Teilnehmer der Internationalen Safeguarding Konferenz am dritten Konferenztag, 18. Juni 2026 (Foto: Mirticeli Medeiros, Institute of Anthropology IADC).  Teilnehmer der Internationalen Safeguarding Konferenz am dritten Konferenztag, 18. Juni 2026 (Foto: Mirticeli Medeiros, Institute of Anthropology IADC).  

Safeguarding international: Kein Patentrezept

Ein Anliegen, viele Kontexte – Fokus der diesjährigen internationalen IADC-Safeguarding-Konferenz an der Päpstlichen Universität Gregoriana ist die Frage, wie der Schutz von verletzlichen Personen in verschiedenen Kulturkreisen und über Kulturen hinweg gestärkt werden kann. „Es gibt kein Rezept, das überall passt“, sagte uns der Organisator der Konferenz, P. Hans Zollner.


Anne Preckel - Vatikanstadt

„One commitment, many contexts: Safeguarding across cultures“ lautete der Titel der diesjährigen IADC-Safeguarding-Konferenz, die an diesem Freitag in Rom zu Ende geht. Hintergrund sei die Erkenntnis gewesen, dass Schutzkonzepte, die im Westen funktionieren, sich kaum eins zu eins übersetzen lassen, so Zollner am Rande der Konferenz im Interview mit Radio Vatikan. Jede Kultur habe eigene Zugänge und Ansätze, um eine Kultur des Schutzes zu fördern und Prävention umzusetzen.

International wie nie

„Also ein Wort, das ich hier immer wieder gehört habe, war: There is no one size fits all. Es gibt keine universal anwendbare Richtlinie für Safeguarding. Das haben hier sehr viele Vortragende auch so stark formuliert“, berichtet Zollner. Mit 300 registrierten Gäste plus Online-Teilnehmern aus 69 Ländern sei die Konferenz so international gewesen wie nie. Für Zollner, der seit vielen Jahren Safeguarding im internationalen Kontext fördert, ist das Zeichen einer positiven Entwicklung.

Pater Hans Zollner bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
Pater Hans Zollner bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
IADC-Direktor Zollner über Safeguarding international (Interview: A. Preckel, Vatican News)

„Das freut uns sehr. Das zeigt aber auch, dass eine wichtige Entwicklung in der katholischen Kirche stattgefunden hat in den letzten 15 Jahren. Auch in der Gesellschaft insgesamt, weltweit, in mehr und mehr Ländern wird das Thema aktiv angesprochen. Die Sensibilität ist offensichtlich sehr gewachsen. Die Sprachfähigkeit ist da. Und wir haben auch mehr und mehr Leute mit verschiedenen akademischen oder professionellen Hintergründen, die sich zu diesem Thema intensiv auseinandergesetzt haben.“

Kein Patentrezept 

Dass es kein Patentrezept für Safeguarding gibt, das in allen Kontexten passt, wird im internationalen Safeguarding-Kontext immer wieder deutlich. Da kann es etwa passieren, dass europäische Schutzkonzepte in Afrika oder Asien schnell an ihre Grenzen stoßen. Was in der westlichen Welt mit Transparenz, Rechenschaftspflicht oder der Übernahme von Verantwortung verbunden werde, sei in anderen Kulturen nicht unbedingt dasselbe, so Zollner. Und er nennt ein Beispiel von der diesjährigen Konferenz.

Bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
Bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)

Eine vortragende Fachfrau aus Afrika sei gefragt worden, warum sie so wenig von den allgemeinen Menschenrechten oder der UNO-Kinderrechtskonvention gesprochen habe. Sie habe geantwortet: „Wenn ich die allgemeine Definition der Menschenrechte in meinem afrikanischen Kontext anspreche, sagen die Leute sofort, das ist heidnisch und hat mit unseren Überzeugungen nicht viel zu tun. Das klingt wie ein fremder Rechtstext, der für mein Leben, meine Vorstellung oder Motivation keine große Bedeutung hat...“

Der Lerneffekt solcher kleinen „clashes of cultures“ ist beidseitig. Deshalb hat das IADC-Institut ihn auch zur Methode gemacht. „Diesen Transformationsprozess wollen wir befördern“, sagt Zollner. „Das ist für unser Institut für Anthropologie der Gregoriana schon immer eine zentrale Aufgabe gewesen, an einer Uni, an der 140 Nationen unter den Studierenden vertreten sind und wo wir auch unsere Doktorandinnen und Doktoranden anhalten, dass sie die spezifischen Risiko- oder Schutzfaktoren einer bestimmten Kultur genauer untersuchen.“

