Kardinal Parolin bei der Buchvorstellung Kardinal Parolin bei der Buchvorstellung 

Parolin: Trump und Israel sollten Krieg beenden, große Eskalationsgefahr

„Man sollte den Libanon in Ruhe lassen“: Das betonte Pietro Parolin, der Chefdiplomat des Vatikans, anlässlich einer Buchvorstellung zu Leo XIV. in der italienischen Abgeordnetenkammer gegenüber Journalisten. Probleme sollten „durch Dialog und Diplomatie gelöst werden“, mahnte der Kardinal am Mittwochabend. Über seine Arbeit an der Seite des Papstes sagte er: „Es herrscht ein guter Dialog, er hört sehr gut zu“.

Salvatore Cernuzio und Tiziana Campisi – Rom

Wenn er US-Präsident Donald Trump gegenüberstünde, würde Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ihm sagen, „so schnell wie möglich damit aufzuhören, denn die Gefahr einer Eskalation steht wirklich vor der Tür. Ich würde sagen, den Libanon in Ruhe zu lassen…“. Die gleiche Botschaft, so der Kardinal, sollte „auch an die Israelis gerichtet werden“, damit sie wirklich versuchen, „die Probleme, die es geben mag oder die sie zu haben glauben, auf friedlichem Wege durch Diplomatie und Dialog zu lösen“.

Der Kardinal äußerte seine Gedanken zur internationalen Lage am Rande der Präsentation des Buches „Leone XIV. Chi dite che io sia? Sono un figlio di Sant’Agostino“ („Leo XIV. – Wer sagt ihr, bin ich? Ich bin ein Sohn des heiligen Augustinus“), erschienen bei Cantagalli und gemeinschaftlich verfasst von dem italienschen Vatikanjournalisten Ignazio Ingrao und dem Augustinerpater Giuseppe Pagano.

Die Arbeit an der Seite von Papst Leo

Und über seinen „Chef“ sprach auch der Kardinal, der an der Spitze des Staatssekretariats steht, mit den Reportern. Auf die Frage, wie es sei, an der Seite des ersten US-amerikanischen Papstes der Geschichte zu arbeiten, antwortete er: „ Es ist sehr einfach“, erklärte er, „es gibt einen guten Dialog, einen schönen Austausch. Er hört viel zu und es herrscht ein gutes Verhältnis.“

Über die Fähigkeit des Papstes zum Zuhören sprach der Staatssekretär auch während seines Vortrags bei der Veranstaltung, an der – moderiert von der Vatikan-Korrespondentin der Associated Press, Nicole Winfield – auch Pater Joseph L. Farrell, Generalprior des Augustinerordens, Pierferdinando Casini, Präsident der italienischen Gruppe der Interparlamentarischen Union; sowie Elena Beccalli, Rektorin der Katholischen Universität Sacro Cuore, teilnahmen.

Kardinal Parolin fordert USA und Israel auf, Irankrieg zu beenden

Unbewaffneter und entwaffnender Frieden

„Zuhören ist ein Akt von großer kirchlicher Bedeutung; dass der Papst zuhört, ist eine große Lehre für alle. Innerhalb und außerhalb der Kirche“, erklärte Parolin und wies auf drei „grundlegende Punkte“ hin, die zwar unterschiedlich, aber miteinander verbunden sind und dabei helfen, das Profil der Person und des Amtes des 267. Nachfolgers Petri zu skizzieren. Zunächst „der unbewaffnete und entwaffnende Frieden“, jener „eindringliche“ Appell, den der neu gewählte Papst am 8. Mai 2025 von der Loggia des Petersdoms aus verkündete. Eine Formel, die „jeden Sonntag mit ruhiger und entschlossener Beharrlichkeit nachhallt, mit der Aufforderung, die Waffen niederzulegen und anderen Logiken zu folgen als denen des Profits und der Macht“. Ein „notwendiges“ Wort angesichts „dramatischer Ereignisse, die den Nahen Osten in Brand setzen“, und anderer Konflikte, die nicht abzuklingen scheinen, so der Kardinal bei seinem Vortrag.

Diese Sehnsucht nach Frieden stelle Leo in eine Reihe mit allen Päpsten des letzten Jahrhunderts, wie Kardinal Parolin hervorhob: von Benedikt XV., der die Nationen aufforderte, den Ersten Weltkrieg gar nicht erst zu erklären, welchen er später als „sinnloses Gemetzel“ brandmarkte, über Pius XI., den unermüdlichen „Gegner“ aller Totalitarismen, bis hin zu Pius XII., der die Mächtigen der Nationen eindringlich bat, die Menschheit nicht durch den Zweiten Weltkrieg „in Gefahr zu bringen“. Und weiter: Johannes XXIII. mit seiner historischen Enzyklika Pacem in terris und Paul VI. mit der Populorum Progressio, in der er bekräftigte, dass „Entwicklung der neue Name des Friedens ist“.

