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Sr. Anneliese Herzig, promovierte Theologin und Bereichsleiterin „Mission und Soziales“ der Österreichischen Ordenskonferenz Sr. Anneliese Herzig, promovierte Theologin und Bereichsleiterin „Mission und Soziales“ der Österreichischen Ordenskonferenz 

Vatikan: Kirche verstärkt Druck auf Bergbausektor

Im Presseamt des Heiligen Stuhls wurde an diesem Freitag, 20. März, eine neue Plattform vorgestellt, die kirchliche Institutionen weltweit dazu bewegen soll, ihre Investitionen aus Bergbauunternehmen abzuziehen. Die Botschaft der Initiatoren ist unmissverständlich: Wer das Evangelium verkündet, darf nicht gleichzeitig von Projekten profitieren, die „Projekte des Todes“ sind.

Mario Galgano und Charlotte Forst  - Vatikanstadt

Sr. Anneliese Herzig, Bereichsleiterin „Mission und Soziales“ der Österreichischen Ordenskonferenz, sieht in diesem Desinvestment eine notwendige Konsequenz aus der täglichen pastoralen Arbeit. „Ich denke, dass viele Ordensleute, Priester und Laien in vielen Ländern der Erde den Menschen nahe sind, die massiv unter verschiedensten Formen von Bergbau leiden“, erklärte Herzig im Interview mit Radio Vatikan am Rande der Pressekonferenz im Vatikan. Aus dieser Erfahrung der Nähe und Solidarität heraus müsse nun auch im finanziellen Bereich gehandelt werden.

Goldmine in Süd-Kivu, im Osten des Kongo
Goldmine in Süd-Kivu, im Osten des Kongo

Die österreichische Ordensfrau koordiniert im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unter anderem das Projekt „Gold und Kirche“. Ein Thema, bei dem die Kirche in Österreich inzwischen Fakten geschaffen habe: Die Österreichische Bischofskonferenz habe in Sachen Gold-Investment aufgrund der Aufkläfungsarbeit der Jungschar ihre Richtlinien verschärft. In der Revision von 2024 wurde das Investment in Gold für kirchliche Anleger explizit ausgeschlossen. Der entscheidende Impuls dafür sei der „Blick auf die leidenden Menschen im globalen Süden“ gewesen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen im Goldbergbau arbeiten, so Sr. Anneliese Herzig.

Zum Nachhören - was Sr. Anneliese Herzig sagt

Bischof Ferreira: „Es ist eine Sünde“

Flankiert wird diese Position von Bischof Vicente Ferreira aus Brasilien, Berater des Netzwerks Iglesias y Minería (Kirchen und Bergbau). Er findet gegenüber den vatikanischen Medien noch deutlichere Worte: „Man kann sich nicht an Projekten des Todes beteiligen, das ist Sünde.“ Für ihn ist die neue Plattform ein Werkzeug, um die Verletzungen durch das „extraktivistische Modell“ der multinationalen Konzerne anzuzeigen und das Recht der lokalen Bevölkerung auf Selbstbestimmung zu verteidigen.

Ferreira warnt vor einem System, das ganze Territorien opfert und neue Formen des Kolonialismus schafft. „Wir sind hier mit der Perspektive, ein System anzuprangern, das unseren Planeten tötet“, so der Bischof. Das Desinvestment sei ein „mutiger Schritt“, der zeige, dass die Kirche nicht länger Komplizin bei der Finanzierung von sozio-ökologischen Verbrechen sein wolle.

Vorstellung des Projekts bei der Pressekonferenz im Vatikan
Vorstellung des Projekts bei der Pressekonferenz im Vatikan

Ein notwendiger „Change of Mindset“

Die Grundlage für diesen Kurs bildet die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus. Sr. Anneliese Herzig mahnt einen umfassenden Gesinnungswandel an, der über den reinen Finanzsektor hinausgeht. „Es braucht Mut und Entschiedenheit“, so die promovierte Theologin und Ordensfrau der Missionsschwester vom Heiligsten Erlöser. Man müsse bereit sein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich mit der harten Realität der Menschen in den Abbaugebieten zu konfrontieren.

Dieser Wandel könne auch schmerzhaft sein:

„Wir müssen den Mut haben, auch manches zu ändern, auch wenn es manches schwieriger macht – etwa die Verhandlungen mit Banken. Und ja, vielleicht haben wir dann nicht so einen großen Gewinn, wie wir manchmal gerne hätten.“

Die Stimme der Betroffenen

Die neue Plattform dient auch als ökumenischer Raum, um den „Schrei der Erde und den Schrei der Armen“ hörbar zu machen. Zeugnisse von Betroffenen wie Jolanda Flores, die aus eigener schmerzvoller Erfahrung über die Folgen des Bergbaus berichten, stehen im Zentrum der Initiative. Ziel ist eine „ganzheitliche, gerechte ökologisch-soziale Transformation“.

 

Das Interview mit Sr. Anneliese Herzig führte Charlotte Forst.

(vatican news)

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20. März 2026, 13:49