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Papst Leo XIV. und seine 1. Enzyklika „Magnifica humanitas“ im Rampenlicht Papst Leo XIV. und seine 1. Enzyklika „Magnifica humanitas“ im Rampenlicht  (@Vatican Media)

Enzyklika: „Betrachtung darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein"

„Magnifica humanitas“ – „großartige Menschheit“ – heißt die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., mit der er seine Ankündigung wahrmacht, die aktuellen Fragen der Menschheit mit einer sozialen Brille zu durchleuchten. Besonders bedeutsam sind für ihn dabei eigener Aussage zufolge die Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz mit Blick auf die Verteidigung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit und der Arbeit. Wir sprachen mit Kurienbischof Paul Tighe.

Der Sekretär im Dikasterium für Kultur und Bildung hat sich von Vatikanseite schon in einem sehr frühen Stadium mit den Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf die Menschheit befasst. Für ihn stellt die Veröffentlichung der Enzyklika Magnifica humanitas einen „sehr wichtigen Tag für die Kirche dar“:

„Es ist wirklich eine außergewöhnliche, tiefgründige Betrachtung darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein, und was es der menschlichen Gesellschaft ermöglicht, im Zeitalter der KI zu gedeihen - im Licht der katholischen Tradition der Soziallehre. Das heißt, dass wir als Einzelne gedeihen und unser Wohlbefinden bewahren können müssen. Wir müssen gesund und in Gemeinschaft miteinander leben, wir müssen sicherstellen, dass diese Gemeinschaften wirklich inklusiv sind, insbesondere aufmerksam gegenüber den Schwachen und Armen, und wir müssen im Einklang mit unserer natürlichen Umwelt leben.“

Hier zum Nachhören

Tradition der Soziallehre für neue Herausforderungen

Im Zeitalter der KI gebe es dabei besondere Chancen und Herausforderungen:

„Der Papst lädt uns ein, sicherzustellen, dass diese wunderbare neue Technologie uns tatsächlich dient, uns als Menschen besser macht und uns hilft, als Einzelne zu gedeihen; dass wir Versuchungen wie Abhängigkeit vermeiden und nicht das Gefühl für echte Freundschaft verlieren“

„Der Papst lädt uns ein, sicherzustellen, dass diese wunderbare neue Technologie uns tatsächlich dient, uns als Menschen besser macht und uns hilft, als Einzelne zu gedeihen; dass wir Versuchungen wie Abhängigkeit vermeiden und nicht das Gefühl für echte Freundschaft verlieren; dass wir aber auch als Gemeinschaften gedeihen und dabei Polarisierung und den Mangel an Wahrheit überwinden, welche so viel in unserem Leben vergiften; und dass wir als Menschen in einer Umwelt leben, die inklusiv ist und die oft nicht mit dem nötigen Respekt behandelt wird.“

KI entwaffnen

Es gehe letztlich auch darum, am Aufbau einer Gesellschaft mitzuwirken, in der Frieden geachtet werde:

„Ein schönes Bild, das der Papst verwendet, ist das der Entwaffnung – in einer Zeit, in der Menschen KI bewaffnen, um sie für ihre eigenen politischen Vorteile, ihre kommerziellen Interessen oder für Kriegsführung zu nutzen. Der Papst fordert uns auf, KI zu entwaffnen, sie in den Dienst der Menschheit zu stellen und sie zu etwas zu machen, das für uns alle von Nutzen ist. Und er möchte, dass dies ein Dialog wird, eine Diskussion, die wirklich alle Menschen unserer Welt einschließt, damit wir unsere Menschlichkeit gemeinsam aufbauen, einander wirklich zuhören und nicht einfach nur von oben herab entscheiden.“

„Der Papst fordert uns auf, KI zu entwaffnen, sie in den Dienst der Menschheit zu stellen und sie zu etwas zu machen, das für uns alle von Nutzen ist“

Rerum novarum 2.0

In Deutschland wurde die Enzyklika im Rahmen einer Pressekonferenz durch den DBK-Vorsitzenden Heiner Wilmer und die Professorin Ursula Nothelle-Wildfeuer vom Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre an der Albert-Ludwig-Universität in Freiburg vorgestellt. Sie sagte uns im Anschluss, dass die Enzyklika schon mit ihrem Titel „Magnifica humanitas“ („Großartige Menschheit“) ein klares Statement setze.

„Der Papst entwickelt kein Untergangsszenario, sondern spricht quasi als Vorzeichen vor der ganzen Klammer von der großartigen Menschheit. Und diese ,Großartigkeit‘ basiert auf der Würde eines jeden Menschen“, so die Professorin.

„Der Papst entwickelt kein Untergangsszenario, sondern spricht quasi als Vorzeichen vor der ganzen Klammer von der großartigen Menschheit. Und diese ,Großartigkeit‘ basiert auf der Würde eines jeden Menschen“

Mit dieser Enzyklika löse der Papst letztlich Versprechen ein, das er mit seiner Namenswahl gegeben habe, erinnert sie:

„Er bezieht sich damit auf Leo XIII., der mit seiner Sozialenzyklika Rerum Novarum reagiert hat auf die Industrialisierung und die damit verbundene Arbeiterfrage. Leo XIV. sieht das, was derzeit an Umbrüchen und Transformationsprozessen durch die KI initiiert ist, als einen vergleichbaren Prozess historischen Ausmaßes an und möchte mit seiner Enzyklika darauf reagieren. Wir könnten also durchaus von Rerum Novarum 2.0 sprechen…“

„Die Enzyklika erreicht ihren Höhepunkt in den Aussagen zu Krieg und KI-gestützten Waffen“

In seinem ersten großen Lehrschreiben formuliere der Papst angesichts des rapiden Vormarsches von Künstlicher Intelligenz in allen Lebensbereichen ausführlich, wie das Verhältnis von Mensch und Technik zu bestimmen sei, so Nothelle-Wildfeuer weiter.

„Er sieht die Technik nicht als etwas Übles an, als etwas dem Menschen Schädliches, sondern er würdigt sie als Ausdruck menschlicher Kreativität, sagt aber auch: sie ist nicht neutral. Sie trägt die Züge derer, die sie entwerfen, finanzieren und nutzen.“

„Er sieht die Technik nicht als etwas Übles an, als etwas dem Menschen Schädliches, sondern er würdigt sie als Ausdruck menschlicher Kreativität, sagt aber auch: sie ist nicht neutral. Sie trägt die Züge derer, die sie entwerfen, finanzieren und nutzen“

Die in der aktuellen Enzyklika weiterentwickelte Soziallehre wende er auf die Felder Wahrheit, also Demokratie, Arbeit und Freiheit an, würdigt die Theologin:

„Die Enzyklika erreicht ihren Höhepunkt in den Aussagen zu Krieg und KI-gestützten Waffen. Es existiert kein Algorithmus, der Krieg moralisch akzeptabel machen könnte, lautet eine zentrale Botschaft in diesen Ausführungen. Dem setzt er einen positiven Entwurf gegenüber: Die Zivilisation der Liebe, was keinen naiven Traum, sondern ein anspruchsvolles Projekt aus Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und Dialog meint.“

(vatican news - cs)

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25. Mai 2026, 15:05