Papst bei Rimini-Treffen: Sich von der Liebe leiten lassen
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Begegnung statt Abschottung, Barmherzigkeit statt Vergeltung, Hoffnung statt Angst: Mit dieser Botschaft hat Leo XIV. die Teilnehmer des „Meetings für die Freundschaft unter den Völkern" in Rimini zu einem entschiedenen christlichen Zeugnis in einer von Krisen geprägten Zeit aufgerufen.
Anknüpfend an die Geschichte des Meetings erinnerte der Papst daran, dass Frieden dort entsteht, wo Menschen bereit sind, einander zu begegnen, zuzuhören und Unterschiede auszuhalten. Der Mensch müsse dabei immer vor Grenzen, Definitionen und Institutionen kommen. Gerade darin sieht Leo XIV. die besondere Bedeutung des Treffens: Es sei keine kirchliche Enklave, sondern ein Ort, an dem Kirche und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen.
Der Dienst an einer Menschheit, die nach Gerechtigkeit hungert und dürstet
„Danken wir dem Herrn für dieses lebendige Erbe, das euch eine große geschichtliche Verantwortung in der größeren Gemeinschaft der Kirche auferlegt, im Dienst an einer Menschheit, die nach Gerechtigkeit hungert und dürstet,“ würdigte der Papst das Katholikentreffen, das seit 26 Jahren regelmäßig im Hochsommer von der katholischen Bewegung „Comunione e Liberazione“ organisiert wird und jedes Jahr Hunderttausende Besucher anzieht.
Für einen Realismus der Barmherzigkeit
Deutlich wandte sich der Papst gegen einen „falschen Realismus“, der Nationen und Gesellschaften wiederbewaffne und Konflikte verschärfe. Dem müsse ein „Realismus der Barmherzigkeit“ entgegengesetzt werden, „für den es keine Feinde geben kann und für den alle – auch die Gegner – Brüder und Schwestern sind, denen wir in die Augen schauen und in der Wahrheit begegnen müssen. Die Sünde existiert, gewiss, aber stärker ist die erlösende Liebe Christi, die uns dazu verpflichtet, Gedanken, Interessen, Gewohnheiten, Bekanntschaften, Pläne, Investitionen – jeden Aspekt des Lebens – von allem zu reinigen, was die Kultur der Macht verdorben hat.“
Wir müssten nach der Herrlichkeit Gottes streben, und diese entspreche nicht unserer eigenen Herrlichkeit, betonte der Papst.
Für ein dem Evangelium entsprechendes Leben im digitalen Zeitalter
Leo XIV. fordert deshalb eine Umkehr, die auch gesellschaftliche Strukturen erfasst: Machtverhältnisse, eine Kultur des Profits und zerstörerische Formen technologischen Fortschritts müssten kritisch hinterfragt werden. Wer Veränderung fordere, müsse dabei selbst beginnen.
Wörtlich sagte der Papst:
„In einer Welt, die voll ist von Machenschaften, die darauf abzielen, Märkte zu erobern und Einflussbereiche zu vergrößern – oft verschleiert durch beschwichtigende Rhetorik und verführerische ideologische Konstrukte –, verspürt unser Herz die Notwendigkeit, eine andersartige, weise und gütige Bestimmung zu entdecken, ähnlich der, die Maria im Magnifikat besingt: Gott erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht aller, die ihn fürchten. Dieser barmherzige Plan setzt sich durch die Geschichte hindurch bis in die Gegenwart mit all den rasanten und unruhigen Entwicklungen, die von Algorithmen und globalen Netzwerken geprägt sind, fort und wird zum Kompass für ein dem Evangelium entsprechendes Leben im digitalen Zeitalter. Im Zentrum steht das Geheimnis der Menschwerdung.“
„Die Zukunft ist eine Verheißung“
Besonders eindringlich richtete sich der Papst an die jungen Menschen in Rimini. Ihr freiwilliger Einsatz sei ein Zeichen dafür, dass „die Zukunft eine Verheißung ist und keine Bedrohung!“. Er ermutigte sie, ihre Gemeinschaften nicht als Rückzugsorte zu verstehen, sondern als Ausgangspunkt für die Begegnung mit der Welt.
„Widersetzt euch dem, was euch von Brüdern und Schwestern anderer Kulturen, Empfindungen und Herkunft entfremden möchte, insbesondere von den Ärmsten. Geht stattdessen hinaus und geht auf alle zu!,“ so der Rat des Papstes.
Leo XIV. betonte, dass christlicher Glaube niemals durch Zwang oder Indoktrination vermittelt werden könne. „In der Liebe gibt es niemals Zwang“, sagte er. Die Kirche wachse nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung – durch eine Lebensweise, die andere Menschen neugierig macht.
Der Auftrag an Comunione e Liberazione
Auch die Bewegung, die das Katholikentreffen in Rimini ins Leben gerufen hat, rief der Papst zu Erneuerung und Einheit auf. Synodalität dürfe kein bloßer kirchlicher Prozess sein, sondern müsse zu einem Lebensstil werden: einander zuhören, sich vom Glauben anderer verändern lassen und gemeinsam nach neuen Wegen suchen.
„Synodalität ist nicht der Name eines Prozesses, sondern das Wesen eines Volkes, das in der Freundschaft und in der Begegnung mit den anderen erkennt, dass es einzig und allein Gott gehört. Dann verwandelt sich Autorität in einen Dienst, der die Unterschiede ehrt und deren Harmonie fördert. Dieser Stil ist in dieser unruhigen Epoche ein wahres Zeichen der Zeit. Bezeugen wir, dass jedes Charisma dem gemeinsamen Wohl dient, dass sich jeder Reichtum vervielfacht, wenn er geteilt wird, dass jede Angst überwunden werden kann: Wir müssen dies greifbar, glaubwürdig und erstrebenswert werden lassen…. Möge uns, liebe Brüder und Schwestern, weiterhin jene Liebe leiten, »die die Sonne und die anderen Sterne bewegt«,“ so der abschließende Wunsch des Papstes.
(vaticannews – skr)
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