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Wortlaut: Papst in Spanien bei Sozialprojekt „Cedia 24 Horas“

Hier finden Sie die zweite Ansprache, die Papst Leo XIV. an diesem Samstag in der spanischen Hauptstadt Madrid gehalten hat, in ihrer offiziellen deutschen Fassung. Einige frei gesprochene Worte zu Beginn und am Ende wurden in einer Arbeitsübersetzung ergänzt.

Alle Wortmeldungen des Papstes und des Heiligen Stuhls in ihrer amtlichen Übersetzung ins Deutsche werden auf der Internetseite des Heiligen Stuhls veröffentlicht.

Ansprache des Heiligen Vaters

Besuch bei den Mitarbeitern und den vom Sozialprojekt „Cedia 24 Horas“ betreuten Personen

Informations- und Aufnahmezentrum, Madrid

Samstag, 6. Juni 2026

Vielen Dank. Wie Sie sehen, habe ich meine Rede auch nicht auswendig gelernt. Da wir hier ja alle wie eine Familie zusammen sind...

Eminenz,

[Exzellenzen],

liebe Brüder und Schwestern,

      Ganz ehrlich, ich freue mich sehr, meinen Besuch in Madrid hier zu beginnen. Wie Seine Eminenz gesagt hat: Wer in Madrid ist, ist von Madrid. Und so bin auch ich unter euch als ein weiterer Madrilene: Danke, Madrid, für diesen Empfang, einen Empfang, durch den ich mich als Teil einer großen und wunderbaren Familie fühle, in der – wie in allen Familien – Wunder der Liebe geschehen.

       Insbesondere in diesem Haus, wo niemand alleine gelassen wird. Hier sind die Freude und der Schmerz eines jeden die Freude und der Schmerz aller, und indem wir einander zuhören, stellen wir uns gemeinsam den Herausforderungen, ohne die Komplexität der Situationen zu ignorieren oder die Anforderungen von Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu vergessen, »im Dialog mit all denen, die um den Menschen und seine Welt ernstlich Sorge tragen« (Deus caritas est, 27). So geht CEDIA den Weg des Evangeliums und folgt den Spuren Jesu, des Sohnes Gottes, der Mensch wurde, nicht nur, um unsere Krankheiten und unser Elend zu heilen, sondern um sie auf sich zu nehmen – außer der Sünde –, der in Schwachheit als einer von uns lebte und sich mit jedem leidenden Menschen identifizierte, so sehr, dass er zu uns sagte: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan« (Mt 25,40).

       In diesem Sinne können wir die Worte interpretieren, die wir gerade im Lied gehört haben: »In jedem Traum habe ich dich gesucht, und keiner war vergeblich«. Sie fassen die Zeugnisse, die wir gehört haben, und die Arbeit, die hier täglich geleistet wird, sehr gut zusammen.

       Tatsächlich hat Niurka dank eines Traums und einer kleinen offenen Tür – klein an Größe, aber unermesslich an Barmherzigkeit, wie Seine Eminenz gesagt hat – Ares und Atenea das Leben geschenkt, ihre mütterliche Liebe, die Gnade der Taufe und das Versprechen einer glücklichen Zukunft.

       Dank eines Traums und eben dieser kleinen Tür hat Khadri den dunklen Tunnel der Pandemie und eine Reise voller Ungewissheiten überstanden. Mit der Hilfe derer, die ihm die Hand gereicht und ihm gezeigt haben, dass sie ihn schätzen und an ihn glauben, hat er eine Arbeit und vor allem wieder den Willen daran gefunden, weiterzumachen, und auch anderen eine Hilfe zu sein, so wie andere ihm geholfen haben.

       Ebenfalls dank eines Traums und dieser kleinen Tür helfen Alicia und weitere Freiwillige des Proyecto Esperanza jeden Tag vielen Frauen dabei, ihre Würde, ihre Selbstständigkeit, ihre Hoffnung und den Respekt vor dem heiligen Wert ihrer Person wiederzugewinnen und ein neues Leben zu beginnen.

