Türmen, romanischen Kirchen und der Lage am Fluss Ticino geprägt. Die heutige Universitätsstadt fungiert als ein bedeutendes regionales Zentrum für Wissenschaft, Hochtechnologie und Gesundheitswesen, wobei das Stadtleben stark durch die rund 26.000 Studierenden mitbestimmt wird. Das Herzstück der städtischen Identität bildet die im Jahr 1361 gegründete Universität Pavia (Università degli Studi di Pavia), eine der ältesten Hochschulen Europas. Sie genießt bis heute internationales Ansehen, insbesondere in den Bereichen Medizin, Naturwissenschaften und Rechtswissenschaften, und ist eng mit historischen Persönlichkeiten wie dem Physiker Alessandro Volta oder dem Mediziner Camillo Golgi verknüpft, was Pavias Tradition als Innovations- und Bildungsstandort begründet.
(vatican news)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
