Suche

Beim Interview mit Radio Vatikan Beim Interview mit Radio Vatikan 

Ordensfrauen berichten vom Treffen mit Königin Camilla

Nach einem Treffen mit Königin Camilla im Clarence House berichten Vertreterinnen der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG), wie katholische Ordensschwestern weltweit weiterhin schutzbedürftige Frauen und Mädchen durch ihren Einsatz gegen Menschenhandel, in Konfliktgebieten und in von den Folgen des Klimawandels betroffenen Gemeinschaften unterstützen.



Linda Bordoni - Vatikanstadt

Weniger als ein Jahr nach ihrer ersten Begegnung während des Staatsbesuchs von König Charles III. und Königin Camilla beim Heiligen Stuhl reisten Vertreterinnen der in Rom ansässigen Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen (UISG) nach London, um die Königin erneut zu treffen. Bei der Begegnung im Clarence House, dem Wohnsitz des Königspaares, berichteten sie von ihrem Dienst an einigen der verletzlichsten Gemeinschaften der Welt.

Königin Camilla beeindruckt von der Arbeit der UISG-Schwestern

Die Audienz am vergangenen Mittwoch bot Gelegenheit, den Einsatz katholischer Ordensschwestern auf allen Kontinenten zu thematisieren – insbesondere ihr Engagement für Frauen und Mädchen, die unter Krieg, Menschenhandel, Armut und den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels leiden. Zugleich machte das Treffen die fortgesetzte Zusammenarbeit zwischen der UISG und der Britischen Botschaft beim Heiligen Stuhl zur Förderung von Initiativen für Menschenwürde und Widerstandskraft deutlich.

Hier zum Nachhören

Anabel Inge, Geschäftsträgerin (Chargé d'Affaires ad interim) der Britischen Botschaft beim Heiligen Stuhl, bezeichnete das Treffen als „einen ganz besonderen und freudigen Anlass“. Die Einladung zeige die große Wertschätzung Königin Camillas für die Arbeit der Ordensfrauen.

„Ich glaube, keine von uns hatte erwartet, dass die Schwestern so bald ins Clarence House eingeladen würden“, sagte sie. „Das zeigt, wie tief die Wertschätzung Ihrer Majestät der Königin für die Arbeit der Ordensschwestern ist.“

Inge, die in den vergangenen fünf Jahren eng mit der UISG zusammengearbeitet hat, lobte das stille, aber mutige Zeugnis der Schwestern.

„Ich habe immer wieder den Eindruck gewonnen, dass diese Arbeit sehr leise, ohne großes Aufsehen, mit großer Demut und an einigen der schwierigsten Orte der Welt geleistet wird.“

Besonders hob sie drei Merkmale dieses Dienstes hervor: Vertrauen, Präsenz und Beständigkeit innerhalb der örtlichen Gemeinschaften.

„Sie sind fest in den lokalen Gemeinschaften verwurzelt ... Selbst während bewaffneter Konflikte bleiben sie dort und setzen sich dabei oft erheblichen persönlichen Gefahren aus.“

Das Treffen im Clarence House
Das Treffen im Clarence House   (© BuckinghamPalace)

Eine prophetische Präsenz

Für Schwester Roxanne Schares, Exekutivsekretärin der UISG, bot das Treffen die Gelegenheit, über die Tausenden von Ordensfrauen zu sprechen, die Menschen in Krieg, Vertreibung und Not beistehen.

„Unsere Schwestern auf der ganzen Welt sind wirklich bei den Menschen, wo immer sie ihren Dienst verrichten“, sagte sie. „Ob an einer Universität, in einem Kindergarten, in der Sozialarbeit oder in der Seelsorge – ihre Gegenwart schenkt Trost, Unterstützung und Mut.“

Sie erinnerte an Gespräche mit Schwestern in der Ukraine, im Libanon und in der Demokratischen Republik Kongo, von denen viele trotz der anhaltenden Gewalt bewusst geblieben sind.

Eine Schwester habe ihr beispielsweise erzählt, wie sie während Bombenangriffen verängstigte Kinder in einen Keller führte und ihnen aus der Heiligen Schrift vorlas, „um eine andere Stimme als die der Bomben hörbar werden zu lassen“.

Schwester Roxanne berichtete, Königin Camilla habe diesen Zeugnissen mit großem Mitgefühl zugehört und sei „tief bewegt“ gewesen.

„Ich glaube, sie möchte die Schwestern weltweit auf ihre eigene Weise unterstützen – vor allem durch ihr mitfühlendes Zuhören.“

Junge Menschen an der Spitze des Kampfes gegen Menschenhandel

Auch das Thema Menschenhandel wurde bei dem Gespräch ausführlich behandelt.

Schwester Abby Avelino, internationale Koordinatorin von Talitha Kum, dem weltweiten Netzwerk katholischer Ordensschwestern zur Bekämpfung des Menschenhandels, berichtete über die wachsenden Bemühungen des Netzwerks, Ausbeutung vorzubeugen und Überlebende zu begleiten.