       Auch die Symbole, die ihr mir geschenkt habt, sind eine Botschaft an alle: Das Band mit den Namen der Kinder drückt die Freude aus, die jede Geburt in die Welt bringt; die Aufenthaltsgenehmigung erzählt eine Geschichte von Mühsal, vor allem aber von Engagement, Ehrlichkeit und Aufnahme; die Sandale, die an die Begegnung Moses mit Gott auf dem Horeb erinnert (vgl. Ex 3,1-6), verweist auf den »heiligen Boden«, den wir in allem menschlichen Leben achten müssen.

       Deshalb danke ich euch allen von ganzem Herzen dafür, dass ihr schmerzhafte, aber vor allem lichtvolle Erfahrungen mit uns geteilt habt, die wie Spiegel die Liebe Gottes widergeben.

       Eure Zeugnisse öffnen uns ein Fenster zu einem immensen Panorama mit unzähligen Müttern wie Niurka, Jungen und Mädchen wie Ares und Atenea, Frauen und Männern wie Khadri, von Freiwilligen wie Alicia: so vielen Menschen, so vielen Brüdern und Schwestern, so vielen Geschichten, die so zahlreich sind, dass man mit dem heiligen Johannes sagen kann: »Wenn man alles einzeln aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die dann geschriebenen Bücher nicht fassen« (Joh 21,25). Und der Vergleich mit dem Evangelium ist nicht zu weit hergeholt, denn in diesen Geschichten setzt sich das, »was Jesus getan hat« (ebd.) und worauf sich der Evangelist bezieht, fort.

       Der Erzbischof hat in seiner Ansprache an den Weg erinnert, der von Betlehem zum Paradies führt. Madrid ist auch für die Krippen bekannt, die die Stadt in der Weihnachtszeit schmücken. Ihre Schönheit ist allerdings nur ein blasser Abglanz eines noch größeren und tieferen Wunders, das wir heute hier erleben. Die Lichter, die Stimmen und die Klänge, die uns während der Weihnachtsfeiertage bewegen und uns zu Tränen rühren, sind in Wirklichkeit das ganze Jahr über in uns und mit uns und unter uns, und heute sind sie lebendiger und strahlender denn je in diesen Räumen, rund um diese schlichte und einladende „Krippe“, die ihr mit Gottes Hilfe Tag für Tag – ja, buchstäblich Tag und Nacht – für Jesus vorbereitet, der in den Menschen gegenwärtig ist, die auf der Suche nach Hilfe an die Tür des Zentrums klopfen.

       Als Motto für diesen Besuch wurden die Worte Jesu an seine Jünger gewählt: »Erhebt eure Augen!« (Joh 4,35).

       Sie laden uns ein, die reifen Felder zu betrachten, die auf die Ernte warten, und erinnern uns daran, dass die Nächstenliebe keinen Aufschub duldet. Wenn man nicht erntet, wenn der Weizen reif ist, geht die Ernte verloren, und das ist unsere Verantwortung gegenüber den Notleidenden: eine Verantwortung, die jede Begegnung mit dem anderen zu einem kairos erhebt, zu einem einzigartigen und unwiederholbaren Moment der Gnade, der Liebe, den man weder verpassen noch aufschieben darf. Die Liebe Christi drängt uns, uns unseren Brüdern und Schwestern zuzuwenden (vgl. 2 Kor 5,14), und die Nächstenliebe und Fürsorge, mit denen wir auf dieses Drängen reagieren, sind der Beweis für unseren Glauben.

       Wenn wir genau darüber nachdenken, lassen sich in Wirklichkeit »auch Christen oft von weltlichen Ideologien oder politischen und wirtschaftlichen Orientierungen anstecken, die zu ungerechten Verallgemeinerungen und abwegigen Schlussfolgerungen führen. Die Tatsache, dass praktizierte Nächstenliebe verachtet oder lächerlich gemacht wird, als handle es sich um die Fixierung einiger weniger und nicht um den glühenden Kern der kirchlichen Sendung, bringt mich zu der Überzeugung, dass wir das Evangelium immer wieder neu lesen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, dass eine weltliche Gesinnung an seine Stelle tritt. Wenn wir nicht aus dem lebendigen Strom der Kirche herausfallen wollen, der dem Evangelium entspringt und jeden Moment der Geschichte fruchtbar werden lässt, dürfen wir auf gar keinen Fall die Armen vergessen« (Dilexi te, 15).

