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Leo XIV. auf Gran Canaria: „Jesus ins Boot holen“

Leo XIV. hat die Katholiken auf den Kanarischen Inseln dazu aufgerufen, sich den „Stürmen des Lebens zu stellen“ und „Jesus in ihre Boote zu holen“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Das sagte das katholische Kirchenoberhaupt an diesem Donnerstag bei einer Begegnung mit Seelsorgenden in der St.-Anna-Kathedrale von Las Palmas de Gran Canaria. In einem Hafen der Insel war der Papst zuvor mit Migranten und Bootsflüchtlingen zusammengetroffen und hatte in einer emotionalen Rede an ihre Menschenwürde erinnert. Im Vergleich dazu dominierten bei Leos Begegnung mit Kirchenleuten die spirituellen Töne.

Ausgangspunkt der Papstrede vor Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und pastoralen Mitarbeitern der Kanaren: Das Meer. Es trage, so führte er aus, den „Geschmack von Heimat und Zuhause in sich“, aber auch die „Sehnsucht nach Weite“ und die Bitterkeit von Trennung und Distanz. Der hl. Augustinus habe einst von einem „Meer der Welt“ gesprochen, das uns von Gott trenne. Doch dann sei Jesus Christus gekommen und habe „ein Holz bereitet, durch das wir das Meer überschreiten könnten“.

Die erste Richtschnur der Schifffahrt

„Das ist die erste Haltung, die uns leitet, um durch die Gewässer des Lebens zu navigieren und ans Ziel in die himmlische Heimat zu gelangen: das Kreuz Christi annehmen… Die erste ‚Richtschnur der Schifffahrt‘ besteht daher darin, das Kreuz Christi anzunehmen; und das tut ihr tagtäglich, zum Beispiel, indem ihr so viele Brüder und Schwestern begleitet und ihnen helft, die Lasten zu tragen, die ihnen durch die Dramen des Lebens auferlegt wurden.“

Papst Leo XIV. bei der Begegnung mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Seminaristen und pastoralen Mitarbeitern in der Kathedrale „Sant’Anna" - Las Palmas de Gran Canaria, 11.6.2026
Papst Leo XIV. bei der Begegnung mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten, Seminaristen und pastoralen Mitarbeitern in der Kathedrale „Sant’Anna" - Las Palmas de Gran Canaria, 11.6.2026   (@Vatican Media)

„Das Kreuz Christi annehmen; und das tut ihr tagtäglich, zum Beispiel, indem ihr so viele Brüder und Schwestern begleitet und ihnen helft, die Lasten zu tragen, die ihnen durch die Dramen des Lebens auferlegt wurden“

Des Weiteren legte Papst Leo den Zuhörenden eine eucharistische Spiritualität ans Herz. „Eine konkrete Ausdrucksform dieser Spiritualität der Gemeinschaft ist die christliche Solidarität, denn die die Vereinigung mit Christus ist zugleich eine Vereinigung mit allen anderen, denen er sich schenkt. Deshalb ermutige ich euch, weiterhin allen jene Liebe weiterzugeben, die ihr selbst vom Herrn empfangen habt, in der Aufnahme, im Zuhören, in der Nähe und in der Fürsorge für die Schwächsten…“

Zum Ende der Rede von Leo XIV. gab es langen Applaus in der Kathedrale „Sant’Anna.

Eine Insel zwischen Tourismus, teuren Mieten und Volksfrömmigkeit

Der Bischof der Kanaren, José Mazuelos Pérez, hatte zu Beginn der Begegnung seine Ortskirche als eine ganz spezielle vorgestellt: „Wir sind eine Kirche mitten im Atlantik, ein Kreuzungspunkt der Wege zwischen Europa, Afrika und Amerika. Diese Realität hat historisch die Seele unseres Volkes geprägt: Wir sind offen, gastfreundlich und gewöhnt an die Begegnung der Kulturen.“

Jedes Jahr reisten Millionen von Menschen auf die Kanarischen Inseln; der Tourismus habe viel zu Wohlstand und Entwicklung beigetragen, präge aber auch das kulturelle und spirituelle Leben der Einwohner stark. „Der ständige Zustrom von Menschen, die Mobilität, das rasante Lebenstempo und eine Kultur, die häufig auf Konsum und unmittelbaren Wohlstand ausgerichtet ist, stellen die Evangelisierung vor große Herausforderungen.“ Vor allem junge Menschen wüchsen in einem Umfeld auf, „in dem die christliche Erfahrung immer brüchiger oder marginaler wird“.

„Wir sind eine Kirche mitten im Atlantik, ein Kreuzungspunkt der Wege zwischen Europa, Afrika und Amerika. Diese Realität hat historisch die Seele unseres Volkes geprägt: Wir sind offen, gastfreundlich und gewöhnt an die Begegnung der Kulturen“

„Wir erleben zudem weitere Realitäten, die unsere pastorale Mission zutiefst herausfordern: die prekäre Arbeitssituation vieler Familien, die Schwierigkeiten beim Zugang zu Wohnraum, die Einsamkeit älterer Menschen, die emotionalen Wunden in so vielen Haushalten und das Migrationsdrama, das unsere Küsten in besonderer Weise betrifft. Angesichts dessen versucht die Kirche, den Menschen nah zu bleiben und denjenigen, die am meisten leiden, ein offenes Ohr, Begleitung und konkrete Hilfe anzubieten. Trotz der Schwierigkeiten sehen wir weiterhin zahlreiche Zeichen der Hoffnung. Unsere Diözese verfügt über einfache, aber tiefgläubige Gemeinden. In zahlreichen Dörfern und Stadtvierteln ist der Volksglaube nach wie vor eine lebendige Quelle der Evangelisierung und der kirchlichen Zugehörigkeit.“

„Wachsendes Maß an Mitverantwortung und ein partizipativerer pastoraler Stil“

Auch eine Frau, eine Laiin, ergriff bei der Begegnung mit Papst Leo das Wort: Enélida Hernández Monzón, die Vizekanzlerin der Diözese. „Danke, dass Sie uns ermutigt haben, eine Kirche zu leben, die näher am Menschen ist, missionarischer und offener für das Wirken des Heiligen Geistes… Deshalb spüren wir den Ruf zu einem Paradigmenwechsel: von einer Kirche, die sich auf die Bewahrung des Bestehenden konzentriert, hin zu einer Kirche, die hinausgeht, die auf diejenigen zugeht, die fern, verwundet oder orientierungslos sind, und so den Auftrag des Herrn erfüllt: ‚Geht hinaus und macht alle Völker zu Jüngern‘.“

Auf den Kanaren werde das Thema Synodalität ernstgenommen, versicherte Hernández Monzón. „Es mangelt nicht an Schwierigkeiten: Trägheit, unterschiedlichen Rhythmen und Widerständen, aber wir haben auch ein wachsendes Maß an Mitverantwortung und einen partizipativeren pastoralen Stil erlebt, in dem die gemeinsame Entscheidungsfindung allmählich Realität wird.“

(vatican news)

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11. Juni 2026, 16:06