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Rauch über das südlibanesische Dorf Khiam Rauch über das südlibanesische Dorf Khiam  (AFP or licensors)

Zwischen den Fronten: Die verzweifelte Lage der Christen im Südlibanon

Während die Kämpfe im Südlibanon an Intensität zunehmen, rückt das Schicksal der christlichen Dörfer an der Grenze zu Israel in den Fokus. In Rmeisch, einer maronitischen Enklave, harrt die Bevölkerung trotz ständiger Bombardierungen aus. Pater Toni Elias, stellvertretender Pfarrer des Ortes, berichtet von der Angst vor Vertreibung, dem Hunger und dem Abschied von einem „Märtyrer der Liebe“.

Federico Piana und Mario Galgano - Vatikanstadt

An diesem Donnerstag fand in Qlayaa die Beerdigung von Pater Pierre El Raii statt. Der maronitische Priester war vor zwei Tagen bei einem israelischen Luftangriff getötet worden, als er versuchte, Opfern eines vorangegangenen Raketeneinschlags zu helfen.

„Er war ein sehr lieber Mitbruder, ein mutiger Mann“, sagt Pater Toni Elias gegenüber den vatikanischen Medien. „Sein Tod schmerzt uns unermesslich. Für uns ist er ein Märtyrer des Glaubens, weil er sein Leben verlor, während er Menschen in Not half.“ Aufgrund der extrem gefährlichen Sicherheitslage war es den Gläubigen aus dem nur 40 Kilometer entfernten Rmeisch jedoch unmöglich, an der Beerdigung teilzunehmen.

Zum Nachhören - die Lage im Libanon

Umzingelt vom Krieg

Der Distrikt Bint Dschubail, in dem Rmeisch liegt, ist derzeit eines der Hauptziele israelischer Angriffe, die laut Armeeangaben die pro-iranischen Hisbollah-Milizen zerschlagen sollen. Für die etwa 7.000 Einwohner von Rmeisch ist das dumpfe Grollen der Explosionen zum ständigen Begleiter geworden. „Wir hören es jeden Tag über unseren Köpfen“, berichtet Pater Elias. Kürzlich zerstörten zwei Bomben ein Wohnhaus im Dorf; wie durch ein Wunder gab es keine Toten.

Die Lage ist prekär: Von den fünf christlichen Dörfern der Region sind zwei bereits komplett evakuiert. In Rmeisch sowie in Debel und Ain Ebel weigert sich die Bevölkerung jedoch zu gehen. „Wir bewegen uns nicht. Hier gibt es keine Hisbollah-Kämpfer, keine Raketen. Wir sind für niemanden eine Gefahr“, betont der Geistliche. Die größte Sorge der Menschen ist die Endgültigkeit einer Flucht: „Wir haben nur eine Angst: Dass wir, wenn wir einmal unsere Häuser verlassen, nie wieder zurückkehren dürfen.“

Hunger und Blockade

Rmeisch ist faktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Wer das Dorf in Richtung Beirut verlassen will, riskiert sein Leben und ist auf die Eskorte der libanesischen Armee angewiesen. Dies führt zu massiven Engpässen bei Lebensmitteln und Treibstoff. „Die Kirche und die lokalen Behörden versuchen, die Versorgung mit Nahrung und Diesel sicherzustellen. Es ist nicht einfach, aber wir versuchen es“, so Elias.

Zudem herrscht ein enormer politischer Druck auf das Dorf. Bis vor kurzem beherbergte Rmeisch etwa 200 schiitische und sunnitische Flüchtlinge. Diese mussten das Dorf jedoch wieder verlassen. Laut Pater Elias gab das israelische Militär ein Ultimatum: Entweder die Flüchtlinge gehen, oder das gesamte Dorf muss evakuiert werden – offenbar aus Sorge, Hisbollah-Elemente könnten sich unter die Schutzsuchenden gemischt haben.

Die „Waffen“ des Glaubens

Trotz der Ungewissheit bleibt der Glaube der stärkste Rückhalt für die Menschen. Täglich werden zwei Messen gefeiert, die gut besucht sind. „Der Glaube wurde von den Bomben nicht getötet“, sagt Pater Elias entschlossen. „Die tägliche Eucharistie und die Anbetung sind unsere Waffen. Die Menschen vertrauen sich voll und ganz dem Herrn an.“

(vatican news)

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12. März 2026, 10:05