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Durchaus diskret: Deutsche Solaranlage auf dem geschwungenen Dach der vatikanischen Audienzhalle Durchaus diskret: Deutsche Solaranlage auf dem geschwungenen Dach der vatikanischen Audienzhalle  

Vatikanstadt baut grüne Technologien aus

Der Vatikan wird immer ökologischer. Unter anderem setzt der Papst-Staat auf elektrische Autos, installiert mehr und mehr Ladesäulen, trennt seinen Müll – keine Selbstverständlichkeit im umgebenden Italien -, spart Energie, betreibt zwei Solaranlagen und will in ein paar Jahren komplett weg von klimaschädlichen Gasen.

Nicola Gori und Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Nicola Gori von der Vatikanzeitung L‘Osservatore Romano sprach darüber mit Roberto Mignucci, dem Chef-Ingenieur des Governatorates, also der Stadtverwaltung des Vatikanstaats. Mit dem Umschwung hin zu E-Autos will der Vatikan ein Vorbild sein, sagte der Techniker. „Unter dem Smog, der durch den Stadtverkehr entsteht, leiden wir auch im Staat Vatikanstadt, und obwohl unsere Ergebnisse wenig ins Gewicht fallen, wollen wir ein Zeichen setzen, das für alle von Bedeutung ist”, sagte der Ingenieur. Der Vatikan plane nach und nach alle Dienstwägen mit Verbrennungsmotoren durch E-Autos zu ersetzen. Jedes dieser Fahrzeug lege im Schnitt nur 6000 Kilometer pro Jahr zurück, daher gebe es keinen Grund, an Verbrennungsmotoren festzuhalten, zumal E-Autos emissionsfrei und leise unterwegs seien.

Mehr vatikanische Ladesäulen - auch in Rom

Ladesäulen für die Batterien der E-Autos stehen bereits an mehreren strategisch günstigen Winkeln in der Vatikanstadt, und eine Aufstockung ist geplant. So sind neue Strom-Tankstellen für die exterritorialen Vatikangebiete in Rom vorgesehen, Mignucci nannte die drei Papstbasiliken Santa Maria Maggiore, Lateran und Sankt Paul vor den Mauern. Die Software dazu sei in Entwicklung. Vorerst könnten aber nur vatikanische Dienstautos den Service nutzen.

E-Dienstwagen und Ladestation im Vatikan
E-Dienstwagen und Ladestation im Vatikan

Herausfordernd: der Abschied von den Treibhausgasen

Treibhausgase will das Governatorat so weit und so schnell wie möglich einschränken. Als Papst Franziskus Ende 2019 ankündigte, dass der Vatikanstaat einem internationalen Abkommen zum Klimaschutz betreiten werden (den „Kigali-Änderungen“, einem Zusatzabkommen des Montreal-Protokoll), habe das Governatorat Inventar über alle im Staat verwendeten Gase gemacht. Einige davon, die schädlichsten für die Ozonschicht, werden spätestens 2025 verschwinden, kündigte der Ingenieur an. Die Ersatzstoffe weisen aber ebenfalls Mängel auf. „Die Industrie ist im Moment nicht ganz auf diesen Notfall vorbereitet und bietet Produkte an, die den Treibhauseffekt nur vorübergehend reduzieren können, aber nicht die optimale Lösung sind”, erklärte Mignucci. Heutige ökologische Alternativgase seien beispielsweise leicht entflammbar oder aus anderen Gründen gefährlich, wie Ammoniak und Kohlendioxid, das in geschlossenen Räumen zum Erstickungstod führt. In der päpstlichen Audienzhalle arbeiten die neuen Kühlaggregate mit dem Gas R134A, erklärte der Ingenieur, das sei aber ökologisch noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Sonnenkraft im Vatikan

Auf den Dächern derzeit zweier Gebäude in der Vatikanstadt wird Sonnenenergie gewonnen: Auf der Audienzhalle sitzen seit 2008 deutsche Photovoltaik-Panels zur Stromgewinnung, und auf der geräumigen Mensa ist eine solarbetriebene Klimaanlage installiert. „Leider fehlt im Vatikan der Platz”, bedauert der Ingenieur, „denn es ist schwierig, Solarzellen auf bedeutenden historischen Gebäuden zu installieren.” Der Sonnenstrom vom Dach der Audienzhalle werde zur Gänze ins vatikanische Stromnetz eingespeist. Die Generalaudienzen und alle anderen Veranstaltungen, die in der Halle stattfinden, seien in ihrem Energiebedarf jedenfalls zur Gänze von dieser Anlage gedeckt.

E-Bike eines deutschen Herstellers für Papst Franziskus
E-Bike eines deutschen Herstellers für Papst Franziskus

Die Päpste und der Schutz der Schöpfung

Im Übrigen sei der Vatikanstaat nicht erst seit der Sozial- und Umweltenzyklika „Laudato si” von Papst Franziskus ökologisch gewissenhaft, betonte Mignucci. Schon bei seiner Gründung 1929 stattete sich der päpstliche Zwergstaat mit einer damals fortschrittlichen Fernheizanlage aus. Mit der Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“ von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987 habe die grüne Sache im Vatikan weiteren Auftrieb erfahren, ein weiterer Schritt sei dann „Caritas in Veritate“ (2009) von Papst Benedikt XVI. gewesen. „Schon vor der Enzyklika von Papst Franziskus war das Gouvernorat also bereits in dieser Frage aktiv geworden”, resümierte Mignucci.

(vatican news)

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11. November 2020, 15:02