Papst: Gottes Vertrauen ist stärker als unsere Schwäche
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Schon am frühen Morgen waren zahlreiche Pilger in überfüllten Zügen von Rom nach Castel Gandolfo gekommen, um beim ersten Angelusgebet mit dabei zu sein, das Papst Leo in der päpstlichen Sommerresidenz gebetet hat. Noch bis zum 27. Juli dürfen sich die Bewohner des 8000-Seelen-Ortes über den hohen Gast aus Rom freuen.
Die Katechese des Papstes
Im Mittelpunkt der Überlegungen des Papstes stand das Gleichnis vom Sämann aus dem Matthäusevangelium (Mt 13,1-23), das von der Großzügigkeit Gottes und seinem unerschütterlichen Vertrauen in den Menschen erzählt.
Gott säe sein Wort in jedes Herz, auch wenn es nicht immer auf fruchtbaren Boden falle, sagte der Papst. Manchmal treffe der Same auf Härte, Gleichgültigkeit oder Ablenkung – „ähnlich dem festgestampften Boden der Wege, dem steinigen Grund oder Dornenbüschen“. Dennoch höre Gott nie auf zu säen. Die Kraft seiner Liebe sei stärker als jede menschliche Schwäche.
„Jesus selbst, das fleischgewordene Wort, der sein Leben für unser Heil hingegeben hat, ist der Same, den der Vater weiterhin in die Welt aussät, damit er sterbend reiche Frucht bringe,“ gab Papst Leo zu bedenken.
In Gottes Händen kann selbst harter Fels fruchtbares Erdreich werden
Zur Vertiefung seiner Auslegung zitierte er den Kirchenvater Johannes Chrysostomos. Dieser habe betont, dass Gottes Wort selbst dort ausgesät werde, wo der Boden zunächst ungeeignet erscheine. Denn in Gottes Händen könne selbst harter Fels „zu fruchtbarem Erdreich gemacht“ und „Dornen könnten beseitigt werden.“
Das gute Potential, dessen wir uns manchmal selbst nicht bewusst sind
Gottes Großzügigkeit sei daher keine Naivität, sondern Ausdruck seines Vertrauens in das Gute, das in jeden Menschen gelegt sei, stellte der Papst fest. Der Herr erkenne in uns ein „gutes Potential, dessen wir uns manchmal selbst gar nicht bewusst sind.“
Der Herr kennt den Boden unseres Herzens besser als wir selbst...
„Deshalb hört der Herr, der den Boden unseres Herzens besser kennt als wir selbst, nicht auf, an uns zu glauben – an das, was wir sind, und an das, was wir Tag für Tag werden können, wenn wir uns ihm im Glauben anvertrauen.“
Wer Gottes Wort in Demut und Offenheit aufnehme, lasse die Früchte des Heiligen Geistes wachsen, spann der Pontifex seinen gedanklichen Faden weiter. An dieser Stelle erinnerte er auch an die Worte des Apostels Paulus, der „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“ als Kennzeichen eines vom Geist erfüllten Lebens nennt (Gal 5,22). Gerade diese Früchte brauche die Welt heute dringend, schlussfolgerte der Papst.
Wer Körper und Geist pflegt, kann gestärkt in den Alltag zurückkehren und glaubwürdig am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken
Mit Blick auf die Ferienzeit gab Leo XIV., der eine dreiwöchige sommerliche Auszeit in Castel Gandolfo verbringt, den Gläubigen abschließend noch folgenden Rat:
„Bemühen wir uns also, besonders in diesen Ferientagen, dem Hören, dem Lesen und der Betrachtung des Wortes Gottes Raum zu geben und neben der Erholung und dem gesunden Vergnügen auch bedeutsame Momente der Stille und des Gebets zu pflegen. Wir werden mit erfrischtem Körper und Geist zu unseren gewohnten Aufgaben zurückkehren, dazu bereit, die Frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden, und immer besser dazu in der Lage, am Wachstum des Reiches Gottes mitzuwirken.“
(vaticannews – skr)
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