Sie erklärte, dass betrügerische Stellenangebote im Internet heute zu den am schnellsten zunehmenden Risiken des Menschenhandels gehören – insbesondere für junge Menschen, die auf Arbeitssuche sind.

„Junge Menschen sind besonders anfällig für Online-Betrug“, sagte sie und erläuterte, dass Talitha Kum darauf reagiert habe, indem junge Erwachsene zu „Jugendbotschaftern gegen Menschenhandel“ ausgebildet werden.

Das Programm wurde zunächst in Asien mit Unterstützung der Britischen Botschaft beim Heiligen Stuhl ins Leben gerufen und später weltweit ausgeweitet.

„Sie werden zu Stimmen des Wandels“, sagte Schwester Abby. „Sie werden zu Trägern der Veränderung.“

Sie erklärte, dass das sechsmonatige Programm junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren darauf vorbereitet, Gleichaltrige über Warnzeichen von Menschenhandel und Ausbeutung aufzuklären.

Die Bewegung wächst kontinuierlich. Heute ist Talitha Kum in mehr als 110 Ländern mit 68 nationalen und regionalen Netzwerken vertreten. Im Jahr 2025 erreichte das Netzwerk weltweit rund 1,2 Millionen Menschen durch Präventionsarbeit, Schutzmaßnahmen, Bildungsangebote, Interessenvertretung sowie die Begleitung von Überlebenden.

Schwester Abby betonte, dass sich hinter jeder Statistik ein menschliches Schicksal verberge.

„Hinter den Zahlen stehen Geschichten“, sagte sie und erinnerte an das Zeugnis einer Überlebenden, die sich nach ihrer Befreiung aus dem Menschenhandel heute dafür einsetzt, andere junge Menschen vor demselben Schicksal zu bewahren.

Bei der Begegnung im vergangenen Jahr im Vatikan
Bei der Begegnung im vergangenen Jahr im Vatikan

Klimawandel und Menschenwürde

Ein weiteres Thema der Audienz war der immer deutlichere Zusammenhang zwischen Klimawandel, erzwungener Migration und Menschenhandel.

Schwester Maamalifar Poreku, Exekutiv-Co-Sekretärin der UISG-USG-Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, schilderte, wie die Umweltzerstörung gefährdete Familien immer tiefer in die Armut treibt.

„Der Klimawandel ist Realität“, unterstrich sie. „Er ist keine bloße Geschichte.“

Sie sprach von Gemeinschaften, die einst von der Landwirtschaft lebten, heute jedoch unter langanhaltenden Dürren oder verheerenden Überschwemmungen leiden.

„Die Menschen werden gezwungen zu migrieren. Auf der Flucht geraten sie in die Hände von Menschenhändlern. Und wenn sie Opfer von Menschenhandel werden, geraten sie in Formen der Versklavung. Es entsteht ein Teufelskreis.“

Frauen, Mädchen und junge Menschen seien häufig diejenigen, die den höchsten Preis dafür zahlten.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, fördern viele Ordensschwestern eine regenerative Landwirtschaft, Umweltbildung sowie einkommensschaffende Projekte, die Frauen wirtschaftlich unabhängig machen und Kindern den Schulbesuch ermöglichen.

„So wirken wir diesem Teufelskreis entgegen“, erklärte sie.

Gemeinsam Hoffnung aufbauen

Mit Blick auf die Zukunft betonte Schwester Roxanne, dass Zusammenarbeit unverzichtbar sei – nicht nur bei der Bewältigung akuter Krisen, sondern auch bei der Bekämpfung der tieferliegenden Ursachen von Ungerechtigkeit.

„Wir werden immer wieder mit denselben Problemen konfrontiert sein, wenn wir nicht beginnen, ihre Ursachen anzugehen“, sagte sie.

Die UISG, so erklärte sie, stärke weiterhin die Ausbildung in den Bereichen Führung, Interessenvertretung und Synodalität und fördere zugleich eine wachsende „globale Schwesternschaft“, die gemeinsam auf die Herausforderungen der heutigen Zeit reagieren könne.

Das Treffen im Clarence House sei ein weiteres Zeichen dafür gewesen, dass dieses gemeinsame Engagement über die Grenzen der Kirche hinausreiche und Regierungen, die Zivilgesellschaft und religiöse Gemeinschaften zusammenführe, um die Würde jedes Menschen zu schützen.

Zum Abschluss griff Schwester Abby den Aufruf von Papst Leo XIV. auf, die Würde jedes Menschen zu bewahren:

„Kein einzelner Mensch und keine einzelne Institution kann den Menschenhandel allein bekämpfen. Zusammenarbeit ist der Schlüssel.“

(vatican news - cs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

19. Juli 2026, 11:23