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Papst in San Marino: Für Diplomatie und Multilateralismus

Leo XIV. hat in der Republik San Marino ein Bekenntnis zu Diplomatie und Multilateralismus abgelegt. In seiner ersten Rede auf dem Boden des Kleinstaats, der vollständig von italienischem Staatsgebiet umschlossen ist, würdigte er San Marinos Motto „Libertas“ (Freiheit).

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Libertas bedeutet für Sie auch ein nie nachlassendes Engagement für eine aktive und positive Beteiligung am Aufbau des Friedens“, so der Papst. „Was diesen Aspekt betrifft, möchte ich meine ausdrückliche Wertschätzung zum Ausdruck bringen und sehe darin eine besondere Übereinstimmung mit der Haltung des Heiligen Stuhls. Wir teilen die Wertschätzung für die Diplomatie und für den Multilateralismus als bevorzugte Wege, um die internationalen Beziehungen zu pflegen und das Einvernehmen zwischen den Nationen zu fördern.“

Papst Leo XIV. am 22. August 2026 in San Marino: Für Diplomatie und Multilateralismus (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

Papst Leo war am Samstagmorgen, von Rom kommend, per Hubschrauber in San Marino, der womöglich ältesten Republik der Welt, eingetroffen. In einem Saal des „Palazzo Pubblico“ traf er sich mit den beiden Staatsoberhäuptern, den sogenannten „Capitani Reggenti“, sowie Vertetern der Zivilgesellschaft. In seiner Rede beleuchtete der Gast aus Rom einige Aspekte der Libertas.

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Die Räume des Gewissens verteidigen

„Zunächst möchte ich betonen, dass es keine wahre bürgerliche Freiheit ohne persönliche Freiheit gibt, also ohne die Achtung und die Förderung der Würde der menschlichen Person, deren wesentlicher Bestandteil die Freiheit ist. Diese Freiheit wird letztlich von Gott geschenkt und garantiert, von Gott, dessen Stimme im Gewissen jedes Menschen widerhallt.“

Ausschnitte aus der Ansprache mit deutschen Untertiteln in unserem Instagram-Kanal

Die Freiheit zu fördern bedeute, die Räume des Gewissens zu verteidigen, wie dies etwa der hl. Thomas Morus getan habe. „Auch heute fehlt es in vielen Teilen der Welt nicht an Menschen, die ihrem Gewissen trotz starker Widerstände treu bleiben: Zeugen der wahren Freiheit, jener Freiheit, die aus dem Menschsein als Söhne und Töchter Gottes entspringt. Mit Bewunderung drücken wir unsere Solidarität all jenen gegenüber aus, die derzeit persönlich dafür einen hohen Preis zahlen, dass sie ihr Gewissen nicht verraten haben.“

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„Keine Sklaven der Götzen und der Macht sein“

Zur Libertas gehöre außerdem das Sich-Schenken hinzu, und das hat nach Leos Worten seine Quelle in Gott selbst. „Dieser theologische Bezug mag vielleicht übertrieben erscheinen, aber ich glaube, dass er heute notwendig ist angesichts der Götzenanbetung, die jene politischen und wirtschaftlichen Projekte an der Wurzel verdirbt, die sich im Namen der Freiheit präsentieren, in Wahrheit aber Sklaven der Götzen und der Macht sind.“

Der Papst, der Oberhaupt des kleinsten Staates der Welt überhaupt ist, drückte seine Hoffnung aus, dass gerade in einem kleinen Staat ein Leben „nach dem Maß des Menschen“ möglich ist. In dieser Hinsicht könne San Marino „ein Laboratorium guter Politik sein“.

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Lobende Worte für Gastfreundschaft

„Wenn man noch tiefer geht, ist das Hauptziel, das in diesem Laboratorium anzustreben ist, die Sorge um das Menschliche. Eine Gemeinschaft wie die Ihre, die nämlich gleichzeitig reich an traditionellen Werten und auf technologischem Gebiet auf der Höhe der Zeit ist, kann dieses Ziel wirksam verfolgen, durch eine Sorge, die im Schutz jedes Lebens zum Ausdruck kommt, in jeder seiner Phasen, von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.“ In San Marino sind Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche legal.

