Papst Leo XIV. ruft Jugend in Spanien zu Menschlichkeit und Liebe auf
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Die Gebetsvigil mit Papst Leo XIV. auf der Plaza de Lima mit rund 600.000 Teilnehmenden setzte einen krönenden Schlusspunkt des ersten Reisetags. Die Stimmung war fröhlich und auch besinnlich. Papst Leo sprach, sichtlich in seinem Element, immer wieder auch frei auf Spanisch zu den jungen Menschen. Oft gab es zudem Zwischenapplaus, etwa als Papst Leo sagte, welchen Auftrag er der Jugend anvertrauen wollte:
„Seid Menschen! Ja, seid Menschen! Männer und Frauen aus Fleisch und Blut. Nicht Fassaden, sondern vertrauenswürdige Gesichter. Menschen, die nach Gerechtigkeit streben, weil sie danach hungern wie nach dem täglichen Brot. Menschen, die ein ehrliches und aufrichtiges Leben führen wollen, weil sie anderen gerne das tun, was sie sich von anderen wünschen. Seid Menschen wie Christus, der vollkommene Mensch, der Auferstandene, der mit uns ist zu allen Zeiten der Geschichte."
Die Welt durch die Liebe Christi verwandeln
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, empfahl das katholische Kirchenoberhaupt der Jugend, sich an den Aposteln zu ortientieren, die in einem heidnischen Umfeld lebten: „Folgt ihrem Beispiel und seid Missionare des Evangeliums angesichts der materiellen und geistigen Armut unserer Zeit, in dem vollen Bewusstsein, dass unser Glaube eine Lebensweise ist, die sich in der Liebe verwirklicht (vgl. Gal 5,6). Sie, liebe junge Menschen, ist die Tugend, die die Geschichte mehr als jede andere verändert. Ihr könnt die Geschichte verändern. Tut es mit Liebe", forderte der Papst die Menge auf.
Papst Leo lud in Anspielung auf ein bekanntes Bibelzitat alle ein, das Salz der Erde und das Licht der Welt zu sein. Dafür sei besonders wichtig, die heutige Gesellschaft „gut zu verstehen und weise zu leben, um sie dann als Zeugen des Evangeliums zu verwandeln." Der Papst mahnte die jungen Christen, auch in schwierigen Zeiten nicht zu verzagen und nicht auf „Reichtum, Vergnügungen oder Macht" zu warten.
„Das ist unsere Freiheit, die ihre Quelle im Glauben hat und die der ganzen Gesellschaft, jeder menschlichen Erfahrung Licht und guten Geschmack verleihen kann. Wenn das Leben hingegen keinen Geschmack hat, ist es, als wäre es uns weggenommen worden: Wir empfinden es nicht mehr als unser eigenes. Angesichts der Leere von Gleichgültigkeit und Konformismus, angesichts der Gewalt von Krieg und Lüge, seid ihr selbst der Funke einer neuen Menschheit", rief der Papst der Jugend zu. Er lud sie zudem ein, ihren Glauben konkret im Alltag zu leben und auch in der digitalen Welt zu bezeugen.
Dialog des Papstes mit den Jugendlichen
Es war ein Treffen auf Augenhöhe: Einige Jugendliche saßen direkt auf der Bühne beim Papst und konnten ihm, stellvertretend für alle jungen Menschen, Fragen stellen. So hatte das katholische Kirchenoberhaupt etwa Gelegenheit, über seine Vorbilder im Glauben zu sprechen. Er, der dem Augustinerorden angehört, nannte nicht nur den heiligen Augustinus, sondern etwa auch Thomas von Villanova - ebenfalls ein Augustiner. Er war auch als „Bischof der Armen“ bekannt. „Diese Nächstenliebe hat mich in Zeiten der Prüfung ermutigt und in meinem Dienst", verriet der Papst. Auf die Frage nannte Leo zudem den Kirchenvater Johannes Chrysostomos und den spanischen Peru-Missionar Toribio de Mogrovejo.
Leo zu seiner Zeit in Peru
Auch zu seiner Zeit als Missionar und Bischof in Peru wurde der Papst befragt. Hier berichtete Leo:
„Gerade die Begegnung mit den Nöten und Freuden des Volkes hat mich auf dem Weg der Nachfolge Jesu wachsen lassen. Während ich das Evangelium verkündete, wurde auch ich selbst durch das Evangelium verwandelt, verwandelt durch das Leben und den Glauben dieser Völker, die oft materiell sehr arm, aber reich an Glauben waren; und durch diese Erfahrung, diesen Glauben an das Wort des Herrn, habe ich gesehen, wie das Wort Gottes Konflikt in Frieden verwandeln kann, wie es eine Quelle der Versöhnung, des Friedens und der Gerechtigkeit sein kann."
Wie lässt sich das Wort Gottes erkennen?
Das katholische Kirchenoberhaupt gratulierte einem jungen Fragesteller zu seiner kirchlichen Hochzeit und ermutigte dazu, eine Familie zu gründen. Eine der Fragen lautete, wie es möglich sei, die Stimme Gottes zu erkennen. Papst Leo riet zu Stille, in dieser sei es möglich, die Stimme Gottes zu erkennen. Er mahnte diesbezüglich auch:
„An dieser Stelle möchte ich auch betonen, wie wichtig es ist, nach der Wahrheit zu suchen, denn viele Stimmen und viele Dinge in den sozialen Netzwerken täuschen uns und erzählen uns Lügen. Sucht immer nach der Wahrheit. Und Gott ist die Wahrheit; und wenn etwas von Gott wegführt, ist es keine Wahrheit. Vergesst das nicht."
Ebenso riet der Papst, sich nicht ablenken zu lassen oder Stille zu vermeiden, etwa durch Musikhören: „Wir wissen nicht, wie man in Stille verharrt, und ich glaube, dass Gott gerade in dieser Erfahrung der Stille zu uns sprechen kann oder dass wir in Stille die Stimme Gottes erkennen können."
Eucharistische Anbetung
Um Gottes Stimme zu hören, sei auch wichtig, zu beten und auf Gottes Wort zu hören.
„Auch die eucharistische Anbetung, die wir heute Abend gemeinsam halten, ist genau der richtige Ort, um zu schweigen, das Herz zu befreien und vor dem Herrn ,wir selbst zu sein`, im Dialog mit ihm, so dass seine Liebe, die zur Nahrung für die ganze Menschheit geworden ist, zum Ausdruck kommen kann", erklärte der Papst. Bei der Jugend-Vigil gab es nämlich nicht nur musikalische Darbietungen für den Papst, sondern bei einer gemeinsamen eucharistischen Anbetung auch Gelegenheit für Stille und Besinnlichkeit.
(vatican news - sst)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
