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P. Pierre El Raii ist tot. P. Pierre El Raii ist tot. 

Libanon: Pfarrer Pierre El Raii stirbt bei Hilfseinsatz für Gemeindemitglied

Die christliche Gemeinschaft im Libanon steht unter Schock: Pfarrer Pierre El Raii, der maronitische Seelsorger von Qlayaa, ist am Montagnachmittag bei einem israelischen Bombenangriff ums Leben gekommen. Der Geistliche wurde getroffen, als er versuchte, einem verletzten Gemeindemitglied zur Hilfe zu eilen. Sein Tod markiert einen Wendepunkt für die christlichen Dörfer im Süden des Landes, die bisher trotz ständiger Evakuierungsaufforderungen ausgeharrt hatten.

Giada Aquilino und Mario Galgano - Vatikanstadt

Pater Toufic Bou Merhi, ein Franziskaner der Kustodie des Heiligen Landes und Pfarrer in Tyros, übermittelte die Nachricht noch sichtlich erschüttert an die vatikanischen Medien. Der Vorfall ereignete sich gegen 14:00 Uhr Ortszeit in den Bergen des Südlibanon.

Tod beim zweiten Einschlag

Laut den Schilderungen von Pater Toufic gegenüber Radio Vatikan hatte ein erster Angriff ein Haus in der Nähe der Pfarrei von Qlayaa getroffen und einen Bewohner verletzt. „Pfarrer Pierre eilte zusammen mit Dutzenden jungen Männern herbei, um dem Verletzten zu helfen“, berichtet der Franziskaner. In diesem Moment erfolgte ein zweiter Luftschlag auf dasselbe Gebäude.

Pfarrer El Raii wurde schwer verletzt und in ein nahegelegenes Krankenhaus eingeliefert. „Er hat es nicht geschafft. Er starb fast noch an der Schwelle des Krankenhauses. Er war gerade erst fünfzig Jahre alt“, so Pater Toufic. Der verstorbene Priester galt als die zentrale Stütze der Christen in der Region und hatte sie stets darin bestärkt, in ihrer Heimat zu bleiben.

Ein Bombenangriff auf Beirut
Ein Bombenangriff auf Beirut   (AFP or licensors)

Wendepunkt für die christliche Gemeinschaft

Der Tod des Geistlichen löst in der Region nicht nur tiefe Trauer, sondern auch Angst aus. Bisher hatten sich viele Bewohner der christlichen Dörfer geweigert, ihre Häuser zu verlassen, obwohl die israelische Armee zur Evakuierung aufgerufen hatte. Doch die gezielten Einschläge in zivile Gebiete verändern die Lage dramatisch.

„Die Menschen weinen und haben große Angst“, berichtet Pater Toufic. „Bisher wollten sie ihre Dörfer nicht verlassen, aber jetzt hat sich alles gedreht.“ Eine Flucht stelle viele vor unlösbare Probleme: Die ökonomische Krise des Landes macht es fast unmöglich, Unterkünfte zu mieten. Viele Vertriebene landen buchstäblich auf der Straße oder schlafen in ihren Autos.

Eine Viertel der Bevölkerung auf der Flucht

Die humanitäre Lage im Libanon erreicht unterdessen beispiellose Ausmaße. Pater Toufic betreut in seinem Konvent in Tyros derzeit 200 Geflüchtete, allesamt Muslime. „Wir nehmen jeden auf, der Schutz sucht“, betont er. Allein in Beirut gibt es schätzungsweise 500.000 Vertriebene, weitere 300.000 Menschen haben den Süden verlassen, und Zehntausende sind aus der Bekaa-Ebene geflohen.

„Wir waren nicht darauf vorbereitet, fast ein Viertel der Bevölkerung aufzunehmen“, gesteht der Franziskaner. Trotz der Verzweiflung mahnt er zur Hoffnung: „Das Letzte, was in uns nicht sterben darf, ist die Hoffnung auf den Herrn.“ Sein Schrei aus dem Libanon bleibt jedoch politisch: „Schluss mit den Kriegen, Schluss mit der Gewalt! Waffen erzeugen keinen Frieden, sondern Massaker und Hass. Alles, was wir fordern, ist ein Leben in Würde.“

(vatican news)

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09. März 2026, 16:05