Vatikan: Papst-Prediger fordert „spirituelle Abrüstung“
Mario Galgano - Vatikanstadt
„Umkehr: Dem Herrn Jesus auf dem Weg der Demut folgen“ - so lautet das Leitwort der diesjährigen Fastenpredigten. Angesichts der weltweiten Konflikte betonte Pasolini, dass es für Christen vor allem darum gehe, „klein“ zu werden. Das sei kein „spiritueller Luxus“, sondern eine konkrete Verantwortung für das Schicksal der Welt. Nur wenn Männer und Frauen sich auf das „Kleinsein“ einließen, könne wahrer Friede entstehen.
Friede als Verzicht auf Rache
Dies bedeute konkret den Mut zu haben, einen Schritt zurückzutreten. Auch gehe es darum, auf jede Form von Gewalt zu verzichten. Pasolini fügte an, dass es wichtig sei, der Versuchung der Rache und der Übervorteilung nicht nachzugeben. Und ein weiterer wichtiger Punkt bestehe darin, den Dialog selbst dann zu wählen, wenn die Umstände ihn unmöglich erscheinen lassen.
Die Wiederentdeckung der „Sünde“
Ein zentraler Punkt der Predigt war die Rückbesinnung auf den Begriff der Sünde. Pasolini kritisierte, dass dieser Begriff aus dem modernen Bewusstsein und teilweise sogar aus der Kirche verschwunden sei. „Heute wird oft alles nur noch als Zerbrechlichkeit, Wunde oder Konditionierung erklärt“, so der Prediger.
Wenn der Begriff der Sünde jedoch verschwinde, gehe auch die Vorstellung von der Größe der menschlichen Freiheit verloren. „Wenn es die Möglichkeit des wirklich Bösen nicht mehr gibt, können wir auch nicht mehr an die Möglichkeit eines echten Guten glauben. Wenn die Sünde verschwindet, wird auch die Heiligkeit zu einem abstrakten Schicksal.“ Erst in der Anerkennung der eigenen Freiheit – und damit der Fähigkeit zu zerstören – erkenne der Mensch die Notwendigkeit einer tiefen Heilung und Umkehr.
Demut als „Wahrheit über sich selbst“
Pater Pasolini zeichnete den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag die Kirche in diesem Jahr begeht, als Vorbild für ein Leben in Demut. Demut sei keine Form der Selbsterniedrigung, sondern eine „Art, die Welt und Beziehungen zu gestalten“. Sie rücke das „aufgeblähte Bild, das wir von uns selbst haben“, zurecht und stelle die Wahrheit wieder her.
„Die Demut macht den Menschen nicht ärmer: Sie gibt ihn sich selbst zurück. Sie macht ihn nicht kleiner: Sie gibt ihm seine wahre Größe zurück“, betonte Pasolini. Der Sündenfall sei letztlich eine Verweigerung der Demut gewesen – der Versuch, die eigene Endlichkeit und Abhängigkeit von Gott nicht zu akzeptieren.
Das Gesicht des „neuen Menschen“
Die Größe des Menschen führe paradoxerweise über seine Kleinheit. Wie Franz von Assisi, der sich den Kleinsten zuwandte, könne der Christ erkennen, dass dies der „privilegierte Ort“ Gottes sei. Diese Form der Zerbrechlichkeit wecke die Barmherzigkeit, die laut Pasolini „vielleicht die wertvollste Energie der Welt“ ist.
Der Prediger schloss seine erste Meditation mit dem Hinweis, dass Umkehr kein einmaliges Ereignis, sondern ein lebenslanger Prozess sei. Gerade in Konflikten stelle sich heraus, ob das Evangelium des Kreuzes wirklich verstanden wurde: „Das Licht zeigt seine Kraft nicht, wenn alles klar ist, sondern wenn die Finsternis regiert.“
(vatican news)
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