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Papst in Barcelona: Propheten der Einheit sein, auch wenn es Opfer erfordert

Christen sollten in einer von Spaltungen zerrissenen Welt Baumeister der Einheit sein. Das hat Papst Leo beim Gebet der Mittagshore in der Kathedrale Santa Creu i Santa Eulàlia von Barcelona gesagt. Unmittelbar vor der Begegnung war er, von Madrid kommend, in der katalanischen Metropole eingetroffen. Papst Leo sprach während seiner Ansprache absatzweise auch die für die Gegend typische Sprache, die dem Spanischen nur entfernt ähnelt.

Der Papst verweilte nach Einzug in die Kathedrale zunächst einen Moment zum Gebet in der Kapelle, in der das Allerheiligste aufbewahrt wird. Nachdem Leo XIV. Platz genommen hatte, wurde in der Kirche die Mittagshore gebetet, die eine Atmosphäre der Andacht und des Innehaltens schuf.

Gemeinsam für Einheit einstehen

In seiner Predigt wandte sich der Papst an die anwesenden Gläubigen, darunter die Weihbischöfe, Diözesanvertreter, Mitarbeiter der Kathedrale und freiwilligen Helfer. Dementsprechend dicht war die erste Ansprache des Kirchenoberhauptes bei seiner Etappe in Barcelona.

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Die versammelten Kirchenvertreter rief Leo auf, gemeinsam für Einheit einzustehen und dabei nicht zu vergessen, dass jedes Glied, auch das schwächste, eine zentrale Rolle im Gesamtgefüge habe. Besonders in einer von Spaltungen und Individualismus geprägten Welt seien die Christen dazu berufen, Zeugen der Einheit, des Friedens und der Gemeinschaft zu sein und so am Aufbau einer versöhnten Gesellschaft mitzuwirken.

Ausgehend von zwei Bildern, dem des Leibes und der Braut – in Sacrosanctum Concilium (84) wird das Stundengebet als „Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht“ bezeichnet -  erläuterte Papst Leo die Bedeutung des Zusammenhaltes in der Gemeinschaft.

„Das erste Bild erinnert uns daran, dass die Kirche – und insbesondere diese Versammlung, die reich ist an Gaben, Charismen und den vielfältigen Lebensgeschichten jedes Einzelnen – vor allem eine geliebte Braut ist“, so Leo, der mit Blick auf eine Empfehlung seines Vorgängers Franziskus unterstrich, dass die Diözesangemeinschaft stets „von der Begegnung mit Christus“ ausgehen müsse, um „in der Geschwisterlichkeit und in der Verkündigung der Frohbotschaft des Evangeliums“ zu wachsen (Videobotschaft anlässlich der Einweihung des Turms der Jungfrau Maria der der Basilika Sagrada Familia, 8. Dezember 2021).

Papst Leo an diesem Dienstag in Barcelona (Vatican Media)
Papst Leo an diesem Dienstag in Barcelona (Vatican Media)   (@Vatican Media)
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Ein familiäres Umfeld

„Seine (Franziskus', Anm.) Worte zeigen, welches Klima wir in unserem Umfeld, in den Familien, in den Pfarreien, an den Arbeits- und Ausbildungsstätten, in den Einrichtungen der Kurie und in jedem anderen Lebensbereich verbreiten sollen: ein familiäres Klima, in dem wir zusammen leben, uns unserer gemeinsamen Kindschaft und Berufung bewusst sind, solidarisch, offen, fähig zu Barmherzigkeit, zu Opfer, gegenseitiger Achtung und Vergebung.“

Barcelona blicke diesbezüglich auf eine „große kirchliche Tradition“ zurück, lobte der Papst mit Blick auf den Einsatz der Gemeinschaft „jenseits aller Polarisierung für Harmonie und Gemeinschaftsbildung", den schon Johannes Paul II. bei seinem Besuch 1982 hervorgehoben habe.

Wie in einem Leib

Dies führe zum „zweiten Bild“, dem des Leibes, das in der Lesung thematisiert wurde:

„Wenn Christus der Bräutigam ist, der uns zuerst geliebt hat, so ist er auch das Haupt, mit dem wir als Glieder eines einzigen Leibes verbunden sind, einer im Dienst des anderen“, so Leo, der jeden Einzelnen dazu aufrief, die „empfangenen Charismen unter Achtung der anvertrauten Dienste“ einzubringen.

