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Touristen in Verona Touristen in Verona  (ANSA)

Botschaft zum Welttag des Tourismus: Algorithmus vs. Staunen

Die fortschreitende Digitalisierung und der Einzug der künstlichen Intelligenz stehen im Mittelpunkt des kommenden Welttags des Tourismus am 27. September 2026. Das Dikasterium für die Evangelisierung hat hierzu eine Botschaft herausgegeben, die den technologischen Wandel im Reisesektor nicht bloß als wirtschaftliche oder technische Entwicklung versteht, sondern als eine tiefgreifende kulturelle und anthropologische Herausforderung.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In der von Pro-Präfekt Rino Fisichella unterzeichneten Botschaft wird hervorgehoben, dass Technologie niemals neutral sei. Sie nehme stets das Gesicht derer an, die sie entwickeln, finanzieren und regulieren, so die Botschaft unter Bezug auf Papst Leos Enzyklika Magnifica humanitas. Die Kirche verweigere sich dem digitalen Fortschritt keineswegs, fordere jedoch eine klare ethische Führung, so Fisichella in der Botschaft. Künstliche Intelligenz könne eine wertvolle Verbündete für einen nachhaltigen und barrierefreien Tourismus sein, solange sie ein Werkzeug im Dienst des Menschen bleibe und sich nicht in ein System der Kontrolle oder des Ausschlusses verwandele.

Die unersetzbare Dimension der Begegnung

Das Reisen entspringe einem urmenschlichen Verlangen, den Anderen zu begreifen, neue Horizonte zu entdecken und sich von der Schönheit der Schöpfung berühren zu lassen. Diese spirituelle Dimension und Sehnsucht nach Unendlichkeit lasse sich nicht digitalisieren. Keine noch so fortgeschrittene Technologie könne den ersten analogen Blick auf eine unbekannte Landschaft, den Händedruck zwischen Fremden oder die tiefe Rührung vor einem Kunstwerk oder an einem heiligen Ort ersetzen. Die digitalen Plattformen müssten daher so gestaltet werden, dass sie reale Begegnungen fördern, anstatt das Reisen auf den reinen Konsum virtueller Bilder zu reduzieren.

Gleichzeitig biete die Künstliche Intelligenz bei ethischer Ausrichtung erhebliche Chancen für weltweite Gerechtigkeit. Menschen mit Behinderungen erhalten durch intelligente Systeme Zugang zu Orten, die ihnen bislang verschlossen blieben. Zudem könnten lokale Gemeinschaften in Entwicklungsländern ihre Kultur eigenständig präsentieren, und auch die ökologischen Auswirkungen von Touristenströmen lassen sich präziser steuern. Technik werde so zu einem Instrument der Geschwisterlichkeit, sofern nicht der Profit, sondern das Gemeinwohl die Richtung vorgibt.

Die Gefahren von Überwachung und sozialer Spaltung

Die pastorale Analyse spare jedoch auch die Schattenseiten des digitalen Wandels nicht aus. Wenn der Reisende zum bloßen Datensatz und die Kultur zur optimierten Show verkomme, gehe das Wesentliche verloren. Das Erlebnis verflache auf das, was der Algorithmus als gefällig vorausberechnet, wodurch die Offenheit für das Unerwartete blockiert werde. Das echte Staunen sei jedoch eine Form der Erkenntnis, die den Weg zur Kontemplation erst ebne.

Zudem drohe eine Vertiefung der sozialen Kluft durch die digitale Ausgrenzung jener Regionen und Menschen, die keinen Zugang zu modernen Technologien besitzen. Schließlich berge die massive Sammlung von Verhaltensdaten der Reisenden erhebliche Risiken. Ohne klare internationale und verbindliche Normen drohe eine lückenlose Überwachung, die mit der Würde und Freiheit des Individuums unvereinbar sei.

Der Tourismus müsse eine Schule der Fraternität bleiben. Die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Pastoral seien aufgefordert, wachsam zu bleiben, damit der Mensch in seiner Gesamtheit als freies und beziehungsfähiges Wesen geschützt werde – eine Würde, die kein Algorithmus jemals vollständig erfassen könne.

(vatican news)

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11. Juni 2026, 11:03