Suche

Zeitungen Zeitungen 

Presseschau: Die Steine der Versöhnung und die Worte in Montserrat

Der Besuch von Papst Leo XIV. in Spanien bewegt die spanische und internationale Presselandschaft. An diesem Donnerstag blicken Kommentatoren weltweit insbesondere auf die historischen Ereignisse in Katalonien, wo architektonischer Glanz, politische Premieren und schmerzhafte gesellschaftliche Debatten aufeinandertreffen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die feierliche Einweihung des 172,5 Meter hohen Jesus-Christus-Turms der weltberühmten Basilika Sagrada Família in Barcelona dominiert die Schlagzeilen. Die spanische Zeitung El País hebt hervor, dass das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt eine unmissverständliche Botschaft gegen den Krieg formuliert hat. Es sei unmöglich, an Jesus zu glauben und gleichzeitig den Krieg zu fördern oder Unschuldige zu töten. Zudem markierte das Ereignis eine politische Premiere: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte im Rahmen der Zeremonie zum ersten Mal in seiner Amtszeit eine Heilige Messe, wie der öffentlich-rechtliche Sender RTVE berichtete. Die Zeitung ABC wertet die Segnung des monumentalen Bauwerks als ein starkes „Zeichen der Einheit und Eintracht“ für das gesamte Land.

Segen und Last

Aus internationaler Sicht wirft The New York Times hingegen einen differenzierteren Blick auf das Ereignis und merkt an, dass die katholische Kirche für einen Teil der Bevölkerung Kataloniens nicht nur ein Segen, sondern aufgrund historischer Begebenheiten auch eine Last darstelle. Gleichwohl wird die Vollendung des höchsten Kirchturms der Welt als ein transzendentes Ereignis gewürdigt, das weit über den Status eines reinen Denkmals hinausreiche. Britische Medien wie The Daily Telegraph interpretieren die deutlichen Worte des Papstes gegen Kriegstreiber zudem als eine kaum verhüllte, kritische Spitze gegen die aggressive Außenpolitik des US-Präsidenten Donald Trump.

Emotionaler Besuch im Kloster

Ein weiteres zentrales Thema der Berichterstattung ist der emotionale Besuch des Papstes im geschichtsträchtigen Kloster Montserrat. La Vanguardia lobt die Geste des Kirchenoberhaupts, der das Protokoll brach, um sich direkt an die rund 8.000 Gläubigen zu wenden und Katalonien ausdrücklich als ein Vorbild für gelungene gesellschaftliche Integration zu würdigen. Demgegenüber thematisieren kritische Stimmen in El País ein als schmerzhaft empfundenes Versäumnis: Während der Papst vor Ort über die Menschenwürde sprach, vermied er es, den dortigen, jahrzehntelangen Skandal um klerikalen Kindesmissbrauch explizit zu erwähnen. Leo XIV. hatte allerdings das Thema bereits in Madrid explizit angesprochen gehabt und war dort auch Missbrauchsbetroffenen begegnet.

Die italienische Zeitung La Stampa wiederum bewertet die Reise im Kontext einer umfassenden Erneuerung der kirchlichen Glaubwürdigkeit und betont, dass Missbrauchsskandale laut päpstlicher Linie offene Wunden bleiben, die kompromisslose Wahrheit, Gerechtigkeit und Verantwortung einfordern.

(pm)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

11. Juni 2026, 10:23