Suche

Papst Leo XIV. Papst Leo XIV.  (ANSA)

Presseschau zur Spanienreise von Leo XIV.: Gegenwind und Königshilfe

Die mediale Resonanz auf die einwöchige Reise von Papst Leo XIV. nach Spanien war intensiv und vielschichtig. Die Zeitungen beleuchteten in ihren Samstagsausgaben zum Abschluss des Besuchs sowohl die kirchenpolitischen Akzente in Madrid als auch die stark debattierten Botschaften zur Migrationsfrage auf den Kanarischen Inseln.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die französische Zeitung Le Figaro betont die kulturhistorische Dimension des Besuchs und schreibt, dass Leo XIV. in Spanien „das christliche Gedächtnis Europas wiederbelebt“ habe. In Madrid, Barcelona und auf Teneriffa habe der Papst die spirituelle und moralische Verantwortung des Katholizismus in den Vordergrund gestellt. Die italienische Tageszeitung Il Foglio wertet die Reise als ein Zeichen des Aufbruchs für den Kontinent: „Der Erfolg der Papstreise nach Spanien zeigt, dass der Westen noch nicht völlig untergegangen ist.“ Das Blatt hebt hervor, dass der Pontifex Europa wieder in das Zentrum seiner Aufmerksamkeit gerückt habe. In Bezug auf den viel beachteten Auftritt im Parlament merkt La Vanguardia an, dass die Ansprache vor den Cortes Generales von einer langanhaltenden „Standing Ovation der Parlamentarier“ begleitet wurde.

Zum Nachhören - was die Presse geschrieben hat

Die Migrationsdebatte auf den Kanarischen Inseln

Die Schlussstation des Papstes auf den Kanarischen Inseln bildet den inhaltlichen Schwerpunkt vieler Analysen. Die spanische Zeitung El País berichtet unter der Schlagzeile „Leo XIV. verabschiedet sich von Spanien mit einem Bad von Umarmungen für die Migranten.“ Der Bericht verdeutlicht jedoch auch die lokalen Spannungen: Während die kanarische Bevölkerung den Papst schätze, gelte dies nicht im gleichen Maße für die Migration an sich, da viele Inselbewohner der Ansicht seien, es gäbe keinen Platz mehr. El País zitiert den Papst mit den Worten, dass Integration bedeute, „su lengua y respetar sus leyes“ (ihre Sprache zu lernen und ihre Gesetze zu respektieren).

Diese differenzierte päpstliche Haltung spiegelt sich auch in der britischen Presse wider. The Daily Telegraph titelt: „Pope says migrants must respect laws of their new home“ (Papst sagt, Migranten müssen die Gesetze ihrer neuen Heimat respektieren). Die Zeitung verweist darauf, dass die katholische Kirche keine Politik der „offenen Grenzen“ vertrete, sondern eine Balance zwischen humanitärer Pflicht und staatlicher Ordnung anstrebe.

Auf der anderen Seite verurteilte das Kirchenoberhaupt die mangelnde Solidarität der Staatengemeinschaft: Die italienische Zeitung Il Manifesto hebt die scharfe Kritik des Papstes an der europäischen Abschottung hervor: „Migranten, der Papst: Schluss mit der Gleichgültigkeit gegenüber Schiffbrüchen und unterlassener Hilfeleistung.“ Laut der argentinischen Zeitung Clarín kritisierte Leo XIV. direkt die Europäische Union und mahnte, dass Europa nicht die Menschenwürde proklamieren und sich gleichzeitig daran gewöhnen könne, dass das Mittelmeer und der Atlantik zu „cementerios sin lápidas“ (Friedhöfen ohne Grabsteine) werden. Zudem richtete er einen Appell an kriminelle Netzwerke, erinnert die italienische Zeitung Avvenire: „Leo XIV. an die Schleuser: Stoppt und bekehrt euch.“

Schattenseiten und das abrupte Ende der Reise

Neben den zentralen Themen Migration und Kirche greifen die Medien auch kritische Stimmen auf. Die italienische Zeitung Domani berichtet über die Reaktionen von Betroffenen im Kontext der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im spanischen Kloster Montserrat, einem historisch belasteten Epizentrum, und titelt: „Papst Leo und der Missbrauch in der spanischen Kirche. Die Wut der Opfer“.

Das Ende der Reise wurde schließlich von einem unvorhergesehenen Zwischenfall dominiert: Nach der Abschiedszeremonie in Teneriffa zwang ein Motorschaden an der Maschine der Fluggesellschaft Iberia den Papst und sein Gefolge zum Verlassen des Flugzeugs. Il Messaggero beschreibt die Situation humorvoll und stellt fest, dass das Flugzeug eher einer misslungenen „Zeugenschaft der kommerziellen Luftfahrt“ als einem Papstflieger geglichen habe. Die Rettung kam von höchster staatlicher Stelle: König Felipe VI., der für die Verabschiedung anwesend war, stellte kurzfristig sein eigenes Falcon-Flugzeug zur Verfügung. Während die mitreisenden Journalisten und Bischöfe auf der Startbahn zurückblieben, flog der Papst an Bord des königlichen Jets zurück nach Rom.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

13. Juni 2026, 11:54