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Papst an Peter und Paul: Baumeister der Einheit sein

Mit einem eindringlichen Appell zur Einheit hat Leo XIV. die Gläubigen beim Festgottesdienst zum Hochfest Peter und Paul aufgerufen, sich wie die Apostelfürsten mit missionarischem Mut und Demut für Versöhnung und Einheit einzusetzen. Wegen ihrer herausragenden Bedeutung wurde Petrus und Paulus bereits im 4. Jahrhundert ein eigenes Hochfest gewidmet. Sie starben der Überlieferung nach um das Jahr 64 als Märtyrer in Rom und sind auch die Schutzheiligen der Ewigen Stadt.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus hat Papst Leo zu einer Kirche aufgerufen, die zuhört, Brücken baut und die Einheit bewahrt.

Vor allem in der Ewigen Stadt – dem Schicksalsort der beiden Apostel – hat dieses Fest große Bedeutung. Petrus und Paulus sind die Stadtpatrone Roms und haben in der Ewigen Stadt auch ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die beiden Apostel starben 64 n. Chr. den Märtyertod, als Kaiser Nero die Christen beschuldigte, Rom in Brand gesteckt zu haben. Der Tag ist in der Diözese Rom und im Vatikan ein Feiertag. Der Gedenktag der Apostelfürsten geht allerdings nicht auf ihre Todestage, sondern auf die Ankunft ihrer Reliquien in Rom zurück.

Papst Leo legt einem der neu ernannten Metropolitan-Erzbischöfe das Pallium um
Papst Leo legt einem der neu ernannten Metropolitan-Erzbischöfe das Pallium um   (@Vatican Media)

Das Fest der Stadtpatrone Roms

Auch die berühmte Bronzestatue Petri im Petersdom, deren Fuß von zahllosen Pilgerhänden fast blank gerieben ist, wird an diesem Tag besonders geehrt: zur Feier des Tages wird ihr ein kostbares rot-goldenes Gewand angelegt. Da die beiden Stadtpatrone Roms Märtyrer waren, ist die liturgische Farbe am Fest Peter und Paul Rot.

Die Nischen der vier gewaltigen Pfeiler, die um den Altar stehen und die Kuppel tragen, beherbergen Statuen der hl. Helena, Veronika, Longinus und des Apostels Andreas. Unter dem Papstaltar befindet sich die Confessio, das Petrusgrab.

In der Petersbasilika
In der Petersbasilika   (@Vatican Media)

Der Festgottesdienst im Petersdom

Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes und das Firmament kündet das Werk seiner Hände,“ sang die Schola, als die feierliche Prozession mit Papst Leo in den Petersdom einzog.

In seiner Predigt beschrieb das Kirchenoberhaupt die beiden Apostelfürsten als Vorbilder für Versöhnung, Demut und missionarischen Mut: „Der eine wurde von Jesus zum Hirten seiner Herde erwählt, der andere zum Apostel der Völker berufen. In ihnen verehren wir zwei Säulen der Kirche,“ so Papst Leo.

Auch die Petrusstatue wurde zur Feier des Tages mit einem rot-goldenen Gewand angetan
Auch die Petrusstatue wurde zur Feier des Tages mit einem rot-goldenen Gewand angetan   (@Vatican Media)

Petrus, der Hüter des Volkes Gottes

Petrus, der Hüter des Volkes Gottes, habe sich im Neuen Testament „immer wieder als jemand gezeigt, der sich dafür einsetzt, die Gemeinschaft unter den Brüdern und Schwestern zu bewahren.“ Doch Petrus sei nicht vollkommen gewesen. Während der Passion habe er „den Meister verleugnet, um anschließend Tränen aufrichtiger Reue zu vergießen,“ betonte der Papst. Aber er habe seine Fehler erkannt und sei seiner Sendung, das Evangelium zu verkünden und die Herde Christi zu sammeln, nie untreu geworden, „bis hin zum Martyrium, das er genau hier in Rom erleidet, unweit des Ortes, an dem wir uns befinden.“

Auch die Einheit der Kirche entstehe nicht durch starres Festhalten an den eigenen Überzeugungen, sondern durch die gemeinsame Suche nach der Wahrheit, schlussfolgerte der Pontifex.

Bei der Messe
Bei der Messe   (@Vatican Media)

Die Einheit fördern durch Zuhören, Unterscheidung und Ermutigung

Als Sinnbild für den Dienst des Petrus deutete Leo XIV. dessen „Schlüsselgewalt“ neu. Die Schlüssel Petri seien kein Werkzeug der Macht oder des Zwangs. „Ein Schlüssel reißt keine Türen nieder, sondern öffnet und schließt sie, indem er in ihrem Inneren nach den richtigen Mechanismen sucht und deren Bewegungen begleitet, damit sich die Verriegelungen lösen, die Riegel gleiten und sich die Türflügel frei in den Angeln drehen, sodass die Räume miteinander verbunden werden und aus vielen isolierten Zimmern ein einziges, einladendes Haus entsteht“, erklärte der Papst. So solle auch der Dienst des Petrus und seiner Nachfolger verstanden werden: durch Zuhören, Unterscheidung, Ermutigung und Korrektur die Einheit des Gottesvolkes zu fördern.