       Die Worte Jesu sind auch eine Einladung, unser Herz so zu bilden, dass es für die Nöte der anderen empfänglich ist (vgl. Ps 112,1-9), und in uns den Wunsch nach dem Guten lebendig zu halten, den Gott in unsere Menschennatur hineingelegt hat und den der Glaube freisetzt und festigt. Diesbezüglich sagte Papst Franziskus: »Angesichts des Geheimnisses des eigenen Lebens und der Herausforderungen der Gesellschaft hat der Glaubende einen Anstoß, eine Leidenschaft, einen Traum, den er hegt, ein Interesse, das ihn antreibt, sich persönlich zu engagieren« (Homilie, Marseille, 23. September 2023). Er warnte vor der Gefahr »eines stumpfen, kalten Herzens, das sich im ruhigen Leben eingerichtet hat, das mit Gleichgültigkeit gepanzert ist und undurchdringbar wird, das sich verhärtet« (ebd.). Ein lebendiges Herz ist warm und schlägt, und es schenkt Leben. Ein kaltes Herz ist starr, es pumpt kein Blut mehr weiter und führt zum Tod des Menschen.

       Ich möchte jedoch noch einen letzten Aspekt der Einladung des Herrn hervorheben: Tatsächlich ist sie auch ein Aufruf, den Leidenden in die Augen zu schauen und die Hilfe vor allem zu einer Begegnung von Geschwistern werden zu lassen, die in der einen Umarmung des Vaters vereint sind. Auch darauf hat Papst Franziskus großen Wert gelegt. Er fragte: »Wenn du Almosen gibst, schaust du dem Bettler in die Augen? Berührst du seine Hand, um sein Fleisch zu spüren?« (Angelus, 27. Oktober 2024); und er folgerte: »Almosengeben ist kein Akt der Wohltätigkeit. Derjenige, der die meiste Gnade durch das Almosen erhält, ist derjenige, der es gibt, weil er sich von den Augen des Herrn anblicken lässt« (ebd.). Diejenigen, die wirklich lieben, »beschränken sich nicht darauf etwas zu geben: Sie hören zu, treten in Dialog, versuchen, die Situation und ihre Ursachen zu verstehen […]. Sie achten auf die materiellen, aber auch auf die geistigen Bedürfnisse, auf die ganzheitliche Förderung des Menschen« (Botschaft zum 7. Welttag der Armen, 13. Juni 2023, 5).

       Und zum Schluss wollen wir auf Maria blicken, in deren Liebe all dies seine Erfüllung findet: in ihrer fürsorglichen Liebe in Kana (vgl. Joh 2,1-11), in der sehnsüchtigen Suche nach ihrem Sohn (vgl. Lk 2,41-49; 8,19-21), in ihrer Nähe und Anteilnahme bis zum Ende am Fuße des Kreuzes (vgl. Joh 19,25-27). Ihr vertraue ich jeden von euch und eure Arbeit an, auf diesem ihr geweihten Boden, in der Hoffnung, dass der Geist ihrer universalen Mutterschaft den Ruf des Glaubens immer mehr belebt. Zu ihr sagen wir: »Lehre uns, dich immer als Mutter zu sehen, als Quelle der Barmherzigkeit, Schoß der Vergebung, Umarmung der Hoffnung, Pforte zur Herrlichkeit« (Gebet des heiligen Johannes Paul II. zur Jungfrau von Almudena, 15. Juni 1993).

Danke.

Nun, bevor ich den Segen erteile, lasst uns einen Moment lang das Gebet sprechen, das Jesus Christus uns gelehrt hat...

Vater unser...

Nach dem Segen: Herzlichen Glückwunsch an alle, vielen Dank für diesen Beweis der Liebe.

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06. Juni 2026, 19:15