Heute, in dieser „globalen Destabilisierung, die von Tag zu Tag dramatischer wird“, während die Militärausgaben steigen und die „Irrationalität“ einer auf Angst und Machtbeherrschung basierenden Beziehung zwischen den Völkern zu beobachten sei, „schlägt der Papst Zuhören, Dialog und Liebe vor“, betonte Parolin.

Das Engagement für die Einheit

„Einheit der Kirche“, der zweite Punkt, den er hervorhob. „Heute gibt es viele Gründe, die dazu führen, den kirchlichen Leib zu spalten“, stellte der Staatssekretär fest: auf der einen Seite diejenigen, die „im Namen einer wahllosen Offenheit“ Gefahr laufen, die Kirche auf die politischen Logiken der Welt zu reduzieren; gegenüber denjenigen, die im Namen der Tradition „jeden Fortschritt leugnen“ und die Kirche als „belagerte Festung“ darstellen. Deshalb beharrt Leo XIV. „auf dem starken Zeugnis ihrer Mitglieder und Glieder: Wir alle sind aufgerufen, diese Einheit aufzubauen“.

„Um die Gemeinschaft auf allen Ebenen zu bewahren, zeigt der Papst, dass er den Weg des Dialogs durch geduldiges Anhören der Argumente aller bevorzugt“. Es ist „der längste Weg“, aber es ist der, der „versucht, die Knoten zu lösen“, erklärte der Kardinal. Leo XIV. habe „gezeigt, dass er die Konfrontation nicht scheut, in der Gewissheit, dass die Offenheit für den Dialog Wege der Begegnung und des Friedens wieder öffnet“.

Synodaler Stil

Und genau dieser Aspekt leitet das dritte Element ein, über das der Kardinal an diesem Abend sprach, nämlich „den Stil des Pontifikats“. Ein Stil, der von der Synodalität geprägt sei, die für Papst Franziskus das „Gesicht“ der Gemeinschaft in der Kirche dargestellt habe. Der damalige Kardinal Prevost, so erinnerte Parolin, habe an den beiden Sitzungsperioden der Synode über die Synodalität teilgenommen und seinen Beitrag zu „einer Kirche des Zuhörens“ geleistet. Nun, auf dem Stuhl Petri, „zeigt er, dass er das Thema der Synodalität als Regierungsstil annimmt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er gemeinsame Entscheidungen bevorzugt“. Ein Beweis dafür sei das Konsistorium mit den Mitgliedern des Kardinalskollegiums im vergangenen Januar oder das für Juni geplante Konsistorium, für das „die Kardinäle gebeten wurden, darüber nachzudenken, wie die Synodalität dem Papst bei der Ausübung seines Amtes helfen kann“. „Es handelt sich nicht um eine abgeschwächte Form des Primats“, stellte der Staatssekretär klar: „Einbeziehen, teilhaben lassen, ist ein Zeichen für ein Verständnis von Führung im Zeichen des Dienstes und nicht der Macht“.

Kardinal Parolin äußerte sich auch zum „unbewaffneten und entwaffnenden Stil“ von Papst Leo in dessen Worten, „die in Ton und Inhalt stets maßvoll sind, in einer Zeit, in der die Vernunft dem gehört, der am lautesten und am häufigsten schreit, ohne seine Aussagen zu begründen“. „Manche“, fügte er hinzu, „wollen ihn dem stärkeren, direkteren und prägnanteren Stil von Papst Franziskus gegenüberstellen. Aber wenn wir den Weg der Kirche betrachten, hat keiner der Päpste sein Amt auf die gleiche Weise ausgeübt. Alle haben das Erbe ihrer Vorgänger aufgegriffen und ihren eigenen Dienst an der Kirche weiterentwickelt. Auf diese Weise entsteht Kontinuität.“

Der Beitrag von Pater Farrell

Ausführlich, und auch von persönlichen Erinnerungen aus einer langjährigen Bekanntschaft geprägt, war der Beitrag von Pater Farrell, der den interessanten Hintergrund von Robert Francis Prevost hervorheben wollte: „Seine Erfahrung als Missionar, Provinzialprior, Generalprior, Bischof, Kardinal und nun Papst lässt uns erkennen, wie Gott in ihm und durch ihn gewirkt hat“, erklärte er. „Das ist eine Tatsache, die unsere persönliche und gemeinschaftliche Reflexion verdient.“

Den Anwesenden versicherte der Prior der Augustiner: „Wir können noch sehr viel von Robert Prevost, Papst Leo, lernen. Entsprechend seinem Lebensstil und seiner Führungsweise werden wir viele Gelegenheiten haben, ihn in der ihm anvertrauten Rolle wachsen zu sehen.  Wie wir bereits mehrfach gehört und wiederholt haben, ist er ein methodischer Mann, wie ein guter Mathematiker: Zuerst hört er zu, dann analysiert er die betreffende Idee oder das Thema gründlich, berät sich mit anderen und trifft schließlich eine Entscheidung.“ Daraus ergab sich die Aufforderung, „weiterhin für den Papst zu beten“, „genauso oft oder sogar öfter, als wir ihn bitten, für uns zu beten“.

(vatican news - cs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

19. März 2026, 10:03