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Flüchtlinge aus Venezuela an der Grenze zu Brasilien Flüchtlinge aus Venezuela an der Grenze zu Brasilien 

Vatikan unterstützt Flüchtlinge aus Venezuela

Man nennt es die „am wenigsten bekannte Flüchtlingskrise der Welt“. Fast eine Million Menschen hat in den vergangenen zwei Jahren auf der Flucht vor Hunger und politischen Spannungen das südamerikanische Land Venezuela verlassen. Unterstützung bekommen diese nun von der katholischen Kirche.

Renardo Schlegelmilch - Vatikanstadt

Venezuelas Nachbarländer haben mehr und mehr Probleme, die vor der dramatischen Versorgungskrise im Land geflüchteten Menschen zu versorgen. Der Vatikan hat sich mit den Verantwortlichen der südamerikanischen Bischofskonferenzen zusammengetan um die Flüchtlinge, aber auch die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Am Montag wurde im Vatikan die Initiative „Brücken der Solidarität“ vorgestellt. 

Zum Nachhören

Bereits 1999, als Präsident Hugo Chavez die „sozialistische Revolution“ in Venezuela ausgerufen hat, hat der Exodus der Menschen aus dem Land begonnen. Hunderttausende haben das Land in Südamerika verlassen. Richtig dramatisch ist die Lage jedoch vor allem in den vergangenen zwei Jahren geworden. Venezuela steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, Ressourcen aller Art werden knapp, und die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln wird gerade für die Ärmsten immer schwieriger. Knapp eine Million Menschen hat deshalb bereits das Land verlassen. Die Nachbarländer tun einiges, um die Flüchtlinge zu unterstützen, wie aber auch in Europa werden mit der Zeit populistische Parolen gegen die Flüchtlinge immer lauter Der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet. Dagegen will auch die Kirche etwas unternehmen. Der Jesuit Michael Czerny ist Untersekretär des Vatikandikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen im Vatikan. Er fordert die Menschen in Venezuelas Nachbarländern auf, nicht nur ihre Türen, sondern auch ihre Herzen zu öffnen.

„Sie verschließen ihre Türen, weil sie der Rhetorik der Populisten folgen. Es gibt zu viele Flüchtlinge, wir wissen nicht, was wir machen sollen, uns gehen die Ressourcen aus. – Wir wollen da nicht diskutieren, sondern den Menschen eine Alternative zeigen. Zeigen, dass es vieles gibt, das sie tun können - und das ohne großen Aufwand. Das ist doch eine gute Botschaft.“

 

Brücken der Solidarität

 

Im Vatikan wurde deshalb am Montag ein pastoraler Zwei-Jahres-Plan vorgestellt. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Bischofskonferenzen aus Kolumbien, Brasilien, Ecuador, Chile, Peru, Bolivien, Paraguay und Argentinien will der Vatikan nicht nur humanitäre, sondern auch spirituelle Hilfe bereitstellen. Die Verantwortlichen für die Flüchtlingspolitik der Bischofskonferenzen in Südamerika sind vergangenen September zusammengekommen und haben überlegt, wie sie ihre Kräfte am besten bündeln können. Wo gibt es Überschneidungspunkte? Mit welchem Flüchtlingsproblem haben fast alle Länder in Südamerika zu tun? Antwort:

„Die Venezolaner. Die Beteiligten haben festgestellt, dass sie alle mit einer großen Zahl Flüchtlinge aus der gleichen Ursprungsregion zu tun haben. Menschen, deren Nöte im Moment immer größer werden. Diese Nöte sind nicht viel anders, als die anderer Flüchtlinge. Aber auch die lokale Bevölkerung hat oftmals ähnliche Probleme. So können wir unsere Hilfen für alle Bedürftigen unter einen Hut bringen. Wir nennen das die ,Drei Brücken nach Venezuela´.“

Der Plan sieht sowohl kurz- als auch langfristige Hilfen vor. Angefangen bei Notunterkünften, über die Unterstützung auf der Suche nach Arbeit oder Ausbildungsplätzen, bis hin zu pastoraler Hilfe. Die lokale Bevölkerung soll hingegen nicht nur finanziell unterstützt werden, sondern auch für die Probleme der Flüchtlinge sensibilisiert werden.

Das Ganze ist dabei nicht nur ein humanitäres, sondern auch ein politisches Projekt. Ein Signal soll an die Regierungen der Länder Südamerikas gesendet werden. Ganz im Sinne von Papst Franziskus sollen auch die Politiker vor Ort ihre Herzen und Türen öffnen, und durch die kirchliche Aktion sehen, welchen Wert die Unterstützung von Flüchtlingen hat.

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08. Mai 2018, 12:24