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Papst an Menschenhändler: „Hört auf damit. Bekehrt euch!“

Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat gegen Ende seiner Reise nach Spanien an diesem Freitag die Kriminalität auf den Migrationsrouten scharf kritisiert. Bei einem Treffen mit Vertretern aus der Integrationsarbeit in San Cristóbal de La Laguna auf Teneriffa richtete der Papst einen direkten Appell an Kriminelle und Ausbeuter, die vom Leid geflüchteter Menschen profitieren.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Das Kirchenoberhaupt mahnte, dass jede Ausnutzung von Hilflosen vor der göttlichen Gerechtigkeit verantwortet werden müsse und forderte eine sofortige Umkehr der Verantwortlichen.

„Von diesem Platz aus möchte ich ein klares Wort an diejenigen richten, die die Verzweiflung anderer ausnutzen; an diejenigen, die Todesrouten organisieren, Menschenhandel betreiben, Dokumente einbehalten, Arbeiter ausbeuten, Frauen bedrohen, Familien betrügen und das Leid anderer zum Geschäft machen. Hört auf damit. Bekehrt euch!“

Zum Nachhören - was der Papst sagte
  (AFP or licensors)

„Von diesem Platz aus möchte ich ein klares Wort an diejenigen richten, die die Verzweiflung anderer ausnutzen...“

Der „stille Schiffbruch“ nach der Ankunft

Neben den Gefahren auf dem Seeweg, die das Kirchenoberhaupt als „Versagen der Menschheitsfamilie“ bezeichnete, warnte der Papst vor den sozialen Risiken nach der Landung. Wenn Zugewanderte ohne Sprache, Beziehungen und Arbeit isoliert blieben, drohe ein zweiter, „stiller Schiffbruch“. Wirkliche Integration bedeute, genau diesen Zustand zu verhindern und den Betroffenen dabei zu helfen, den reinen Opferstatus zu überwinden, um ein aktiver Teil der Gesellschaft zu werden.

Eindrücke von der Messe mit dem Papst

Die Stadt San Cristóbal de La Laguna, die historisch ohne Stadtmauern erbaut wurde, diente dem Papst dabei als Symbol. Die schwersten Barrieren seien oft nicht aus Stein, sondern bestünden in den Ängsten und der Gleichgültigkeit der Menschen. Das Evangelium verpflichte die Kirche zu einer Sprache der Nähe und der konkreten Tat, um die Wunden des Nächsten spürbar zu lindern.

  (@Vatican Media)

Integration als wechselseitige Verantwortung

Der Papst betonte, dass gelungene Integration kein einseitiges Einfordern von Anpassung darstelle, sondern ein gegenseitiger Prozess sei. Während die aufnehmende Gesellschaft ihr Zuhause erweitern müsse, ohne die eigene Identität zu verlieren, liege auch in den Händen der Migranten eine wesentliche Verantwortung. Sie seien dazu aufgerufen, sich der neuen Gesellschaft vertrauensvoll zu öffnen, Gesetze zu respektieren, die Landessprache zu erlernen und ihre eigenen Fähigkeiten dankbar einzubringen.

Das Kirchenoberhaupt dankte der Caritas der Diözese, den Pfarreien sowie den zivilen Institutionen für die Begleitung von Schutz- und Förderprogrammen. Insbesondere hob der Papst hervor, dass Migranten aus Lateinamerika oder den Philippinen bereits wesentliche Säulen der kirchlichen und gesellschaftlichen Erneuerung in Spanien seien.

  (@Vatican Media)

Auftrag an die kirchlichen Gemeinden

An die katholischen Gläubigen richtete das Kirchenoberhaupt die Aufforderung, Integration nicht bloß als eine rein administrative oder gesellschaftliche Pflicht zu verstehen. Neben der Bereitstellung von materiellen Hilfen wie Unterkunft, Brot und Arbeit müssten die Gemeinden Orte der echten Begegnung sein. Es gehöre zum Auftrag der Kirche, den christlichen Glauben respektvoll und ohne Zwang anzubieten, gleichzeitig aber auch das Evangelium aus den Händen der Armen selbst zu empfangen. Die Ansprache schloss mit einem Verweis auf die Heilige Familie von Nazaret, die durch ihre biblische Flucht nach Ägypten das zeitlose Vorbild und die Zuflucht für alle Flüchtenden bleibe.

Zwischen seelsorgerischer Pflicht und humanitärem Drama

Der venezolanische Priester Don Darwin Rivas, der seit sieben Jahren in der Diözese tätig ist, berichtete von den massiven Herausforderungen auf der kleinen Insel El Hierro. Gemeinsam mit zwei Mitbrüdern betreut er vier Kirchengemeinden, darunter La Restinga, wo kontinuierlich Schutzsuchende aus Afrika anlanden. Angesichts der historischen Migrationswelle im Jahr 2021 initiierte die lokale Kirche zusammen mit zivilen Netzwerken wie „Corazón Naranja“ und der Nationalpolizei erste Hilfsmaßnahmen.

