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Marcus Bergmann (links) von Athletica Vaticana in Glasgow Marcus Bergmann (links) von Athletica Vaticana in Glasgow

Afghanischer Fahrradverband bedankt sich bei Vatikan-Team

Das vatikanische Fahrrad-Team hat in diesen Tagen an der WM in Glasgow teilgenommen. Die Athletica Vaticana hat das Ziel und den Zweck, an Wettkämpfen teilzunehmen, nicht um zu gewinnen, sondern um im Sinn des Papstes „den sportlichen Geist der Geschwisterlichkeit“ zu fördern. Genau diesen hat der österreichische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Marcus Bergmann, als Radfahrer des Vatikan-Teams in Glasgow vorgezeigt.

Mario Galgano – Glasgow

Bei der sogenannten Gran-Fondo-Weltmeisterschaft, die vergangenen Freitag in Glasgow stattfand, nahm auch eine vatikanische Mannschaft teil. Rino Alberto Bellapadrona und Marcus Bergmann von Athletica Vaticana strampelten an dem für Amateure reservierten Rennen und haben dabei einige Radfahrerinnen begleitet. Darunter auch die Afghanin Masomah Ali Zada, die seit 2022 Mitglied der Athletengruppe des Internationalen Olympischen Komitees ist und seit Jahren dafür kämpft, dass Frauen in ihrem Land überhaupt Sport treiben können. In Schottland feuerten die beiden vatikanischen Sportler sie auf dem Weg zur Ziellinie an.

Zum Nachhören - von der Fahrrad-WM in Glasgow

„Sie fragte uns, ob wir Wasser in unserer Trinkflasche hätten“, erzählt uns Botschafter Bergmann. Rino Alberto Bellapadrona, ein Radfahrer von Atletica Vaticana, der zusammen mit Bergmann an der Amateurrunde der Gran-Fondo-Weltmeisterschaften in Glasgow teilnahm, war zunächst enttäuscht, als er der jungen Frau auf dem Fahrrad, die während des Rennens angehalten hatte, nur eine halbleere Wasserflasche anbieten konnte. Ihm war ihr T-Shirt mit der Aufschrift „Uci (Union Cycliste Internationale, Anm. d. Red.) Refugee“ aufgefallen und er erkannte, dass sie ein Flüchtling ist, also fragte er sie, woher sie stamme. „Afghanistan“, habe sie sofort geantwortet. „Wir setzten unser Rennen fort und an einem bestimmten Punkt merkten wir, dass die junge Frau nicht mehr weiter fahren konnte, und so beschlossen wir zusammen, zu warten und denjenigen zu helfen, die sich in diesem Moment in Schwierigkeiten befanden“, so Bergmann: „Dies ist eines der Grundprinzipien, die wir als Athletica Vaticana tragen, denn wir fahren nicht, um zu gewinnen.“ Die Athleten des Heiligen Stuhls nehmen an den Wettkämpfen teil, um die Botschaft des Papstes zu überbringen: die der Integration, der Geschwisterlichkeit, der Freundschaft und der Gemeinschaft. „Wenn du mit uns kommst, begleiten wir dich bis zur Ziellinie“, schlugen die beiden Athleten der Afghanin vor und überzeugten so die Radfahrerin, ihnen bis zur Ziellinie zu folgen.

Masomah Ali Zada (links) und IOC-Präsident Thomas Bach
Masomah Ali Zada (links) und IOC-Präsident Thomas Bach

Masomah Ali Zada setzt sich für die Rechte der Frauen ein

Erst am Ende des Rennens, als die junge Frau ihren Helm abnahm, erkannten die Radfahrer von Athletica Vaticana, wer sie eigentlich ist. Diese Radfahrerin war Masomah Ali Zada. Die heute 27-Jährige floh als Kind aus ihrem Land und lebte im Exil im Iran. Zurück in Kabul, besuchte sie das Gymnasium und die Universität, studierte Sport und war auch als Sportlehrerin tätig. Trotz der Missbilligung durch die konservativsten Kreise der Gesellschaft begann sie zusammen mit anderen Frauen mit dem Radsport und wurde später Mitglied der Radnationalmannschaft.

Botschafter Marcus Bergmann erläutert die Rolle von Athletica Vaticana

Im Jahr 2016 verließ sie Afghanistan und suchte in Frankreich Asyl. Sie nahm für die olympische Flüchtlingsmannschaft am Zeitfahren in Tokio 2020 teil und wurde 2022 Mitglied der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees. Sie kämpft auch dafür, dass die Möglichkeit für Frauen, in ihrem Land Sport zu treiben, anerkannt wird. „Wir als Athletica Vaticana wollen den Schwächsten helfen, und der Radsport ist in dieser Hinsicht eine der repräsentativsten Sportarten, da die Unterstützung für Athleten in Schwierigkeiten, im Sprint oder während des Rennens, viel offensichtlicher ist“, so Bergmann.

Nach dem Rennen meldete sich auch der Präsident des afghanischen Radsportverbandes, Fazli Ahmad Fazli, im Interview mit Radio Vatikan in Glasgow zu Wort: 

„Ich will dem Vatikan-Team für das Engagement und die Unterstützung danken. Als Sportverein ist es uns ein Anliegen, die noblen Werte des Wettkampfs zu fördern. Gerade der Radsport ist für die Rechte der Frauen in Afghanistan und weltweit wichtig. Deshalb unterstützen wir diese Sportart und sind dem Weltverband des Radsports dankbar, dass er uns unterstützt.“

Zwei weitere afghanische Radrennfahrerinnen waren dabei: die 24jährige Arefa und die 22-jährige Mina hatten seit Februar zweimal pro Woche in einem Park trainiert, um sich auf das Turnier vorzubereiten. „Ich wollte mein Land vertreten und auch jedes afghanische Mädchen, das diese Möglichkeit nicht hat“, sagte Arefa gegenüber Sky News. „Als die Taliban ins Land kamen, wurde für Mädchen alles verboten, jeden Tag eine Sache mehr, die wir nicht tun konnten.“

Seit die internationalen Truppen das Land vor zwei Jahren verlassen haben und die Taliban die Macht übernommen haben, ist es Frauen und Mädchen in Afghanistan verboten, Sport zu treiben und an Wettkämpfen teilzunehmen. Der afghanische Fahrradverein wird von der UCI mitgetragen und gefördert.

(vatican news)

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08. August 2023, 13:01