Barcelona in Vorfreude auf Papst Leo XIV.
Augustine Asta und Stefanie Stahlhofen – Barcelona (Spanien)/Vatikanstadt*
„Spanien ist, historisch gesehen, sozusagen ein Land des Glaubens. In letzter Zeit hat es in Bezug auf den Glauben einen Wendepunkt gegeben. Man kann aber nicht sagen, dass es keinen Glauben gibt. Der Glaube war und ist unter den Jugendlichen immer vorhanden. Vielleicht ist es kein Glaube, der im Fernsehen und anderswo Gott besingt, sondern ein Glaube, der still und leise ist und auf verschiedenen Ebenen gelebt wird", berichtet uns Pater Paulin Neme Ebanda. Der Priester der Kongregation der Missionare der Heiligen Herzen Jesu und Mariens ist Oberer der Gemeinschaft und Vikar der Pfarrei Mare de Déu del Coll im Stadtteil Gràcia im Zentrum von Barcelona. Laut einer aktuellen Studie über die spanische Jugend, die von der Fundación SM veröffentlicht wurde – einer spanischen Bildungsstiftung, die vor fast fünfzig Jahren von den Marianisten gegründet wurde –, bekennen sich 45 Prozent der Jugendlichen im Land zum katholischen Glauben, gegenüber 31,6 Prozent im Jahr 2020 - also ein Anstieg.
Der aus Kamerun stammende Pater Ebanda ist täglich mit jungen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebenswelten in Kontakt: Katalanen, internationale Studierende, Migranten aus Afrika und Lateinamerika. Er sagt, der Glaube in Spanien sei trotz alarmistischer Reden über den Rückgang der Religion weiterhin eine lebendige Realität.
„Tatsächlich gibt es einen stillen Glauben der Jugendlichen, die sich gerade Fragen über den Sinn ihres Lebens stellen. All diese Fragen führen dazu, dass Jugendliche vielleicht manchmal die Glaubwürdigkeit der Kirche anzweifeln, aber niemals Gott. Die Jugendlichen glauben an Gott."
Vorfreude auf Gebetsvigil mit Leo in Barcelona
Dass der Glaube unter jungen Katholiken in Spanien weiter lebendig ist, hat Papst Leo XIV. bereits in Madrid bei der großen Jugendvigil am Samstagabend erlebt, an der rund 600.000 Leute teilnahmen. In Barcelona trifft das katholische Kirchenoberhaupt am Dienstagabend um 20 Uhr junge Leute zur Gebetsvigil im Olympiastadion Lluís Companys. Tausende Gläubige aus dem ganzen Land werden erwartet; die Begeisterung, gerade auch unter der Jugend, ist groß:
„Man spürt, dass die Jugendlichen den Papst gerne treffen möchten. Viele wollen an der Gebetsvigil und den großen Versammlungen teilnehmen. Es herrscht echte Begeisterung. Wirklich, das schlägt derzeit große Wellen. Er ist ein Papst, der Antworten auf bestimmte Fragen geben wird, sei es auf politischer, kultureller oder globaler Ebene."
Papst spricht Themen der Jugend, wie Frieden, Migration und Umweltschutz an
Dass der Papst bescheiden sei, klare Worte spreche und Themen aufgreife, die auch vielen jungen Menschen wichtig sind, komme gut an, meint der Ordensmann:
„Er spricht viel über Frieden, die Themen Weltfrieden und Geschwisterlichkeit, ganzheitliche Ökologie sowie die Aufnahme von Migranten. Diese Themen werden ihn stets begleiten. Im Allgemeinen geht es darum, das weltweite Wohlergehen zu stärken und vor allem vielleicht den Glauben und die katholische Kirche in Barcelona wiederzubeleben."
Die Jugendvigil mit Papst Leo XIV. am Dienstagabend in Barcelona ist einer der Höhepunkte der zweitägigen Visite des katholischen Kirchenoberhaupts in Katalonien. Ebenfalls mit Freude ewartet wird bereits der Besuch von Papst Leo XIV. am Mittwochabend bei der „Sagrada Família“:
„Der Papst wird mit großer Spannung erwartet, um das Kreuz in der Sagrada Família zu segnen, um zu zeigen, dass er kommt, um das zu stärken, was Gaudí begonnen hatte, in der Überzeugung, dass auch Steine in Gebet verwandelt werden können. An all diesen Orten wird der Papst erwartet, er wird bejubelt werden, Gott wird durch seine Anwesenheit gepriesen werden. Der Besuch des Papstes wird also viel Gutes bewirken, sowohl auf sozialer als auch auf kirchlicher Ebene", meint Pater Paulin Neme Ebanda.
Eine Generation auf der Suche nach Orientierung
Unter den größten Schwierigkeiten, mit denen junge Spanier heute konfrontiert sind, nennt der Ordensbruder an erster Stelle die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft. Doch auch andere besorgniserregende Realitäten treten zutage: Einsamkeit trotz einer hypervernetzten Welt, Identitätskrise, wirtschaftliche Unsicherheit und Schwierigkeiten beim Einstieg ins Berufsleben, insbesondere für junge Migranten. „Viele junge Menschen wissen nicht mehr wirklich, wer sie sind und welche Richtung sie ihrem Leben geben sollen. Oft sind sie gezwungen, ihre Fragen und ihr Leid ganz allein zu bewältigen“, bedauert er.
Der Vikar der Pfarrei Mare de Déu del Coll spricht auch von der Schwächung der familiären Strukturen, die, wie er sagt, die Weitergabe von Werten und Glauben zwischen den Generationen erschwert. Früher, erklärt er, wurde der Glaube ganz selbstverständlich von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Heute hat dieses Modell an Bedeutung verloren. „Die Jugendlichen entdecken Gott nun auf eigene Faust. Das ist eine neue Realität, die die Kirche dazu zwingt, ihre Seelsorge zu verstärken, um sie auf diesem Weg zu begleiten“, bemerkt Pater Paulin.
Für die katalanischen Gläubigen, so führt der kamerunische Ordensmann abschließend aus, stelle dieser Besuch eine besondere Gelegenheit dar, gemeinsam mit dem Papst zu beten und die Hoffnung in einer Gesellschaft im Umbruch wiederzubeleben. „Wir erwarten sein Kommen mit großer Vorfreude. Wir hoffen, dass die Botschaft Christi wieder mit Kraft widerhallen wird und dass wir uns in Geschwisterlichkeit und Gebet um denselben Vater versammeln können“, sagt er zum Ende des Interviews.
* Augustine Asta ist als Korrespondentin für uns vor Ort. Die deutsche Bearbeitung und Übersetzung ihres Interviews erfolgte in unserer Redaktion im Vatikan
(vatican news - sst)
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