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Bei der Synode zum Thema Synodalität, Teil 2, im Oktober 2024 im Vatikan Bei der Synode zum Thema Synodalität, Teil 2, im Oktober 2024 im Vatikan  (VATICAN MEDIA Divisione Foto)

Vatikan veröffentlicht zwei weitere Synoden-Gruppen-Berichte

Es handelt sich um die Ergebnisse weiterer Studiengruppen, die aus der Weltbischofssynode unter dem Motto „Für eine synodale Kirche. Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“ hervorgegangen sind - konkret um Berichte zum Thema Bischofswahlen sowie zum Umgang mit neuen dogmatischen, pastoralen und ethischen Fragen. Beide Themen „berühren den Kern kirchlichen Lebens“, betonte Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Synode, zur Veröffentlichung diesen Dienstag.

Beide Themenfelder waren im Prozess der Weltsynode von Studiengruppen bearbeitet worden. Die Studiengruppe 7 („Einige Aspekte der Person und des Dienstes des Bischofs“) befasste sich mit dem Dienst des Bischofs aus synodaler und missionarischer Perspektive. Insbesondere ging es dabei um Kriterien für die Bischofswahl, die richterliche Funktion des Bischofs und die Art und Durchführung von Ad-limina-Besuchen. Das Synodensekretariat veröffentlichte an diesem Dienstag (5. Mai 2026) den ersten Teil dieses Berichtes der Bischofs-Studiengruppe, in dem es um die Kriterien für die Auswahl von Bischofskandidaten geht.

Ebenfalls veröffentlicht wurde an diesem Dienstag der Abschlussbericht der Studiengruppe 9 („Theologische Kriterien und synodale Methoden zur gemeinsamen Beurteilung neuer dogmatischer, pastoraler und ethischer Fragen“), die sich über den Umgang der Kirche mit herausfordernden Themen Gedanken machte.

„Beide Berichte berühren den Kern des kirchlichen Lebens.“

Beide Berichte „berühren den Kern des kirchlichen Lebens“, zitiert die Pressemeldung Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der Synode. „Der erste erinnert uns daran, dass die Bischofswahl ein Moment echter Unterscheidung für die christliche Gemeinschaft ist: Es gibt keinen Hirten ohne Herde und keine Herde ohne Hirten. Der zweite bietet uns konkrete Instrumente, um die schwierigsten Fragen anzugehen, ohne vor der Komplexität zurückzuschrecken: den Betroffenen zuzuhören, die Realität zu deuten und Wissen zusammenzuführen. Es ist die synodale Methode, angewendet auf die anspruchsvollsten Situationen“, so der Generalsekretär der Synode.

Hier zum Nachhören

Abschlussbericht der Studiengruppe 7 (erster Teil) 

Der erste Teil des Abschlussberichts der Studiengruppe Nr. 7 zur Bischofswahl befasst sich mit der Auswahl von Kandidaten für das Bischofsamt als einem Moment authentischer kirchlicher Unterscheidung, geleitet vom Heiligen Geist in einer Atmosphäre des Gebets und des Zuhörens. Beteiligt sind die Ortskirche mit ihrem Bischof, die Bischöfe der Kirchenprovinz oder Bischofskonferenz sowie der Apostolische Nuntius – von dem die Gruppe hofft, dass er ein synodales und missionarisches Profil besitzt, damit er dieses wiederum unter den potenziellen Bischofskandidaten sucht.

Das Dokument schlägt vor, dass jede Diözese regelmäßig Prozesse zur Klärung ihres Status und ihrer Bedürfnisse einleitet. Im Vorfeld der Bischofsnachfolge beruft der Bischof den Priesterrat und den Diözesanpastoralrat ein. Deren Mitglieder äußern gemeinsam ihre Meinung zu den Bedürfnissen der Diözese und übermitteln dem Bischof – in einem versiegelten Umschlag – die Namen der Priester, die sie für das Bischofsamt als geeignet erachten. Soweit möglich, werden auch das Domkapitel, der Wirtschaftsrat, die Laienberatung sowie Vertreter der Ordensleute, der Jugend und der Armen konsultiert.

