Südlibanon: Vatikan-Botschafter versorgt isolierte Dörfer

Während in Beirut die Einschläge wieder näher rücken, ist der Apostolische Nuntius im Libanon, Erzbischof Paolo Borgia, von einer riskanten Mission in den Süden des Landes zurückgekehrt. Mit 15 Tonnen Hilfsgütern im Gepäck besuchte der Diplomat des Papstes sechs teilweise abgeschnittene Dörfer. Sein Bericht zeichnet das Bild einer Region, die systematisch von der Außenwelt isoliert wird, aber dennoch fest auf die Vermittlung des Vatikans hofft.

Salvatore Cernuzio und Mario Galgano - Vatikanstadt

„Gerade jetzt habe ich von der Nuntiatur aus einen Einschlag gehört... Das heißt, der ‚Lärm‘ in Beirut fängt wieder an“, berichtet Erzbischof Borgia am Telefon gegenüber den vatikanischen Medien. Er spricht vom Hügel von Harissa aus, wo die Statue Unserer Lieben Frau vom Libanon auf die geschundene Hauptstadt blickt. Erst vor wenigen Stunden kehrte er von einer Reise zurück, die ihn zunächst zu den Trauerfeierlichkeiten des ermordeten Pfarrers Pierre El Raii nach Qlayaa und anschließend tief in die Kampfgebiete des Südens führte.

Zum Nachhören - was der Nuntius sagt

Handfeste Hilfe und ein Moment des Lachens

Borgia kam nicht mit leeren Händen. Ein Lastwagen mit 15 Tonnen Hilfsgütern der Organisation „L'Œuvre d’Orient“ begleitete ihn. Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken zeigen den Nuntius in Soutane und Zucchetto, wie er persönlich mit anpackt, Pakete ablädt und Taschen verteilt. „Wir haben die Ärmel hochgekrempelt, um das Material abzuladen. Es war eine wunderschöne Erfahrung der Brüderlichkeit“, erklärt der Erzbischof.

Der Nuntius beim Gebet in einer Dorfkirche im Süden des Libanon.
Der Nuntius beim Gebet in einer Dorfkirche im Süden des Libanon.

Inmitten der Tragödie gab es auch surreale Momente. Als er in der kleinen Kirche eines Dorfes vor den Altar trat, schlugen drei Mörsergranaten in der Nähe ein. „Jemand sagte mir scherzhaft: ‚Exzellenz, man heißt Sie willkommen.‘ Wir mussten darüber lachen – Humor als Überlebensstrategie.“

Nuntius Borgia bei der Verteilung humanitärer Hilfsgüter
Nuntius Borgia bei der Verteilung humanitärer Hilfsgüter

Die Hoffnung auf den Papst

Die Menschen in den besuchten maronitischen, melkitischen und orthodoxen Gemeinden sowie die dort lebenden Drusen und Sunniten setzen ihre Hoffnung laut Borgia ganz auf den Heiligen Stuhl. Besonders präsent sei noch der Besuch von Papst Leo XIV. im Dezember 2025. „Die Menschen haben ein tiefes Vertrauen in den Papst, zu dem sie sofort eine besondere Verbindung aufgebaut haben“, so der Nuntius.

„Die Menschen haben ein tiefes Vertrauen in den Papst...“

Strategische Isolation des Südens

Doch die militärische Lage verschlechtert sich stündlich. Kurz nach der Abreise des Nuntius wurden strategisch wichtige Zufahrtswege bombardiert. „Es scheint, als würden sie beginnen, die Kommunikationswege in den Süden systematisch abzuschneiden“, warnt Borgia. Qlayaa und andere Dörfer seien nun weitgehend blockiert.

Während die Hisbollah Raketen Richtung Israel abfeuert, antworte die israelische Armee mit „chirurgischen“ Angriffen auf Autos, Wohnungen oder Hotelzimmer in den schiitischen Vierteln von Beirut wie Dahieh. Dies hat eine gigantische Fluchtwelle ausgelöst: Rund 800.000 Menschen haben sich bereits beim Sozialministerium für Hilfe registriert, während 120.000 in Notunterkünften untergebracht sind. „Die Menschen in den Zentren haben große Angst“, schließt Borgia. „Wir hoffen, dass dieser Krieg bald endet.“

(vatican news)

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14. März 2026, 09:54