„Die Gemeinschaft in der Kirche entsteht nicht dadurch, dass man sich auf seine eigenen Positionen versteift, sondern indem man in den Herzen aller die Berührungspunkte in der Wahrheit sucht, in deren Licht allein ein jeder für den anderen zum Mittel des Wachstums wird“

Blick in den Petersdom
Blick in den Petersdom   (@Vatican Media)

 

Schließlich entstehe „die Gemeinschaft in der Kirche nicht dadurch, dass man sich auf seine eigenen Positionen versteift, sondern indem man in den Herzen aller die Berührungspunkte in der Wahrheit sucht, in deren Licht allein ein jeder für den anderen zum Mittel des Wachstums wird,“ so der Papst weiter.

Leo XIV. ging auch auf die menschlichen Schwächen des Apostels ein. Petrus habe Jesus verleugnet und auch später Fehler begangen. Doch gerade deshalb sei sein Leben ein Zeichen der Hoffnung: Nicht Vollkommenheit, sondern Umkehr und Treue machten einen Jünger Christi aus. Und so sei „das Beispiel des Petrus ... für jeden Christen eine Einladung, zum Baumeister der Einheit zu werden, indem er Gott in den Mittelpunkt seines Lebens stellt und seinen Brüdern und Schwestern nahe ist, aufmerksam für ihre Belange und Bedürfnisse.“

Feierliche Messe
Feierliche Messe   (@VATICAN MEDIA)

Paulus: Unermüdlicher Verkünder der Frohen Botschaft

Auch Paulus, den „unermüdlichen Verkünder der Frohen Botschaft“, stellte der Papst als Vorbild für die Kirche heraus. Dessen Schwert stehe nicht für Gewalt, sondern für die Kraft des Wortes Gottes, das den Menschen im Innersten verwandle. „Der Apostel der Völker hat sich von der Kraft des Wortes Gottes verwandeln lassen, das ihn der Gewalt entrissen hat, um ihn auf den Weg der Liebe zu führen,“ so der Pontifex wörtlich.

„Gott nahm den Verfolger der Kirche und machte ihn zu einem Boten des Friedens. Er vergab ihm alle Sünden und übertrug ihm einen Dienst, in dem er anderen die Sünden vergeben konnte,“ zitierte der Papst, der selbst dem Augustinerorden angehört, den Kirchenvater Augustinus.

Ein Eindruck von der Messe
Ein Eindruck von der Messe   (@Vatican Media)

Die Pallien für die neuen Metropolitan-Erzbischöfe

Im Anschluss an seine Predigt segnete Papst Leo die Pallien und nahm den neuen Erzbischöfen das Treueversprechen ab.

Das Pallium, Symbol für die Einheit mit dem Bischof von Rom, das vom Papst überall auf der Welt getragen wird, darf von Erzbischöfen nur für die Dauer ihrer Amtszeit und nur innerhalb ihrer Kirchenprovinz verwendet werden. Der schmale Schal aus der Wolle von Lämmern ist Ausdruck der besonderen Leitungsgewalt des Trägers. Es erinnert an das Bild des guten Hirten, der die verlorenen Schafe auf seinen Schultern trägt.

Das weiße Wollband sei weit mehr als ein liturgisches Zeichen, betonte Papst Leo. Es stehe für den Dienst am Volk Gottes. „Diese mit Kreuzen verzierten weißen Wollbänder bringen die Verpflichtung eines jeden Hirten – aber auch eines jeden Christen – zum Ausdruck, die Brüder und Schwestern auf seine Schultern zu nehmen“, sagte Leo XIV. Dies bedeute, Kraft, Zeit und Mühe zu investieren – ja notfalls sogar das eigene Leben für sie zu opfern.

Im Petersdom
Im Petersdom   (@Vatican Media)

Der Gruß an die Delegation aus Kontantinopel

Mit einem herzlichen Gruß an die Delegation des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel unterstrich Papst Leo zudem die Bedeutung des ökumenischen Dialogs. Zum Abschluss rief er die Gläubigen dazu auf, den gemeinsamen Weg der Christen entschlossen weiterzugehen: „Lasst uns zu den heiligen Petrus und Paulus beten, dass sie uns auf unserem Weg der Gemeinschaft in den Fußspuren des Erlösers beistehen mögen. Es ist der Weg, den er vorgezeichnet hat, das, wofür er beim Letzten Abendmahl zum Vater gebetet hat, das Ziel, auf das hin er uns mit zuversichtlicher Hoffnung zu streben gelehrt hat.“

Die feierliche Messe im Petersdom klang mit dem Gesang „Tu es Petrus“ aus (Du bist Petrus, der Fels, auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen): Den Worten aus dem Matthäusevangelium, die Jesus zu Petrus gesagt hat, und die auch jedem Nachfolger des hl. Petrus zugesagt werden: mit Leo XIV. dem 267.

Papst Leo und der Metropolit von Chalcedon, Emmanuel Adamakis, bei stillen Gebet am Petrusgrab
Papst Leo und der Metropolit von Chalcedon, Emmanuel Adamakis, bei stillen Gebet am Petrusgrab   (@Vatican Media)

Petrus und Andreas

Die Kirchen von Ost und West feiern dieses Patronatsfest seit 1969 gemeinsam: Das orthodoxe Patriarchat Konstantinopel entsendet regelmäßig eine hochrangige Delegation nach Rom. Der Vatikan seinerseits entsendet jeweils zum Andreasfest am 30. November eine Delegation zu den Feiern am Patronatsfest des Ökumenischen Patriarchats in Istanbul. Dieses Jahr ist eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats Konstantinopel unter Leitung des Metropoliten von Chalcedon, Emmanuel Adamakis, nach Rom gekommen.

Papst Leo am Hochfest Peter und Paul 2026
Papst Leo am Hochfest Peter und Paul 2026   (@Vatican Media)

(vaticannews – skr)

 

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29. Juni 2026, 11:40