Bei der Internationalen Safeguarding-Konferenz gab es neben täglichen Impuls- und Fach-Vorträgen interkulturelle und interdisziplinäre Arbeitsgruppen. Dabei ging es um Vielfalt und Praxisnähe, so Zollner. Man habe Menschen, die in der Praxis arbeiten, bewusst mit Forschenden zusammengespannt. Das sei „sehr gut gelungen“ und auch gut angekommen: „Die Leute sind sehr froh, dass die Praxisvertreterinnen und -Vertreter und die Forschenden miteinander ins Gespräch kommen.“

Bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
Bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)

Interessante Transfers

Wo verschiedene Kulturen Safeguarding aus ihrer Sicht beleuchten, gab es auch Gelegenheit für interessante Transfers. Die kongolesische Theologin Sr. Josée Ngalula, Mitglied der Internationalen Theologenkommission, verdeutlichte in ihrem Vortrag zum Beispiel, wie die in afrikanischen Kulturen beliebten Sprichwörter dabei helfen können, westliche Konzepte von Safeguarding in Symbole, Geschichten und Wirkungszusammenhänge zu übersetzen. Der koreanische Jesuit Kang-Yup Benedict Jung stellt die Frage, wie die ostasiatische Ethik des Konfuzianismus Safeguarding befördern kann.

Letztendlich gehe es darum, in verschiedenen Kulturen das zu erkennen und zu fördern, was eine Kultur des Schutzes und der Sorge aufbauen kann, und zugleich das zu begrenzen, was zu Missbrauch führen kann, verdeutlicht der Jesuit. Kulturelle Resistenzen gebe es nach wie vor, so der IADC-Direktor, doch gerade in Weltregionen wie Afrika und Indien habe sich in jüngerer Zeit einiges getan, vor allem im Wirkungsbereich katholischer Ordensfrauen:

„Das Niveau der Sprachfähigkeit, die Kompetenzen, die für diese Fragen eingesetzt werden, der Wille, das auch in die kirchliche Öffentlichkeit zu tragen, ist so sehr gewachsen, dass ich wirklich sagen kann, das ist wie Tag und Nacht im Vergleich zu fünf oder zehn Jahren. Also sowas ist schon sehr beeindruckend und macht mir wirklich Hoffnung, dass der Prozess weitergeht. Es gibt keine magischen Lösungen, aber wir wollen gemeinsam an dieser Sache weiterarbeiten und gemeinsam lernen.“

Kardinal Tagle bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
Kardinal Tagle bei der Konferenz (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)

Forschung in Tabuzonen

Ein Eröffnungswort zur diesjährigen Internationalen Safeguarding-Konferenz „One Commitment, Many Contexts: Safeguarding Across Cultures“ sprach am Dienstag der Pro-Präfekt des Dikasteriums für Evangelisierung, Kardinal Luis Antonio Gokim Tagle. Neben internationalen Fachkräften und Forschenden im Bereich Safeguarding und Kinderschutz nahmen an der Konferenz (16.-19. Juni) auch Aktivisten und Überlebende teil. So war etwa eine Delegation der Initiative „Ending Clergy Abuse“ dabei. Sie hatte sich in dieser Woche auch erstmals persönlich strukturiert mit der Päpstlichen Kinderschutzkommission zusammengesetzt (15.-16. Juni), mit der sie künftig kooperieren will.

Fr. Fabio Favata bei seinem Vortrag (Bild: Mirticeli Medeiros, IADC)
Fr. Fabio Favata bei seinem Vortrag (Bild: Mirticeli Medeiros, IADC)

Im Rahmen der Konferenz wurden auch Forschungsarbeiten aus Kulturkontexten vorgestellt, wo Fragen der Sexualität und des Missbrauchs besonders stark tabubesetzt sind. Der seit langer Zeit in China wirkende italienische Missionar Fr. Fabio Favata berichtete zum Beispiel über seine Studie zu mentaler und psychosozialer Gesundheit in chinesischen Priesterseminaren.

Fr. Fabio Favata stellt Ergebnisse seiner Forschung in China vor (Interview: A. Preckel, Vatican News)
Fr. Richard Dass (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)
Fr. Richard Dass (Foto: Mirticeli Medeiros, IADC)

Der indische Ordensmann Richard Dass erläuterte Ergebnisse seiner Forschungsarbeit über den Missbrauch von Männern in indischen Priesterseminaren.

Fr. Richard Dass aus Indien stellt seine Forschung vor (Interview: A. Preckel, Vatican News)

Hier ein Überblick über das Programm der viertägigen Konferenz.

(vatican news – pr)

 


 

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19. Juni 2026, 09:16