Vatikan: Restaurierung der Raffael-Loggia
Fünf Jahre Arbeit, über zwanzig beteiligte Restauratoren und rund 1.300 Quadratmeter verzierte Flächen, die wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen sollen. Das Restaurierungsprojekt für den Westflügel der Zweiten Loggia des Apostolischen Palasts, der berühmten Raffael-Loggia, das in den Vatikanischen Museen vorgestellt wurde. Eine Maßnahme, die eines der bedeutendsten Meisterwerke der Renaissance betrifft, das zwischen 1517 und 1519 vom „göttlichen Maler“ und seinen Schülern für Papst Leo X. geschaffen wurde.
Eine Brücke zwischen Antike und Gegenwart
„Raffael widmete die letzten zwölf Jahre seines viel zu kurzen Lebens dem Vatikan und dem Dienst an den Päpsten“, sagt die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, gegenüber Vatican News. Die Loggien stellen zusammen mit den Stanze eines der bedeutendsten künstlerischen Vermächtnisse des Künstlers aus Urbino dar. Doch ihr Wert geht über die Kunstgeschichte hinaus. „Die Loggien vermitteln die Kultur und Zivilisation des antiken Roms in unsere Renaissance und dann über die Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit. Sie sind ein entscheidender Übergangspunkt zwischen Antike und Gegenwart.“
Die Loggia befindet sich im zweiten Stock des Apostolischen Palasts und blickt auf den sogenannten Damasus-Innenhof. Sie ist 65 Meter lang und gliedert sich in dreizehn Joche, die mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, Grotesken und von der klassischen Antike inspirierten Stuckarbeiten verziert sind. Sie ist bis heute Teil der Räumlichkeiten des Staatssekretariats und ein lebendiger Ort, der im Herzen des Lebens des Apostolischen Palasts liegt. „Es sind Räume, die täglich von allen genutzt werden, die im Staatssekretariat arbeiten, vom Papst selbst, der in den oberen Stockwerken wohnt, bis hin zu allen Büros“, erklärt Paolo Violini, Leiter des Labors für die Restaurierung von Gemälden und Holzobjekten der Vatikanischen Museen.
Eine notwendige Maßnahme
Die Restaurierung ist notwendig, um dem Verfall entgegenzuwirken, der in den letzten Jahren einige kritische Stellen offenbart hatte. „Wir haben einige konservatorische Probleme festgestellt, die sich weiter verschlimmern“, so Violini.
Nach Ansicht des Restaurators könnten zu den möglichen Ursachen, Auswirkungen klimatischer Schwankungen gehören. Ebenfalls das besondere Mikroklima des Raumes hat den Zustand beeinflusst. Die zwischen 1813 und 1814 eingebauten Verglasungen haben die Dekorationen zwar vor Witterungseinflüssen geschützt, aber auch den Luftaustausch eingeschränkt und so Staunässe begünstigt. Die Empfindlichkeit mache daher eine gründliche Restaurierung erforderlich.
Modernste Technologie und Forschung
Vor Beginn des Projekts wurde am sechsten Joch ein Pilotprojekt durchgeführt, das sich in zwei Phasen zwischen 2019 und 2024 gliederte. Diese Erfahrung ermöglichte es, die effektivste Methode für die Restaurierung des gesamten Komplexes zu ermitteln.
„Die Untersuchung der Oberfläche hat gezeigt, dass eine Trockenreinigungsmethode erforderlich ist, um die empfindlichen Originalmalereien und ihre vergänglichen Überreste zu erhalten“, erklärt Violini. „Die Lasertechnologie hat diese Anforderung hervorragend erfüllt.“ Nach einer Reihe von Tests entschieden sich die Restauratoren für ein „Aktivfaser“-System, das besonders vielseitig ist und eine präzise Steuerung der Reinigungsvorgänge gewährleistet.
An den Arbeiten werden über zwanzig Restauratoren der Vatikanischen Museen beteiligt sein, und es wird eine Zusammenarbeit mit der Abteilung für Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts, dem Kabinett für wissenschaftliche Forschung und dem Büro des Konservators geben. Ebenfalls werden eine neue Beleuchtungsanlage und Hochleistungsfenster eingebaut, die ultraviolette Strahlen filtern und den Wärmeeintrag reduzieren, zur künftigen Erhaltung der Loggia.
Internationale Philanthropie
Entscheidend für die Umsetzung des Projekts ist der Beitrag der „Patrons of the Arts in the Vatican Museums“, des World Monuments Fund und der Stephen A. Schwarzman Foundation. „Ich wusste, wie schön die Loggia ist und wie sehr ihre Schönheit durch die Zeit und die Witterungseinflüsse getrübt worden war. Als ich gebeten wurde, einen Beitrag zu leisten, habe ich sofort zugesagt“, erklärte der Unternehmer und Philanthrop Stephen Schwarzman.
Das Ziel ist es, künftigen Generationen einen der bedeutendsten Orte des künstlerischen Erbes des Vatikans zurückzugeben. Und die Möglichkeit von Sonderöffnungen für die Öffentlichkeit wird nicht ausgeschlossen: „Wir arbeiten daran“, versichert Barbara Jatta; „Sicherlich für Wissenschaftler und Restaurierungsschulen mit einem wichtigen didaktischen Projekt, um nicht nur einen wunderbaren Ort, sondern auch eine Methodik zu vermitteln, die an anderen Orten nützlich sein und angewendet werden kann. Wir werden Besichtigungen für Fachleute und Wissenschaftler ermöglichen, so wie wir es bei der außerordentlichen Instandhaltung des „Jüngsten Gerichts“ getan haben. Das ist unsere Mission: bewahren und teilen.“
„The Vatican and Beyond“
Das Projekt ist Teil der umfassenderen internationalen Initiative „Legacy of Raphael: The Vatican and Beyond“, die die Restaurierung durch Fortbildungsmaßnahmen, digitale Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit ergänzt. Für die Sanierung der Loggia wurden 5,5 Millionen Dollar bereitgestellt, während das gesamte vom World Monuments Fund und der Stephen A. Schwarzman Foundation geförderte Programm insgesamt 14,275 Millionen Dollar zur Unterstützung der Erhaltung und Weitergabe des Kulturerbes mobilisieren wird.
(vatican media – nm)
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