Zu den geforderten Eigenschaften der Kandidaten zählt die Gruppe die „synodalen Fähigkeiten“: die Fähigkeit, Gemeinschaft zu pflegen, Dialog zu führen, profunde Kenntnisse der lokalen Kulturen und die Bereitschaft zur konstruktiven Integration. Der Bericht fordert die Dikasterien der Römischen Kurie außerdem auf, ihre Verfahren stärker synodal zu gestalten, und schlägt regelmäßige unabhängige Evaluierungen der Auswahlverfahren vor.

Die Gruppe setzt unterdessen ihre Überlegungen zu den ihr zugewiesenen Themen fort: die richterliche Funktion des Bischofs, Ad-limina-Besuche und die Ausbildung von Bischöfen. Der Bericht zu diesen Themen steht also noch aus.

Abschlussbericht der Studiengruppe 9

Der Abschlussbericht der Studiengruppe Nr. 9 schlägt einen Paradigmenwechsel im Umgang der Kirche mit den schwierigsten dogmatischen, pastoralen und ethischen Fragen vor. Ausgangspunkt ist ein biblisches Beispiel: die Kapitel 10–15 der Apostelgeschichte, die zeigen, wie kulturelle Vielfalt wertgeschätzt werden kann, ohne die Neuheit des Evangeliums zu verleugnen.

Eine erste wichtige Entscheidung betrifft die Sprache: Die Gruppe sprach lieber von „aufkommenden“ als von „kontroversen“ Themen, da es nicht darum geht, ein Problem zu lösen, sondern durch Beziehungsarbeit, gemeinsames Lernen und Transparenz das Gemeinwohl zu fördern.

„Um aufkommende Themen konkret anzugehen, schlägt die Gruppe drei methodische Schritte vor: Selbstreflexion, Wahrnehmung der Realität und Wissenszusammenführung. Das Gespräch im Heiligen Geist bleibt das wichtigste Instrument zur Entwicklung einer kirchlichen Kultur der Synodalität“

Das Dokument führt das „Prinzip der Pastoralität“ ein: Es gibt keine Verkündigung des Evangeliums ohne die Übernahme von Verantwortung für den Gesprächspartner, in dem der Heilige Geist bereits wirkt. Um aufkommende Themen konkret anzugehen, schlägt die Gruppe drei methodische Schritte vor: Selbstreflexion, Wahrnehmung der Realität und Wissenszusammenführung. Das Gespräch im Heiligen Geist bleibt das wichtigste Instrument zur Entwicklung einer kirchlichen Kultur der Synodalität.

Im dritten Teil des Berichts wendet die Gruppe diese Methode konkret auf zwei Themen an, die aktuell im Leben der Ortsgemeinden relevant sind und gerade wegen ihrer Vielfalt ausgewählt wurden: die Erfahrungen homosexueller Gläubiger und die Erfahrungen aktiver Gewaltlosigkeit – wie sie beispielsweise in einer Bewegung junger Serben zu sehen sind, die, inspiriert von den frühen Christen, zum friedlichen Sturz Miloševićs beitrugen. In beiden Fällen gibt die Gruppe keine endgültigen Stellungnahmen ab, sondern schlägt – ausgehend vom direkten Anhören konkreter Zeugnisse – Wege für ethisch-theologische Unterscheidung und offene Fragen vor, damit jede Gemeinschaft sich „zur Verpflichtung verpflichten kann, das Gute, mit dem Gott in der Geschichte und in den Erfahrungen der Menschen wirkt, zu erkennen und zu fördern“.

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Die Abschlussberichte und eine kurze Zusammenfassung in einigen Sprachen sind auf der Website des Generalsekretariats der Synode verfügbar: www.synod.va

(vatican news)

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05. Mai 2026, 12:07