Papst an Helfer in Madrid: Sauerteig der Selbstlosigkeit sein
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Zur Begegnung mit den freiwilligen Helfern im Pavillon 3 der IFEMA Madrid waren tausende Menschen gekommen. Papst Leo XIV. wurde - wie mittlerweile auf seiner Reise üblich - mit herzlichem Jubel begrüßt. Anschließend hörte er aufmerksam die Berichte zweier Freiwilliger an, die stellvertretend für die über 17.000 Menschen sprachen, die sich bereit erklärt hatten, im Umfeld des Papstbesuches in verschiedener Form Unterstützung zu leisten.
Selbstlosigkeit
Das katholische Kirchenoberhaupt lobte in seiner kurzen Rede auf Spanisch besonders die Selbstlosigkeit der Helfer mit den Worten: „Christen sind dazu berufen, der Welt den Sauerteig der Selbstlosigkeit zu bringen. (...) Die Selbstlosigkeit ist ein Sauerteig, der die menschliche, ethische und spirituelle Größe einer Gesellschaft wachsen lässt, denn man könnte sagen, dass sie ein typisches Merkmal der „Stadt Gottes“ ist"
Die Logik des Evangeliums
Es sei gerade in den aktuellen Zeiten wichtig, Profitgier und Egoismus eine Logik des Evangeliums entgegenzusetzen, für die Selbstlosigkeit ein wesentliches Merkmal sei, führte der Papst weiter aus:
„In einer Welt, die durchgehend von einer Logik des Eigeninteresses und des Profits geprägt ist, in der sich der Begriff ,Wachstum' nur auf die wirtschaftlich-finanzielle Dimension bezieht, ist es notwendig, nach der wahrhaftigeren Logik zu denken und zu leben, nämlich der eines ganzheitlichen menschlichen Wachstums. Es ist die Logik des Evangeliums..."
Zeichen und Werkzeuge des Reichs der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens sein
Jesus Christus sei gekommen, um „der Welt den Sauerteig des Himmelreichs zu bringen" und die „erkrankte Menschheit" von innen heraus zu heilen – „mit dem Wasser und dem Blut seines Opfers und mit dem Feuer seines Heiligen Geistes", betonte Leo. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung habe er seine Jünger ausgesandt,
„damit sie in der Welt Zeichen und Werkzeuge seines Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens seien. Dies geschieht durch die Verkündigung, aber auch – und ich würde sogar sagen: vor allem – durch einen Lebensstil, eine Denk- und Verhaltensweise, die der des Evangeliums entspricht."
Der Papst betonte beim großen Helfertreffen zum Abschluss der ersten Reiseetappe in Madrid, dass bei allem stets die Gnade Gottes nicht vergessen werden dürfe:
„Vielleicht wird dies in den Statistiken nicht erfasst, aber wir wissen, dass diese Stadt in diesen Tagen, auch dank euch, gewachsen ist und dem Reich Gottes näher gekommen ist. Unser Verdienst? Nein! Alles ist Seine Gnade! Das ist das Geheimnis: die Liebe Gottes, die die Sonne und die Sterne bewegt und die Herzen derer bewegt, die den Herrn gefunden haben, »der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als nehmen« (Apg 20,35)."
Das katholische Kirchenobehraupt bekräftigte alle darin, in diesem Sinne, großherzig und ohne Überheblichkeit sowie fest im Glauben weiter zu gehen. Als Geschenk überreichte er dem Erzbischof vor seiner direkt anschließenden Abreise nach Barcelona einen Kelch für die Verwendung bei den künftigen Messfeiern.
Mit Freude
Bei der Veranstaltung teilten freiwillige Helfer auch ihre Erfahrungen mit der Kirche und ihrem Einsatz bei der Vorbereitung des Papstbesuches. Als erste sprach Mercedes, die ihre Mitarbeit als großes Geschenk der Kirche empfand. Allerdings, so räumte sie ein, stand für sie nicht der Papst selbst, sondern die Kirche als geistliche Mutter im Mittelpunkt. Die Kirche habe sie in schweren und schönen Zeiten begleitet, so Mercedes, die auch ihre Dankbarkeit darüber ausdrückte, dass Christus „ihr geschenkt“ wurde.
Bei der Organisation des Papstbesuchs habe sie zwei Ziele verfolgt, sowohl inhaltlich als auch organisatorisch. Zunächst sei es darum gegangen, den Teilnehmern eine echte Begegnung mit der Kirche, Christus und der Eucharistie zu ermöglichen. Organisatorisch seien sie und ihre Mitstreiter vor der Herausforderung gestanden, das Ereignis professionell, wahrhaftig und schön umzusetzen.
Dabei sei die Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Meinungen nötig gewesen, eine „Schule der Demut“, da jeder sich auf die Argumente der anderen einlassen und seine eigenen Ansichten hinterfragen musste. Besonders dankbar sei sie für die Begleitung Gottes und vieler Menschen gewesen, so Mercedes, die bestätigte, dass die Arbeit sie näher zu Gott geführt und geistlich habe wachsen lassen.
Aus innerer Berufung heraus
Nach ihr sprach Nuno, ein Vater von acht Kindern, über die Motivation der Freiwilligen. Dieser Dienst sei keine rationale Entscheidung und erfolge nicht aus Eigeninteresse, sondern aus einer inneren Berufung heraus und aus dem Wunsch, das Richtige zu tun. Für ihn sei die Entwicklung der Freiwilligenplattform weit mehr als ein technisches Projekt gewesen. Statt der erwarteten 10.000 hätten sich über 17.000 Freiwillige gemeldet – für ihn ein Zeichen lebendigen Glaubens und eine Form der Evangelisierung.
Besonders wichtig war es dem engagierten Helfer zu betonen, dass Freiwillige nicht ihre „übrige Zeit“, sondern ihr Bestes gäben, und dabei professionelle Kompetenzen aus Bereichen wie Sicherheit, Logistik oder Gesundheitswesen einbrächten. Dieser Einsatz bedeute nicht, etwas zu verlieren, da man letztlich selbst daran wachse, so Nuño, der dem Papst für seinen Besuch dankte und dazu aufrief, weiterhin bereit zu sein, Gottes Ruf mit einem „Ja“ zu beantworten.
Verborgene Hingabe
Zuletzt dankte auch der Erzbischof von Madrid, Kardinal José Cobo Cano, dem Papst beim letzten Programmpunkt seines Madrid-Aufenthaltes für seinen Besuch. Ausgehend vom Magnificat Mariens betont er, dass der Blick nicht auf menschlichen Leistungen, sondern auf dem Wirken Gottes liegen sollte. Die Tage des Papstbesuchs hätten junge Menschen auf der Suche nach Sinn in ihrem Leben gezeigt, Familien, die gemeinsam beteten, Priester und Freiwillige, die sich mit Freude engagierten und eine Kirche, die lebe, wenn sie diene und gemeinsam missionarisch handele, zeigte sich der Erzbischof erfreut. Besonders würdigte er die oft unsichtbare Arbeit der Freiwilligen. Das eigentliche Wunder des Besuchs sei nicht das öffentliche Programm gewesen, sondern die verborgene Liebe und Hingabe der vielen Helfer, deren Einsatz den Erfolg des Besuches erst ermöglicht hatte.
Dem Papst dankte er dafür, die Menschen zu ermutigen, „den Blick zu erheben“, die Größe Gottes zu erkennen und die Kraft des Evangeliums neu zu entdecken. Die Diözese Madrid, so versprach er, werde die Erfahrungen des Besuchs bewahren und als Kirche mit stärkerer Gemeinschaft weitergehen.
(vatican news - sst)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
