Papst bei Sozialprojekt in Madrid: Die Liebe Christi drängt uns zur Nächstenliebe
Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
Am ersten Tag seines einwöchigen Besuchs in Spanien hat sich Papst Leo gegen eine in unserer Zeit weit verbreitete Kälte der Gleichgültigkeit ausgesprochen und eine gelebte Nächstenliebe angemahnt, die den leidenden Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Sein zweiter offizieller Termin führte den Pontifex ins Zentrum „CEDIA 24 horas“, wo ihm ein Sozialprojekt für Bedürftige vorgestellt wurde. Die von der Diözesancaritas Madrid im Stadtteil Lucero betriebene Einrichtung ist rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, geöffnet und bietet Menschen in Not Grundversorgung, soziale Unterstützung und Wiedereingliederungsmaßnahmen an.
Das Haus, wo niemand allein gelassen wird
In seiner Ansprache würdigte Papst Leos dieses „Haus, wo niemand alleine gelassen wird.“
„Hier sind die Freude und der Schmerz eines jeden die Freude und der Schmerz aller, und indem wir einander zuhören, stellen wir uns gemeinsam den Herausforderungen, ohne die Komplexität der Situationen zu ignorieren oder die Anforderungen von Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu vergessen, ,im Dialog mit all denen, die um den Menschen und seine Welt ernstlich Sorge tragen“, zitierte Leo XIV. aus der Enzyklika Deus caritas est von Papst Benedikt XVI.
Menschen in Not ihre Würde zurückgeben
Im Mittelpunkt der Begegnung standen die Geschichten von Menschen, die durch die Hilfe dieser Einrichtung neuen Lebensmut geschöpft haben. Bevor der Papst das Wort ergriff, erzählten sie ihm ihre Schicksale – wie das von Niurka, die dank einer „kleinen offenen Tür“ der Barmherzigkeit ihren Kindern das Leben und eine Zukunft schenken konnte. Oder die Geschichte von Khadri, für den die Reise ins Ungewisse einen guten Ausgang nahm, und der heute selbst Hilfesuchenden hilft. Vorgestellt wurde auch die Arbeit des „Proyecto Esperanza“, bei dem Freiwillige wie Alicia traumatisierten Frauen helfen, ihre Würde und Selbstständigkeit zurückzugewinnen.
Papst Leo betonte, dass die ihm überreichten Geschenke– ein Band mit Babynamen, eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Sandale als Erinnerung an den „heiligen Boden“ des menschlichen Lebens – vor allem eines deutlich machten: im „CEDIA 24 horas“ wird das ganze Jahr über eine „einladende Krippe“ für die Schwächsten bereitet, „die auf der Suche nach Hilfe an die Tür des Zentrums klopfen.“
Die Liebe Christi drängt uns, uns unseren Brüdern und Schwestern zuzuwenden
Unter Bezugnahme auf das offizielle Motto des Papstbesuchs in Spanien, „Erhebt eure Augen!“ (Joh 4,35) forderte das Kirchenoberhaupt die Anwesenden auf, ihre Augen nicht vor der Not anderer zu verschließen. Echte Nächstenliebe sei ein Kairos – ein „einzigartiger und unwiederholbarer Moment der Gnade“, der keinen Aufschub dulde.
„Die Liebe Christi drängt uns, uns unseren Brüdern und Schwestern zuzuwenden, und die Nächstenliebe und Fürsorge, mit denen wir auf dieses Drängen reagieren, sind der Beweis für unseren Glauben,“ so der Papst wörtlich.
Ein kaltes Herz ist starr
An dieser Stelle warnte der Pontifex vor einem Phänomen unserer Zeit: Auch Christen ließen sich zunehmend von „weltlichen Ideologien oder politischen und wirtschaftlichen Orientierungen anstecken“, die zu ungerechten Verallgemeinerungen führten. Wenn praktizierte Nächstenliebe als bloße „Fixierung weniger“ lächerlich gemacht werde, verliere die Kirche den Kern ihrer Sendung.
„Die Worte Jesu sind auch eine Einladung, unser Herz so zu bilden, dass es für die Nöte der anderen empfänglich ist… Ein lebendiges Herz ist warm und schlägt, und es schenkt Leben. Ein kaltes Herz ist starr, es pumpt kein Blut mehr weiter und führt zum Tod des Menschen,“ so der Papst wörtlich.
Inspiriert von den Worten seines Vorgängers Papst Franziskus erinnerte Leo XIV. daran, dass echte Hilfe über bloßes Almosengeben hinausgehen müsse:
„Diejenigen, die wirklich lieben, beschränken sich nicht darauf etwas zu geben. Sie hören zu, treten in Dialog, versuchen, die Situation und ihre Ursachen zu verstehen. Sie achten auf die materiellen, aber auch auf die geistigen Bedürfnisse, auf die ganzheitliche Förderung des Menschen.“
Die Begegnung in der Obdachloseneinrichtung in Madrid klang mit einem kurzen Gebet zur Jungfrau von Almudena aus. Danach vertraute der Papst die Anwesenden dem Schutz der Muttergottes an.
Hintergrund
„CEDIA 24 horas“ (Centro de Encuentro y Acogida) ist eine Anlauf- und Erstversorgungsstelle für Obdachlose. Neben Notfalldiensten umfasst das Projekt Wohnungen mit Betreuungsangeboten für Menschen, die auf ihrem Weg der Heilung und Wiedereingliederung Fortschritte machen. Die angebotene Unterstützung geht über die Grundversorgung hinaus und bietet auch berufliche Fortbildungsworkshops, individuell zugeschnittene Förderprogramme sowie eine umfassende soziale Betreuung an, die darauf abzielt, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern.
(vaticannews – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
