Vatikan: Kardinal Parolin mahnt Reform des Strafvollzugs an
Mario Galgano - Vatikanstadt
„So wie Gottes Gerechtigkeit Sorge, Liebe, Rettung und Vergebung für den reuigen Sünder bedeutet, sollte auch die menschliche Gerechtigkeit das Erziehungspotenzial einer Strafe stärken“, betonte Parolin in seiner Homilie. Er stellte fest, dass dieser Anspruch in der Praxis „zu oft nur schwach verfolgt wird, weil es den Vollzugsanstalten an den nötigen Mitteln zur Besserung fehlt“.
Kritik an der „Entwürdigung“ im Strafvollzug
Kardinal Parolin weitete den Blick über die Mauern des Vatikans hinaus auf die internationalen Justizsysteme. Trotz feierlicher Prinzipien zur Resozialisierung seien viele Systeme so konzipiert, dass sie den eigentlichen Zweck der Strafe „demütigen“ – nämlich die menschliche und soziale Rückführung des Verurteilten in die Gemeinschaft.
Die göttliche Gerechtigkeit, so Parolin unter Bezugnahme auf den Propheten Hosea, sei kein Strafkatalog für Untreue, sondern eine „Korrektur, damit jeder Mensch in der Gemeinschaft mit Gott wachsen kann“.
Jenseits der Vergeltungslogik
In seiner Auslegung des Evangeliums (Gleichnis von Zöllner und Pharisäer) forderte der Kardinalstaatssekretär dazu auf, die bloße „Vergeltungslogik“ der Justiz zu überwinden. „Das letzte Ziel der göttlichen Gerechtigkeit ist es nicht, Verdienste oder Schuld auf einer kalten und unpersönlichen Waage zu messen“, so der Purpurträger. Vielmehr gehe es darum, die Person im Innersten zu korrigieren und eine tiefe Herzenswandlung herbeizuführen.
Vorbildfunktion für das vatikanische Recht
Dieser Reflex der göttlichen Gerechtigkeit müsse laut Parolin „in der vatikanischen Rechtsordnung noch stärker erstrahlen“. Die Wiedereingliederung nach Verbüßung der Strafe sei keine „dekorative Beigabe“, sondern müsse eine Vorrangstellung einnehmen. Er erinnerte daran, dass das höchste Gesetz der irdischen Justiz immer das „Wohl der Personen“ sein müsse.
Justiz erfordert persönliche Umkehr
An die Richter und Justizmitarbeiter gewandt, betonte Parolin, dass technische Vorbereitung und professionelles Geschick allein nicht ausreichten. Ein guter „Diener der Gerechtigkeit“ müsse selbst einen persönlichen Weg der spirituellen Umkehr beschreiten. Nur wer die Anstrengungen und Freuden des eigenen Wandels kenne, könne das Amt ausüben, ohne in die herablassende Haltung des Pharisäers zu verfallen.
Die aktuelle Fastenzeit sei der „günstige Augenblick“, um diesen Weg neu zu beginnen. Parolin vertraute die Arbeit der vatikanischen Justiz abschließend dem Schutz der Jungfrau Maria an, die er als „Spiegel der Gerechtigkeit“ bezeichnete.
(vatican news)
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