Heiliger Stuhl und Kap Verde feiern Diplomatie-Jubiläum
Mario Galgano - Vatikanstadt
In einer feierlichen Konferenz betonte er, dass diese Verbindung weit über formale Protokolle hinausgehe und tief in der Geschichte und Kultur der Inseln verwurzelt sei.
Die Wiege der katholischen Identität in Westafrika
Die Rolle der katholischen Kirche in Kap Verde ist einzigartig, da sie nicht erst mit der Unabhängigkeit im Jahr 1975 begann, sondern den Kern der nationalen Identität bildet. Bereits im Jahr 1462, als die Besiedlung der Inseln einsetzte, waren katholische Missionare vor Ort. Die Gründung der Diözese Santiago de Cabo Verde im Jahr 1533 markiert einen kirchengeschichtlichen Meilenstein: Sie war das erste Bistum in Subsahara-Afrika.
Die Kirche war in dieser Zeit weit mehr als eine religiöse Institution. Sie fungierte als tragende Säule der sozialen Organisation. Durch den Bau von Krankenhäusern, Schulen und Seminaren legte sie das Fundament für das Bildungswesen und die Verwaltung des Landes. Historiker weisen darauf hin, dass die Alphabetisierung durch religiöse Orden der entscheidende Faktor für die Konsolidierung der kapverdischen Identität, der sogenannten „Caboverdianidade“, war. Werte des Evangeliums flossen in die Musik, die Architektur und das soziale Gefüge ein und machten den Katholizismus zu einem unverzichtbaren Teil des kulturellen Erbes.
Diplomatie im Dienst der Befreiung
Erzbischof Gallagher erinnerte in seiner Ansprache an einen mutigen diplomatischen Akt, der den Weg zur Souveränität Kap Verdes ebnete. Bereits vor der Unabhängigkeit - im Jahr 1970 - empfing Papst Paul VI. führende Unabhängigkeitskämpfer wie Amílcar Cabral im Vatikan. Dieses Treffen schenkte der afrikanischen Befreiungsbewegung eine internationale Sichtbarkeit, die laut Cabral „mehr zählte als jede Waffe“. Obwohl dieser Schritt vorübergehend zu Spannungen mit der damaligen Kolonialmacht Portugal führte, bewies er das Engagement des Heiligen Stuhls für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Menschenrechte.
Eine Partnerschaft für die Zukunft
Heute stützen sich die Beziehungen auf ein solides rechtliches Fundament, insbesondere durch das Abkommen zwischen beiden Staaten, das seit 2014 in Kraft ist. Ein aktuell verabschiedetes Protokoll zur Anwendung dieses Abkommens soll sicherstellen, dass die Kirche ihre sozialen Aufgaben in den Bereichen Gesundheit und Bildung zum Wohle aller Bürger noch effektiver wahrnehmen kann. Dabei geht es nicht um die Erlangung von Privilegien, sondern um die Gewährleistung religiöser Freiheit und subsidiärer Unterstützung für die Schwächsten der Gesellschaft.
Die Agenda der Zusammenarbeit ist umfangreich. Sowohl der Heilige Stuhl als auch Kap Verde setzen sich auf internationaler Ebene für den Multilateralismus, den Klimaschutz und die Verteidigung des Lebens ein. Angesichts globaler Krisen wie bewaffneter Konflikte, illegaler Migration und der rasanten technologischen Entwicklung mahnte Gallagher eine „Diplomatie der Hoffnung“ an.
Besonderes Augenmerk gilt dabei der großen kapverdischen Diaspora. Die Kirche versteht sich hierbei als Brücke, die die Bürger in der Fremde mit ihrer Heimat verbindet. Der Glaube fungiert als einigendes Band, das die Identität der Migranten stärkt und ihnen in der Ferne eine geistige Heimat bietet.
Zum Abschluss seiner Reise ermutigte der Erzbischof das kapverdische Volk und seine Führung, den Weg der demokratischen Stabilität und der solidarischen Gemeinschaft fortzusetzen. In einer Welt, die oft von Machtgier und Gewalt gezeichnet ist, bleibe das Beispiel Kap Verdes und seine enge Verbindung zum Heiligen Stuhl ein Zeugnis dafür, dass ein Dialog auf Augenhöhe und eine Politik der Geschwisterlichkeit möglich sind.
(vatican news)
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