Kardinal Czerny: Den Blick heben für den Frieden
Federico Piana - Vatikanstadt
In seiner Ansprache vor den versammelten Bischöfen, Theologen und Jugendlichen zeichnete der Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen ein ernstes Bild der aktuellen Lage. Geopolitische Spaltungen, wirtschaftliche Ungleichheiten, Vertreibungen und die anhaltenden Tragödien der Migration würden die Region vor dringliche Herausforderungen stellen. Besonders die Schwächsten, die unter den sozialen Ungerechtigkeiten sowie den Folgen des Klimawandels leiden, bedürfen laut Czerny der ungeteilten Aufmerksamkeit. Er betonte, dass neue Formen des Ausschlusses heute vor allem die jüngere Generation treffen, deren Bildungs- und Zukunftschancen durch immer komplexere Mobilitätshürden blockiert werden.
Ein entwaffnender Frieden
Das Gipfeltreffen, das von der kirchlichen Koordinierungsstelle für das Mittelmeer organisiert wurde, steht unter dem treffenden Motto „Alzad la mirada“ – „Erhebt eure Augen“. Es greift damit die Leitlinie der apostolischen Reise auf, die Papst Leo XIV. derzeit in Spanien unternimmt. Czerny verwies in seiner Rede auf die Abendmesse in der Sagrada Família, bei der das Kirchenoberhaupt den Christusturm einweihte. Diese höchste Kirchenspitze der berühmten Basilika sei ein Symbol für jenen Frieden, den sich alle so sehr wünschen: ein Frieden, der entwaffnet und entwaffnend wirke. Der Kardinal rief dazu auf, in den Herzen Wege der Achtsamkeit und der Integration zu ebnen, um die Hoffnung in dieser Weltregion nachhaltig zu erneuern.
Mut zu neuen Wegen und der Blick von unten
Für den Kardinal erschöpft sich die Friedensarbeit nicht in der bloßen Analyse bestehender Missstände. Vielmehr brauche es ein neues Paradigma der sozialen Freundschaft und einen konkreten synodalen Prozess. Dieser müsse direkt in den lokalen Realitäten ansetzen, durch gegenseitiges Zuhören und das gemeinsame Erkennen der tatsächlichen Herausforderungen. Nur so lasse sich eine gemeinsame Zukunft für das Mittelmeer gestalten.
Dabei bezog sich der Präfekt auch auf das postsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus und unterstrich, dass echter Wandel niemals von außen aufgezwungen werden könne. Nachhaltige Lösungen entstünden nur dort, wo man den Menschen zuhöre, Kulturen respektiere und alle Akteure einbinde. Was für Amazonien gelte, sei auf das Mittelmeer übertragbar. Trotz aller geografischen Unterschiede drohten auch hier ökologische und gesellschaftliche Katastrophen, wenn eine Erneuerung von unten ausbleibe.
Jugendliche als Protagonisten der Zukunft
Die Konferenz knüpft an eine Reihe von Mittelmeer-Treffen an, die 2020 in Bari begannen und über Florenz und Marseille nun nach Barcelona führten. Czerny hob hervor, wie sehr gerade die Stimmen der Jugendlichen neue Horizonte eröffnen, Freundschaften stiften und konkrete Projekte anstoßen können. Die Jugend wolle keine Klimakatastrophen, keine Kriege und keine Spaltungen. Sie leide unter geschlossenen Grenzen und suche bei den Erwachsenen nach Orientierung für ein besseres Zusammenleben. Die Bischöfe seien bei diesem Prozess keine externen Beobachter, sondern Weggefährte im Dialog. Gemeinsam mit politischen, religiösen und akademischen Akteuren wolle die Jugend einen Beitrag zum Gemeinwohl des gesamten Mittelmeerraums leisten.
(vatican news - mg)
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