Die Kirche feiert den großen Schweigsamen
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Im Vatikan ist der 19. März ein Feiertag, außerdem in Liechtenstein, Kolumbien und einigen schweizerischen Kantonen. Pius IX. erhob den hl. Josef zum Schutzpatron der Weltkirche. Seit Pius XII. ist auch der 1. Mai ein Festtag des hl. Josef, um auf diese Weise dem „Tag der Arbeit“ eine christliche Note zu verpassen.
Josef stammte nach Angaben der Evangelien aus dem Geschlecht des Königs David und wirkte als Architekt und Baumeister im galiläischen Nazaret. Er zog nach Darstellung des Lukasevangeliums zusammen mit Maria wegen einer Volkszählung nach Betlehem, wo Jesus geboren wurde, und floh anschließend mit ihr und dem Neugeborenen nach Ägypten; von dort kehrte die ganze Familie nach Nazaret zurück. Das letzte Mal wird Josef in der Heiligen Schrift erwähnt, als Maria und er den zwölfjährigen Jesus im Tempel wiederfinden. Über sein weiteres Leben und seinen Tod finden sich in der Bibel keine Angaben. In der westlichen Kirche wird ein Fest des hl. Josef erst um das Jahr 850 erwähnt – und zwar in einem Text von der Insel Reichenau.
„Ein Mensch des suchenden Herzens“
In der Neuzeit hatten viele Päpste eine besondere Verbindung zum hl. Josef. Benedikt XVI. (2005-13) hieß mit bürgerlichem Namen Josef Ratzinger, der hl. Josef war also sein Namenspatron. Für den deutschen Papst war Josef „ein Mensch des suchenden Herzens“. „Vor allem verband der hl. Josef dadurch, dass er dem Stamm Juda angehörte, Jesus mit der Nachkommenschaft Davids, so dass sich die Verheißungen über den Messias verwirklichten und der Sohn der Jungfrau Maria sich tatsächlich »Sohn Davids« nennen kann.“ (Angelus, 19.3.06) Josef war also für den Theologenpapst das missing link, der Garant der Abkommenschaft Jesu von David: ein wichtiges Element für seinen Charakter als Messias.
Eine spezielle Beziehung zum hl. Josef hatte auch Papst Franziskus (2013-25), der an einem 19. März auf dem Petersplatz in sein Amt eingeführt wurde. „In den Evangelien“, so sagte Franziskus in seiner Predigt, „erscheint Josef als ein starker, mutiger, arbeitsamer Mann, aber in seinem Innern zeigt sich eine große Zärtlichkeit, die nicht etwa die Tugend des Schwachen ist, nein, im Gegenteil: Sie deutet auf eine Seelenstärke hin und auf die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, zu Mitleid, zu wahrer Öffnung für den anderen, zu Liebe.“ (Predigt, 19.3.2013)
2020 veröffentlichte Franziskus ein ausführliches Schreiben zum hl. Josef. Darin heißt es: „Alle können im heiligen Josef, diesem unauffälligen Mann, diesem Menschen der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart, einen Fürsprecher, Helfer und Führer in schwierigen Zeiten finden. Der heilige Josef erinnert uns daran, dass all jene, die scheinbar im Verborgenen oder in der ‚zweiten Reihe‘ stehen, in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielen.“ (Patris Corde, 8.12.2020)
Was den neuen Papst Leo XIV. betrifft, hat er bei einem Angelusgebet im vergangenen Dezember die Haltung des hl. Josef gewürdigt, der eine „äußerst sensible menschliche Person“ gewesen sei – „schwach und fehlbar wie wir“, aber zugleich „mutig und stark im Glauben“. „Frömmigkeit und Liebe, Barmherzigkeit und Hingabe: Das sind die Tugenden des Mannes aus Nazaret... Es sind wichtige Haltungen, die das Herz zur Begegnung mit Christus und mit den Brüdern und Schwestern erziehen…“ (Angelus, 21.12.26)
(vatican news)
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