Nuntius im äußersten Süden Libanons: „Wir bringen Hilfe und Hoffnung“
Salvatore Cernuzio und Gudrun Sailer – Vatikanstadt
Erzbischof Paolo Borgia fuhr an diesem Montag bis an die sogenannte Blue Line, die Grenze zwischen Libanon und Israel. Dort besuchte er Orte wie Rmesh, Debel und Ain Ebel, die unter Beschuss zwischen israelischen Streitkräften und der Hisbollah stehen. Er begleitete einen humanitären Konvoi mit sechs Lastwagen, die Medikamente und verschiedene Güter geladen hatten. Der Nuntius half selbst beim Entladen und Tragen von Paketen für die hilfbedürftigen Bewohner der mehrheitlich christlichen Dörfer.
Wie Borgia erklärte, habe er vor allem „ein Zeichen der Nähe“ setzen wollen. Er traf christliche Gemeinden und besuchte Aufnahmezentren für Vertriebene aus benachbarten Dörfern. Ziel sei gewesen, „eine Nähe des Herzens, die Nähe des Heiligen Vaters, der Weltkirche, der libanesischen Kirche und aller, die sich heute um die libanesische Bevölkerung scharen“, zu vermitteln.
Der Vertreter des Papstes brachte auch eine Friedensbotschaft. „Ich habe die Worte des Appells des Papstes vom vergangenen Sonntag beim Angelus erwähnt“, sagte er. Papst Leo XIV. habe „dem Schrei nach Frieden der Christen im Nahen Osten und aller Männer und Frauen guten Willens eine Stimme gegeben“. Zugleich übermittelte der Nuntius „eine Botschaft der Hoffnung, jene Flamme, die auch Momente der Dunkelheit wie diese erhellt“.
Borgia hatte die Dörfer bereits wenige Tage zuvor besucht. Seine jüngste Reise führte erneut in Regionen mit zerstörten Häusern, verlassenen Ortschaften und beschädigten Verkehrswegen. Er schilderte Szenen mit „vielen Trümmern“ und „einer schmerzlichen Stille, die nur von Mörserschüssen unterbrochen wird“. Die Hilfsaktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der Organisation Caritas Solidarity – L’Œuvre d’Orient.
Unter den Flüchtlingen
Auf dem Rückweg nach Beirut machte Monsignore Borgia in dem aus der Bibel bekannten Tyros sowie in Sidon Halt. Dort traf er Scheich Rabbi Akhbeisi, eine schiitische religiöse Autorität, und eine Gruppe von Flüchtlingen, die bei einer maronitischen Gemeinde untergebracht sind: „Auch ihnen wollte ich unsere Solidarität bekunden. Der Krieg hat in der Tat schwerwiegende Auswirkungen auf die Dörfer, seien sie christlich, gemischt oder muslimisch. Viele Menschen mussten ihre Dörfer verlassen.“ Jüngsten Schätzungen zufolge sind seit dem Ausbruch dieser neuen Welle der Gewalt im Nahen Osten, die durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran ausgelöst wurde, etwa eine Million Menschen zur Flucht gezwungen worden.
Borgia besuchte anschließend Ain Ebel, wo kürzlich eine israelische Drohne drei Männer tötete, die sich dort wegen Reparaturarbeiten im Freien aufhielten, sowie Rmesh, den südlichsten Ort im Libanon. Dort wollten Menschen ihr Land auch in den blutigsten Phasen des Krieges im vergangenen Jahr nicht verlassen, sagte der Diplomat. Allerdings erlebt das Land derzeit eine Zunahme von Angriffen und Bombardements, die Gefahr wächst ebenso wie die Angst vor einer immer ungewisseren Zukunft: „Das ist der Krieg", so das bittere Resümee des Nuntius im Libanon.
Israel hat Bodeneinsatz im Südlibanon begonnen
Unterdessen hat das israelische Militär nach eigenen Angaben einen Bodeneinsatz im Südlibanon begonnen. Der Eingriff sei begrenzt und richte sich gezielt gegen Stellungen der Hisbollah-Miliz, hieß es. Durch den Einsatz sollten Terroristen ausgeschaltet und Bedrohungen beseitigt werden, um den Bewohnern Nordisraels zusätzliche Sicherheit zu bieten. Die radikalislamische Hisbollah-Miliz ist einer der stärksten Verbündeten des Iran. Unterdessen sind nach Angaben von UNICEF im Libanon eine Million Menschen auf der Flucht, darunter fast 350.000 Kinder.
(vatican news - cs/gs)
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