Rivas beschrieb den Dienst an den Küsten als eine harte, aber bereichernde Erfahrung, die ihn persönlich tief geprägt habe. In Momenten der Erschöpfung habe ihn stets die Frage geleitet, was Jesus in einer solchen Situation getan hätte. Die Arbeit vor Ort verstehe er nicht als Heldentum, sondern als notwendigen Dienst am Mitmenschen, bei dem jeder dankbare Blick der Geflüchteten neue Hoffnung stifte.

Die Überwindung der Angst und die Kraft des Theaters

Der senegalesische Migrant Mbacke schilderte seinen Weg über die kanarische Stiftung „El Buen Samaritano“, bei der er seit eineinhalb Jahren lebt. Er hob hervor, wie wichtig der respektvolle Umgang und die Geduld der Helfer für Jugendliche seien, die ohne Familie in Europa ankommen. Viele junge Menschen stünden nach dem Erreichen der Volljährigkeit ungeschützt auf der Straße. Durch Sprachkurse sowie handwerkliche Ausbildungen in den Bereichen Küche, Landwirtschaft, Schreinerei und Informatik habe er eine neue Perspektive gewonnen.

Tenerife habe ihn gelehrt, dass Geschwisterlichkeit über familiäre Bindungen hinausgeht. Um Vorurteile und Rassismus in der Gesellschaft abzubauen, engagiert sich Mbacke in einer Theatergruppe der Stiftung. Das dort vorgetragene lyrische Manifest unterstreicht das Selbstverständnis der Ankommenden:

„Wir sind Migranten, mit Kraft und Leidenschaft kämpfen wir für das Leben, für einen neuen Platz. Der Weg ist hart, aber es gibt Hoffnung, der Glaube richtet uns wieder auf, er wird nie müde. Wir tragen Geschichten mit uns, wir tragen Schmerzen mit uns. Mauern werden errichtet, doch es gibt Entschlossenheit. Die Erde gehört allen, es gibt keine Trennungen. Und auch wenn man uns hier als Fremde betrachtet, wissen wir, dass die Welt dazu da ist, geteilt zu werden. Wir bringen Kultur mit, wir bringen Werte mit, wir sind die Samen einer besseren Welt.“

Trauma auf dem Seeweg und der Aufstieg zum Mentor

Eine besonders dramatische Fluchtgeschichte teilte der 24-jährige Marokkaner Khalid Allad, der im Jahr 2020 die kanarische Küste erreichte. Er benötigte zwei Versuche für die Überfahrt in einer Patera. Beim ersten Versuch kentereden die Boote, wobei zwanzig Menschen ihr Leben verloren – ein Ereignis, das die Familie schwer traumatisierte. Trotz des ausdrücklichen Verbosts seines Vaters wagte Allad aus Perspektivlosigkeit ein Jahr später die erneute Überfahrt.

Nach anfänglicher drohender Obdachlosigkeit fand er Unterstützung bei der Stiftung „Don Bosco“. Die Organisation vermittelte ihm Sprachkenntnisse und ermöglichte verschiedene berufliche Qualifikationen im Gastronomie- und Bausektor. Ein anschließender Arbeitsvertrag sicherte ihm den legalen Aufenthaltsstatus. Heute arbeitet Allad festangestellt im Wartungsteam und als Mensen-Betreuer eines Salesianer-Kollegs, wo er Kinder bei der Integration und dem täglichen Miteinander unterstützt.

Vom Hilfsempfänger zum ehrenamtlichen Brückenbauer

Die 48-jährige Kolumbianerin Thalia Johana Saldarriaga Diago berichtete über die oft unsichtbaren Hürden nach der legalen Einreise. Obwohl sie zunächst bei ihrem Bruder unterkam, führten veränderte Lebensumstände dazu, dass sie von einem Tag auf den anderen ohne Unterkunft und Nahrung dastand – ein Schicksal, das nach ihrer Aussage viele Migranten unabhängig von familiären Netzwerken teilt.

Über die Flüchtlingshilfe CEAR und die Caritas erhielt sie eine neue Unterkunft und fand durch die Einbindung in die kirchliche Gemeinschaft eine soziale Heimat. Mit Unterstützung der Stiftung „Don Bosco“ absolvierte sie eine Berufsausbildung und erreichte ihre finanzielle Unabhängigkeit. Ihr Weg endete jedoch nicht mit der eigenen Stabilität. Heute engagiert sich Saldarriaga Diago ehrenamtlich bei der Caritas, um ihre eigenen Erfahrungen als Brücke für Menschen in ähnlichen Notlagen zu nutzen und aktiv am Aufbau der Gemeinschaft mitzuwirken.

(vatican news)

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12. Juni 2026, 12:43