Papst Leo XIV. bei der Audienz für die Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen (ROACO) Papst Leo XIV. bei der Audienz für die Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen (ROACO)  (@VATICAN MEDIA)

Papst an ROACO: Kirche baut Zukunft auf – Krieg zerstört Gegenwart

Papst Leo XIV. hat die Katholiken der Ostkirchen ermutigt, ihren „geistlichen Reichtum zu verbreiten“, um der Kirche als Ganzes zu nützen. Gleichzeitig verurteilte er bei einer Ansprache im Vatikan die durch Kriege verursachte Instabilität, die Christen im Nahen Osten dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen.

 

Christine Seuss - Vatikanstadt

Papst Leo XIV. traf am Donnerstag mit den Teilnehmern der Vollversammlung der Vereinigung der Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen (ROACO) in der Sala Clementina im Vatikan zusammen. In seiner Ansprache lobte der Papst den Schwerpunkt der Tagung, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten in den Seminaren der Ostkirchen stärker zu unterstützen:

„Ich halte dies für eine sehr angemessene Entscheidung. Eine Kirche zu unterstützen bedeutet nämlich nicht nur, sie mit materiellen Mitteln zum Lebensunterhalt zu versorgen, sondern ihr auch zu helfen, in ihrer Identität und ihrer Evangelisierungskraft zu wachsen, die auf der Ausbildung der Amtsträger beruhen, die berufen sind, ihren geistlichen Reichtum zu verbreiten. Und die katholischen Ostkirchen bewahren viel davon und teilen ihn mit ihren Brüdern und Schwestern in den orthodoxen Kirchen.“

Die Ausbildung der kirchlichen Amtsträger sei für das Wachstum der Kirche unverzichtbar, so Papst Leo, der daran erinnerte, dass die Auffassung weit verbreitet sei, dass die katholische Kirche mit der lateinischen gleichzusetzen sei - wobei jedoch die mit Rom unierten Ostkirchen, die ihre eigenen Traditionen bewahrten, vergessen würden.

Bei der Audienz
Bei der Audienz   (@Vatican Media)
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„Unsere Mutter Kirche ist also vereint, aber nicht einförmig“

„Unsere Mutter Kirche ist also vereint, aber nicht einförmig“, sagte der Papst. „Ihr fruchtbarer Mutterleib hat verschiedene spirituelle und theologische Traditionen, unterschiedliche Riten und Disziplinen hervorgebracht, die sich gegenseitig bereichern.“

Die Ostkirchen führten die Katholiken zu den Ursprüngen des Glaubens zurück, da in ihren Liturgien das Licht der Gnade besonders aufleuchte, fügte er hinzu.

Großzügige Unterstützung

Gleichzeitig könne das christliche Erbe des Ostens nur bewahrt werden, wenn es verstanden werde. Dies erfordere Investitionen in die Ausbildung. Deshalb begrüßte der Papst die Entscheidung von ROACO, die Ausbildung künftiger Priester und Diakone finanziell zu unterstützen.

„Diese Verbindung zwischen Wissen und Nächstenliebe, zwischen offenem Geist und tatkräftigen Händen, erfordert jedoch auch den Geist: ein Herz, das nicht nur großzügig ist, sondern auch von der Gnade erfüllt und vom Heiligen Geist entflammt ist“, sagte er.

„Während ihr Leben schafft, säen sie den Tod; während ihr eure Hand dem Nächsten reicht, suchen sie Feinde, die sie vernichten können“

Eine Großzügigkeit, die in krassem Widerspruch dazu stehe, wie viel Geld „in dieser dunklen Stunde der Geschichte“ verschwendet werde, „um zu töten“, unterstrich Papst Leo: „Geld, das von so vielen, die Kriege schüren, einfach verschleudert wird. Während ihr Leben schafft, säen sie den Tod; während ihr eure Hand dem Nächsten reicht, suchen sie Feinde, die sie vernichten können; während ihr den Dialog fördert, streben sie nach Monologen; während ihr Wege der Hoffnung eröffnet, sperren sie die Völker in Angst ein; während ihr die Zukunft aufbaut, zerstören sie die Gegenwart.“

Krieg vertreibt Christen

Dieser Gegensatz zeige deutlich, dass manche ihre Mittel einsetzen, um Bedürftigen zu helfen, während andere Ressourcen für das Töten verschwenden, sagte der Papst.

In diesem Zusammenhang erinnerte er an den „schmerzhaften Wegzug der orientalischen Christen aus ihren Heimatgebieten (…), der vor allem durch den Krieg verursacht wurde“ und „keine Probleme löst, sondern Tragödien schafft“: Tragödien, die von der Welt oft vergessen werden, so die mahnenden Worte des Kirchenoberhauptes

„Als Folge des Krieges gibt es eine Plage, über die ich heute sprechen möchte und die vor allem die orientalischen Kirchen weiterhin ausbluten lässt. Ich fasse sie in einem Wort zusammen: unsichere Lebensverhältnisse.“

... und zerstört Zukunft

Selbst wenn ein Krieg beendet sei, blieben Gesellschaften von der Vergangenheit gezeichnet – durch bewaffnete Banden, geschwächte Institutionen und manipulative äußere Einflüsse, die das politische und gesellschaftliche Leben unterwandern. Ein solches System agiere nicht frei, sondern manövriere sich „zwischen tausend Hintertürchen, geheimen Abkommen und Partikularinteressen“ hindurch: „Mit den kaum verhohlenen Machenschaften anderer Staaten, die nach ihren Ressourcen gieren und schädlichen Einfluss ausüben, wobei sie die fragilen Verhältnisse als Ergebnis innerstaatlicher Widerstände erscheinen lassen. Und so entsteht eine andauernde Unsicherheit, die die Entwicklungsmöglichkeiten erstickt und immer wieder auf dem Rücken der Armen lastet.“

„Andauernde Unsicherheit, die die Entwicklungsmöglichkeiten erstickt und immer wieder auf dem Rücken der Armen lastet“

Diese Situation dränge die Menschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse, zerstöre Hoffnungen und Zukunftschancen und belaste besonders Familien sowie junge Menschen, gab Papst Leo zu bedenken. Abschließend rief der Papst dazu auf, über die weitreichenden Folgen von Krieg und Instabilität nachzudenken, einschließlich der in der Geschichte zu beobachtenden Tatsache, dass Gewalt oft auf diejenigen zurückfalle, die sie ausüben:

Bei der Audienz
Bei der Audienz   (@Vatican Media)

„Lasst uns zu Jesus, dem Herrn des Friedens, beten und an die Gewissen appellieren, damit sie für Empörung empfänglich werden; und mögen die Achtung vor der Menschheit und ein gebührender Gemeinsinn wiederaufleben“

„Lasst uns zu Jesus, dem Herrn des Friedens, beten und an die Gewissen appellieren, damit sie für Empörung empfänglich werden; und mögen die Achtung vor der Menschheit und ein gebührender Gemeinsinn wiederaufleben!“, so sein abschließender Appell.

(vatican news - cs)

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18. Juni 2026, 12:41