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Alcide De Gasperi, etwas wie ein "U-Boot" in der Vatikanbibliothek Alcide De Gasperi, etwas wie ein "U-Boot" in der Vatikanbibliothek  

Vatikanische Bibliothek beleuchtet De Gasperis „Exiljahre“

Der italienische Ministerpräsident und Mit-Gründervater der EU Alcide De Gasperi arbeitete 15 Jahre seines Lebens bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in der Vatikan-Bibliothek. Die Beschäftigung im Papststaat schützte ihn vor dem Zugriff der faschistischen Politik und bereitete ihn für seine spätere Laufbahn vor. Am Donnerstag beleuchtet ein Symposion in der Vatikan-Bibliothek diese prägende Zeit im Leben De Gasperis.

An dem Studientag mit dem Titel „Ein Staatsmann im Exil zwischen Isolation und Prophetie“ nimmt auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin teil. Im Mittelpunkt stehen die vatikanischen Jahre De Gasperis, der 1929, aus faschistischer Haft entlassen, eine Stelle in der Bibliothek des Papstes antrat. „Von seinem 48. Lebensjahr bis über 60 lebte er faktisch im Exil oder zumindest unter strenger Beobachtung des Regimes, arbeitete aber unermüdlich für die Vatikanische Bibliothek“, erklärt der Organisator des Symposions, Antonio Manfredi.

Im Umfeld der Bibliothek fand der Politiker Unterstützung bei Persönlichkeiten wie dem damaligen Präfekten Kardinal Giovanni Mercati sowie dem späteren Kardinal Eugène Tisserant. Die Konferenz will zugleich neue Forschungsperspektiven aufzeigen. Manfredi betont, man verfüge heute über ein „besseres Verständnis der damaligen Vatikanischen Bibliothek“, die zu den bedeutendsten Studienorten Europas gezählt habe – ein Ort, der stärker europäisch als italienisch geprägt und weitgehend frei von politischen Einflüssen gewesen sei.

Hier zum Hören:

Zwischen den Kriegen

Die Tagung ist in zwei thematische Blöcke gegliedert. Der erste Teil bietet einen Überblick über De Gasperis Lebensweg zwischen den beiden Weltkriegen sowie über die Rolle der Vatikanischen Bibliothek in dieser Zeit. Im Fokus stehen Vorträge wie „De Gasperi zwischen den beiden Kriegen: Die Vatikanische Bibliothek als Exil?“ von Agostino Giovagnoli oder „Die Vatikanische Bibliothek zu De Gasperis Zeiten“ von Paolo Vian.

Blick ins Programm
Blick ins Programm

Manfredi erinnert daran, dass die Bibliothek im Pontifikat von Pius XI., der selbst in früheren Jahren Bibliothekspräfekt gewesen war, auch als Zufluchtsort für Intellektuelle diente, die von totalitären Regimen ausgegrenzt wurden. Für viele sei sie ein „Transitpunkt“ gewesen, an dem wissenschaftliche Arbeit und geistiges Leben weiter möglich blieben.

Dokumente und Freundschaften

Der zweite Teil des Studientages widmet sich konkreten Quellen und neuen Perspektiven. Ausgangspunkt ist eine Ausstellung mit Materialien aus den Beständen der Bibliothek, kuratiert von der Leiterin der Handschriftenabteilung Claudia Montuschi. Präsentiert werden sowohl Dokumente zu De Gasperis Tätigkeit im Vatikan als auch Zeugnisse aus seinem Privatleben.

Thematisch stehen dabei seine persönlichen Netzwerke, seine Tagebücher sowie seine private Büchersammlung im Mittelpunkt. Zu den Beiträgen zählen unter anderem „Freundschaften in der Bibliothek. Giordani und De Gasperi während der Jahre in der Vatikanischen Bibliothek“ von Alberto Lo Presti, „Die Vatikanische Bibliothek in De Gasperis persönlichem Tagebuch“ von Marialuisa Sergio, Präsidentin der historischen Kommission für den Seligsprechungsprozess De Gasperis, sowie „Aus der persönlichen Bibliothek eines Nicht-Bibliothekars“ von Ugo Pistoia. Den Abschluss der Veranstaltung bildet ein Beitrag des Präfekten der Vatikanischen Bibliothek Mauro Mantovani.

(vatican news - gs)

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24. März 2026, 14:57