Papst an Kirche in Pavia: Experten im Zuhören und Begleiten sein
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
„Als lebendige Steine sind wir dazu berufen, eine fest in der Region verwurzelte Kirche zu sein, eine Kirche, die inmitten der Mühen und Hoffnungen der Menschen unterwegs ist, die Experte in der Kunst des Zuhörens und der Begleitung ist und die Beziehungen pflegt - zu Familien, zu denjenigen, die sich auf den Empfang der Sakramente vorbereiten, sowie zu denjenigen, die nur gelegentlich vorbeischauen oder dem Glaubensleben fernstehen", sagte Papst Leo XIV.. Ausgehend von der Lesung aus dem ersten Petrusbrief, die die Christen als lebendige Steine beschreibt, die das „geistige Haus" aufbauen, stellte Leo XIV. die Frage:
„Wie können wir heute hier in Pavia eine lebendige Kirche sein?" Petrus gebe dazu in seinem Brief bereits einen entscheidenden Hinweis: Es gelte, mit Christus vereint zu sein, „dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, von Gott aber auserwählt wurde. Christus ist das Fundament des geistlichen Bauwerks, er ist der Eckstein, der als Grundlage für unseren kirchlichen Weg, für unser pastorales Handeln und für die Evangelisierung gelegt wurde (vgl. V. 4–5)."
Die Verbundenheit mit Christus, dem Eckstein, ermögliche es der Kirche, die aktuelle heutigen Herausforderungen bei der Weitergabe des Glaubens anzugehen. „In einer Zeit, in der viele Menschen den Sinn für das Geistliche verloren zu haben scheinen oder aus verschiedenen Gründen das Angebot des christlichen Glaubens für ihr Leben nicht mehr als attraktiv empfinden, sind wir vor allem dazu aufgerufen, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden – eine freudige und befreiende Botschaft von Jesus Christus, die die Schönheit des Glaubens für unser Leben und für unsere Gesellschaft zum Vorschein bringt. Es besteht heute mehr denn je die Notwendigkeit, Menschen bei der Entdeckung oder Wiederentdeckung des Glaubens zu begleiten", unterstrich der Papst.
Die katholische Kirche in Pavia ist für Papst Leo diesbezüglich übrigens schon auf einem guten Weg; er lobte sie für ihre „Gemeinschaft mit langer Tradition, die in der Stadt und in der Region lebendig und präsent bleibt, die die Zeichen der Zeit und ihre Herausforderungen im Blick behält, ohne sich von den Mühen, dem säkularisierten Umfeld und den Schwierigkeiten bei der Weitergabe des Glaubens entmutigen zu lassen." Er erinnerte zugleich daran, sich stets von Christus und dem Evangelium leiten zu lassen. Priester und Ordensleute ermutigte der Papst, immer wieder zum Herrn zurückzukehren.
Was der heilige Augustinus heute noch lehrt
Leo XIV., der selbst dem Augustinerorden angehört, bezog sich in diesem Zusammenhang auch auf den heiligen Augustinus:
„In diesem Zusammenhang strahlt die Gestalt des heiligen Augustinus in besonderem Glanz. Sein Denken, die Geschichte seiner Bekehrung und seine Spiritualität erinnern uns an den Wert und den Vorrang der Innerlichkeit: ,Geh nicht hinaus, sondern kehre in dich selbst ein; im inneren Menschen wohnt die Wahrheit.` (De vera religione, 39,72)"
Es sei wichtig, sich nicht in Äußerlichkeiten zu verlieren oder dort Sinn und Orientierung zu suchen, betonte der Papst. Diese Versuchung sei in der heutigen, hektischen Zeit immer wieder groß, gerade auch unter der Jugend. Papst Leo XIV. bekräftigte die katholische Kirche in Pavia in der Evangelisierung. Es gelte, „ alle mit der Freude des Evangeliums zu erreichen".
Evangelisierung, Synodalität und Hoschschulseelsorge
Leo würdigte auch die Schritte der Ortskirche für einen synodalen Stil im Gemeinschaftsleben sowie traditionelle Wege der Pfarreien verbunden mit neuen Initiativen der Evangelisierung. Er warb dafür, Armen nahe zu sein und ging in der Universitätsstadt Pavia auch explizit auf die Hochschulseelsorge ein. Die Universität von Pavia ist eine der ältesten Unis Italiens und Europas.
„Und gerade hier in Pavia unterstreiche ich die Bedeutung der Universitätsseelsorge und des Dialogs mit der Kultur. Das Studium und die wissenschaftliche Erarbeitung spornen die Gläubigen an, ein Glaubensangebot zu durchdenken, das fähig ist, die Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Schönheit zu erhellen, die das menschliche Herz bewegt."
Verehrung des heiligen Augustinus
In der Basilika San Pietro in Ciel d'Oro in Pavia befinden sich seit dem 8. Jahrhundert die sterblichen Überreste des heiligen Augustinus (354-430). Tausende Pilger kommen, um das Grab des Bischofs von Hippo und Kirchenlehrers zu besuchen. An diesem besonderen Ort feierte Papst Leo XIV. diesen Donnerstagnachmittag mit den Bischöfen der Lombardei, dem Klerus, Priestern, Mitbrüdern des Augustinerordens und weiteren Ordensleuten den Wortgottesdienst - und er vererehte auch die Reliquien des Heiligen.
Der Generalprior der Augustiner, Pater Joseph L. Farrell, sagte in seinem Grußwort an Papst Leo XIV.:
„Mit Ihrem heutigen Besuch als ,Sohn des Augustinus` und Glied unserer eigenen Ordensfamilie schenken Sie uns die Gnade, gemeinsam mit Ihnen am Grab des Lehrers der Gnade (Doctor Gratiae) zu beten, und erweisen uns die Ehre, mit Ihnen unseren Akt der Weihe und Anvertrauung an den heiligen Vater Augustinus zu erneuern."
Leo XIV. hatte übrigens, bevor er Papst wurde, als Generalprior des Augustinerordens am 22. April 2007 das Grußwort der Augustiner an Papst Benedikt XVI. gehalten, als dieser Pavia und die Basilika im Rahmen seines damaligen Pastoralbesuchs besuchte.
Papst Leo XIV. grüßte nach seinem Besuch der Basilika an diesem Samstagnachmittag noch kurz die Gläubigen, die sich vor der Basilika versammelt hatten, und erteilte seinen Segen.
(vatican news - sst)
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