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Vatikan-Diplomat Ettore Balestrero Vatikan-Diplomat Ettore Balestrero 

Vatikan warnt vor Entmenschlichung durch Künstliche Intelligenz

Der Vatikan hat vor den ethischen Risiken Künstlicher Intelligenz im Sicherheitsbereich gewarnt. Bei einem interreligiösen Dialog am Institut der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung (UNIDIR) in Genf betonte Erzbischof Ettore Balestrero am Freitag, dass KI dem Schutz der Menschenwürde und dem Frieden dienen müsse.

Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt

Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) im Bereich Sicherheit und Verteidigung wirft nach Ansicht des Heiligen Stuhls dringende ethische Fragen auf. Bei einem interreligiösen Dialog zum Thema „Künstliche Intelligenz, Sicherheit und Ethik“, der vom Institut der Vereinten Nationen für Abrüstungsforschung (UNIDIR) in Genf angestoßen wurde, appellierte Erzbischof Ettore Balestrero, Apostolischer Nuntius und Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, an die internationale Gemeinschaft, KI konsequent am Wohl des Menschen auszurichten.

In seinen Eröffnungsworten würdigte Balestrero die Initiative von UNIDIR-Direktor Robin Geiss als besonders zeitgemäß. Dies gelte nicht nur im Hinblick auf die bevorstehenden internationalen Beratungen zur Regulierung von KI im militärischen Bereich, sondern auch vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Enzyklika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV.

Die Gefahr einer zunehmenden Bewaffnung und Automatisierung von KI-Systemen

Der Vatikan-Diplomat verwies darauf, dass anhaltende Konflikte und globale Spannungen die Menschheit vor neue Herausforderungen stellen. Gerade deshalb sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den ethischen Folgen von KI im Sicherheits- und Rüstungssektor unverzichtbar. Der Heilige Stuhl setze sich seit Jahren „als Vertragspartei mehrerer Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge aktiv für die Wahrung eines menschenzentrierten Ansatzes ein“. Dabei warne er insbesondere vor den Gefahren einer zunehmenden Bewaffnung und Automatisierung von KI-Systemen.

„Befreiung der Technologie von Logiken der Herrschaft, Ausgrenzung und Zerstörung“



Mit Verweis auf Papst Leos erste Enzyklika „Magnifica Humanitas“ zitierte Balestrero dessen Forderung, KI müsse „entwaffnet“ werden. Gemeint sei damit nicht eine Ablehnung technologischen Fortschritts, sondern die „Befreiung der Technologie von Logiken der Herrschaft, Ausgrenzung und Zerstörung.“ Künstliche Intelligenz müsse so gestaltet und eingesetzt werden, dass die Heiligkeit des menschlichen Lebens sowie die unveräußerliche Würde jedes Menschen gewahrt bleibe.

Chancen von KI: Schutz von Zivilisten und Krisenprävention

Der Vatikanvertreter verwies aber auch auf die positiven Potenziale der Technologie. KI könne etwa dazu beitragen, „Zivilisten besser zu schützen, Konfliktregionen effektiver zu unterstützen sowie Frühwarnsysteme und die Reaktion auf Krisen zu verbessern.“ Weitere friedensfördernde Anwendungen seien noch nicht vollständig erforscht.

Dennoch warnte Balestrero vor einer unkritischen Begeisterung für technische Innovationen. Wenn KI von Ethik und Verantwortung abgekoppelt werde, bestehe die Gefahr, dass „Entscheidungen über Leben und Tod schneller und unpersönlicher getroffen“ würden. Zudem könne die Technologie Verantwortlichkeiten verschleiern und eine Denkweise fördern, in der man Gegner lediglich als statistische Größen und Opfer als „Kollateralschäden“ wahrnehme.

Nach Auffassung von Papst Leo XIV, auf den sich der Erzbischof mehrfach bezog, sei die Welt bereits von einem „technokratischen Paradigma“ umgeben, das Effizienz und Macht über menschliche Werte stelle. Die KI-Revolution verstärke diese Entwicklung zusätzlich. Der Wunsch nach vollständiger Kontrolle und der Reduzierung unserer Schwächen könne langfristig „eine menschenfeindliche Anschauung als richtig und normal erscheinen lassen“ (Magnifica Humanitas. 112).

Die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre hochhalten

Wenn die Technologie zum obersten Maßstab werde, laufe der Mensch Gefahr, „auf Daten, ein Rädchen im Getriebe oder eine Ware“ reduziert zu werden, führte Balestrero weiter aus. Der Heilige Stuhl setze dem eine Ethik entgegen, die auf den Grundprinzipien der katholischen Soziallehre basiert: Menschenwürde, Gemeinwohl, universale Bestimmung der Güter, Subsidiarität, Solidarität und Gerechtigkeit. Diese Werte seien entscheidende Maßstäbe, um zu beurteilen, ob technologische Entwicklungen tatsächlich dem Menschen dienten oder ihn beherrschten.

Der Erzbischof unterstrich, dass die Gestaltung einer gerechten digitalen Zukunft nur durch einen umfassenden Dialog gelingen könne. Dazu müssten „diejenigen, die die Systeme entwickeln, und diejenigen, die von ihnen betroffen sind“ ebenso miteinbezogen werden wie „reichere und ärmere Länder, Institutionen und Einzelpersonen, Machtzentren und Peripherien.“ Nur so „werden wir in der Lage sein, eine Zukunft nicht für einige wenige Privilegierte, sondern für die gesamte Menschheitsfamilie zu gestalten“ (Ansprache von Papst Leo XIV. bei der Vorstellung der Enzyklika Magnifica Humanitas, 25. Mai 2026).

Liebe zu Gott und zum Nächsten muss stärker sein als Streben nach Macht

Abschließend richtete der Erzbischof einen besonderen Appell an die Glaubensgemeinschaften. Durch ihr Zeugnis und ihr Engagement seien sie dazu berufen, dafür einzutreten, dass die Liebe zu Gott und zum Nächsten stärker bleibe als das Streben nach Macht und Einfluss. Künstliche Intelligenz dürfe nicht zum Werkzeug egoistischer Interessen werden, sondern müsse dem Menschen und dem Frieden dienen.

Der Friede kommt von Gott

„Wir glauben, dass der Friede von Gott kommt“, erklärte Balestrero. Die Menschheit sei großartig, weil sie Anteil an Gottes Größe habe. Deshalb dürfe man nicht müde werden, auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz für eine Kultur des Respekts gegenüber der Würde jedes einzelnen Menschen einzutreten.

(vaticannews – skr)
 

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15. Juni 2026, 08:37