Leo fand auch lobende Worte für die Tradition der Gastfreundschaft, die sich in San Marino im Lauf der Jahrhunderte herausgebildet habe. „Vor kurzem hat sie sich gezeigt in der Unterstützung und der Gastfreundschaft für das ukrainische Volk, besonders zu Beginn des Konflikts, wie auch im Engagement für das humanitäre Völkerrecht in einem historischen Moment, in dem es täglich missachtet, wenn nicht gar mit Füßen getreten zu werden scheint.“

  (ANSA)

Hinweis auf Ukraine-Krieg

Auf den Ukraine-Krieg sowie den Palästina-Konflikt hatten auch die beiden „Captiani Reggenti“ den Papst in einer Begrüßungsrede aufmerksam gemacht. „Seit dem Beginn des schmerzlichen und anhaltenden Konflikts hat San Marino Hunderten von Flüchtlingen die Hand ausgestreckt und ihnen moralische Unterstützung und Gastfreundschaft geboten. Heute engagiert sich die Republik auch für palästinensische Familien, die Zuflucht, Hilfe und die Anerkennung ihrer Grundrechte suchen.“

Interessantes Detail: Der Lincoln-Brief

Bei seinem Besuch im Palazzo Pubblico wurde Papst Leo XIV. auch ein historischer Brief Abraham Lincolns gezeigt. 1861 hatten die Capitani Reggenti dem damaligen US-Präsidenten die Ehrenbürgerschaft San Marinos verliehen. Lincoln nahm die Ehrung in seiner Antwort vom 7. Mai desselben Jahres dankend an und würdigte die kleine Republik als einen Staat, der gezeigt habe, dass eine auf republikanischen Prinzipien gegründete Regierung dauerhaft bestehen könne. Der Brief entstand kurz vor Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs und ist bis heute ein besonders bedeutendes Zeugnis der Beziehungen zwischen San Marino und den USA - ebenso wie für die Tatsache, dass San Marino schon im 19. Jahrhundert international gerade wegen seiner kleinen Größe und seiner langen republikanischen Tradition, die auch bei den heutigen Ansprachen hervorgehoben worden war, besondere Aufmerksamkeit bekam.

Würde des Menschen, Freiheit, Frieden

Bei der Begegnung hatten sich die Capitani Reggenti Alice Mina und Vladimiro Selva an den Gast aus Rom gewandt. In ihrer Ansprache stellten sie ebenfalls die Würde des Menschen, Frieden, Solidarität und Freiheit ins Zentrum. San Marino verstehe Freiheit dabei nicht als Privileg, sondern als Verantwortung gegenüber den anderen und den kommenden Generationen. Angesichts von Kriegen, Flucht und humanitären Krisen betonten sie die lange Tradition der Aufnahme des Landes – von den mehr als 100.000 Flüchtlingen während des Zweiten Weltkriegs bis zur Unterstützung ukrainischer Geflüchteter und dem aktuellen Engagement für palästinensische Familien.

Zugleich unterstrichen sie die gemeinsame Verantwortung von San Marino und dem Heiligen Stuhl – die seit genau 100 Jahren diplomatische Beziehungen unterhalten - für Frieden, Völkerrecht, den Schutz der Zivilbevölkerung und Multilateralismus. Auch beim technologischen Fortschritt müsse der Mensch im Mittelpunkt bleiben: Echter Fortschritt, so ihre Botschaft, messe sich daran, ob er die Würde des Menschen schützt und niemanden zurücklasse.

Auf dem Balkon
Auf dem Balkon   (@VATICAN MEDIA)

Gruß vom Balkon

Anschließend an die Begegnung trat Papst Leo XIV., flankiert von den Capitani Reggenti, auch noch auf den Balkon des „Palazzo Pubblico“, um von dort aus die versammelten Menschen zu grüßen. 

„Guten Morgen! Guten Morgen euch allen! Ich danke euch von Herzen für den Empfang an diesem wunderschönen Tag!", sagte er dort. Und weiter: „Ich freue mich wirklich sehr, hier bei euch zu sein, euch zu grüßen und die Schönheit, die Geschichte, die Tradition und den Glauben dieses großartigen Volkes von San Marino zu erleben. Alles Gute euch allen! Möget ihr immer in wahrer Freiheit leben, in der wahren Freiheit in Christus Jesus, in der Wahrheit, und möget ihr in diesem Geist der Gastfreundschaft stets geeint bleiben. Alles Gute euch allen!"

Anschließend begab er sich in die nahe gelegene Kathedrale, um dort die kirchliche Gemeinschaft des kleinen Landes zu treffen.

Die Ankunft des Papstes in San Marino

(vatican news)

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22. August 2026, 10:30