„Wie in einem Leib gibt es auch unter uns stärkere und schwächere Glieder: einige sind sichtbar und erfüllen nach außen hin klare Aufgaben, andere sind verborgen und wirken von innen heraus“

„Wie in einem Leib gibt es auch unter uns stärkere und schwächere Glieder: einige sind sichtbar und erfüllen nach außen hin klare Aufgaben, andere sind verborgen und wirken von innen heraus – manchmal unermüdlich und in lebenswichtigen Funktionen, ohne dass es jemand bemerkt“, so das Kirchenoberhaupt. Zwar gebe es „viele Bilder“, mit denen Vielfalt und Bedeutung der Rollen und Aufgaben der einzelnen Akteure veranschaulicht werden könnten, doch die Botschaft sei „immer dieselbe“:

„Im Reichtum der empfangenen Gaben sind wir stark, weil wir vereint sind und wir sind vereint, weil wir vom selben Geist beseelt sind, dem Geist Christi, welcher der Geist der Gemeinschaft ist, zum Heil aller (vgl. Eph 4,4).“

Daher sei es „für jeden von uns wichtig“, nicht zuzulassen, dass die von Gott gewollte „Einheit zerstört“ werde, mahnte Leo XIV.. Barcelona werde auch als „Cap i Casal de Catalunya“ bezeichnet, wechselte er erneut ins Katalanische:

„Dies verleiht dieser Gemeinschaft, euch allen, den Einwohnern Barcelonas und den Katalanen, eine besondere Berufung und Verantwortung, mit Gottes Hilfe zu Baumeistern der Einheit zu werden.“

Papst Leo im Gebet in Barcelona (Vatican Media)
Papst Leo im Gebet in Barcelona (Vatican Media)   (@Vatican Media)

Friedenszeugen in einer zerrissenen Welt

„In diesem Geist wollen auch wir in einer von Kriegen und Spaltungen zerrissenen Welt, in einer zunehmend fragmentierten und individualistischen Gesellschaft ,Märtyrer' sein, das heißt, Zeugen und Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens, selbst wenn dies Opfer und Verzicht erfordert“

In Kürze werde die Gemeinschaft die Reliquien der heiligen Eulalia verehren, die Mitpatronin der Kathedrale, der Erzdiözese und der Stadt, unterstrich Leo XIV. mit Blick auf das Martyrium der Jungfrau, die der Legende nach wegen ihres christlichen Glaubens unter Kaiser Diokletian nach schwerer Folter im Jugendalter getötet wurde. Wie der heilige Augustinus betont habe, seien alle Christen mit den Märtyrern verbunden, da sie demselben Leib Christi angehörten – auch wenn sie die Heiligkeit der Märtyrer nicht erreichen, paraphrasierte Papst Leo den heiligen Gründer seines Ordens:

„Liebe Brüder und Schwestern: In diesem Geist wollen auch wir in einer von Kriegen und Spaltungen zerrissenen Welt, in einer zunehmend fragmentierten und individualistischen Gesellschaft ,Märtyrer' sein, das heißt, Zeugen und Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens, selbst wenn dies Opfer und Verzicht erfordert.“

Wie die Jungfrau Eulalia und viele andere Märtyrer auch gelte es, mit unserem „Ja“ zu antworten, „wenn nötig dazu bereit, uns selbst zu sterben, unser Leben zu verlieren, um es wiederzufinden, auf das Überflüssige zu verzichten, um auf dem aufzubauen, was wesentlich ist und ewig währt (vgl. Mt 16,24-26)“, so der abschließende Appell des Papstes.

Gebet am Grab der Heiligen Eulalia

In seinen Grußworten vor der Papstansprache dankte der Erzbischof von Madrid, Kardinal Juan José Omella Omella, dem Papst „von Herzen“ dafür, die Einladung angenommen zu haben. Er betonte, der erste „Akt“ in der katalanischen Stadt sei das gemeinsame Stundengebet, so Omella, dessen Diözese den Papst „mit großem Enthusiasmus“ empfange.

Nach Abschluss der Sext begab sich der Papst in die Krypta der Kathedrale, um dort am Grab der Heiligen Eulalia zu beten. Danach wandte sich der Papst vor der Kathedrale mit spontanen Worten an die versammelten Gläubigen: 

„Mit großer Freude grüße ich euch alle, euch alle, danke, dass ihr hier seid. Danke für eure Geduld. Danke für eure Freude. Lasst uns alle den Glauben an Christus feiern. Jesus Christus, der uns dazu berufen hat, als ein Volk zu leben, vereint im Glauben. Gott segne euch alle."

Danach ging der Papst zu Fuss zur Erzbischöflichen Residenz, um dort in privatem Rahmen zu Mittag zu essen.

Bis Donnerstag wird sich Papst Leo – nebst einem Abstecher nach Montserrat am Mittwoch – in Barcelona aufhalten, bevor er nach Las Palmas de Gran Canaria weiterreisen wird. Radio Vatikan überträgt live auf Deutsch.

(vatican news - cs)

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09. Juni 2026, 14:16