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WJT2027: „Die Vorfreude ist riesig!"

In genau einem, Jahr startet der Weltjugendtag in Seoul, und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im Interview mit den vatikanischen Medien spricht Alexander Bothe vom Dikasterium für Laien, Familie und das Leben über die Erwartungen an das internationale Jugendtreffen, die besondere Rolle der Ortskirche in Korea und die geistliche Vorbereitung.

 

An welchem Punkt stehen die die Vorbereitungen für den Weltjugendtag in Seoul, der in genau einem Jahr losgehen wird?

Alexander Bothe (Dikasterium für Laien, Familie und das Leben und in seinem Team aktuell besonders eingebunden in die Vorbereitungen des Weltjugendtages): „Die Vorbereitungen sind natürlich mitten in der ,Hochsaison', das muss man sagen. Die Vorfreude ist riesig und gleichzeitig natürlich auch die Intensität der Planungen, der Überlegungen, der Suche nach den besten Lösungen - und gleichzeitig die Aufgabe, zu schauen, wie die einzelnen Planungen konkret vor Ort umgesetzt werden. Das betrifft aber auch weltweit die Frage, wie Gruppen begleitet und zusammengestellt werden. Also, man merkt auf allen Ebenen: es ist intensiv, es ist spannend und es herrscht eine riesige Vorfreude.“

Inwieweit ist denn das Dikasterium für Laien, Familie und das Leben konkret eingebunden in diesen Vorbereitungen?

Alexander Bothe: „Dabei blicken wir auf eine reiche und lange Geschichte, die mit dem heiligen Papst Johannes Paul II. begonnen hat, nämlich der Arbeit des Youth Office, zu dem ich hier beitragen darf und das mit großer und intensiver Tradition die Weltjugendtage begleitet. Die Weltjugendtage selbst werden natürlich vom gastgebenden Ort veranstaltet. Das heißt in diesem Falle, es ist der gastgebende Erzbischof Peter Soon-taick Chung OCD, der die Jugend der Welt willkommen heißt. Das ist etwas Besonderes:

Zugleich begleiten wir natürlich das große koreanische Vorbereitungsteam dabei, um bei den unterschiedlichen Aspekten auf die Erfahrungen der Vergangenheit zurückzugreifen, wobei wir die Kreativität des jeweiligen Gastgebers wertschätzen. Und das ist in diesem Fall eben Seoul als besonderes Geschenk. Das also zum Tragen zu bringen und das zugleich immer neu zusammenzuführen ist unsere Aufgabe.

Ebenfalls ist das Youth Office gut vernetzt in alle Welt. Wir sehen, wie die unterschiedlichen Länder vorbereiten, auch welche Erwartungen, Fragen oder konkreten Herausforderungen der jeweiligen Jugendpastoral gerade vorhanden sind.

Und das miteinander zu verbinden und mit Blick auf Seoul nächstes Jahr zu begleiten ist der schöne Reichtum dieser Vorbereitung, zusammen mit dem lokalen Organisationskomitee. Das ist auch immer spürbar: schon jetzt ist es eine Pilgerreise.“

Alexander Bothe vom Dikasterium für Laien, Leben und Familie
Alexander Bothe vom Dikasterium für Laien, Leben und Familie

Was sind denn so die Eigenheiten, auch die positiven Seiten, die gerade Korea mitbringt in diesen Vorbereitungen?

Alexander Bothe: „Korea hat natürlich eine reiche Geschichte. Da müssten wir jetzt ein zweieinhalbstündiges Feature draus machen… (lacht) Aber das Schöne ist generell beim Weltjugendtag ja, dass die, wenn man so will, junge universale Kirche zu der lokalen Teilkirche kommt, also zu dem gastgebenden Erzbistum, in diesem Falle nach Seoul.

Und dieses Miteinander, das Zusammentreffen von Jugendlichen und jungen Menschen aus aller Welt mit der Ortskirche ist beeindruckend. Wir sprechen hier von reichen Traditionen, mit Blick auf die Märtyrer zum Beispiel, die in Korea eine wichtige Rolle spielen - und das prägt ja auch die Auswahl der Patron Saints, die den Weltjugendtag begleiten, also die Heiligen, die wir für besondere Fürsprache anrufen - aber das haben wir insgesamt in allen Momenten der Begegnungen der jungen Menschen.

Wir alle kennen K-Culture, K-Pop, vielleicht muss man sogar schon K-Cosmetics in diesem Zusammenhang nennen… Also das ist ein weltweites Zusammentreffen von Tradition und von Moderne, und das prägt sich in dieser faszinierenden Stadt und in diesem wirklich faszinierenden und gastfreundlichen Land sehr aus.“

Beratungen im lokalen Vorbereitungskomittee
Beratungen im lokalen Vorbereitungskomittee   (sito web GMG)

Es ist ja auch erst das zweite Mal, dass der Weltjugendtag in Asien stattfindet und gerade in diesem Fall sind die Katholiken eine kleine Minderheit im Land. Wie stellt sich denn jetzt die Ortskirche auf diese vielen Besucher ein, die natürlich auch die katholische Kirche noch mal ganz anders sichtbar werden lassen?

Alexander Bothe: „Ja, tatsächlich ist das ein wichtiger Punkt. Es geht einerseits um die organisatorischen Vorbereitungen, das heißt, auf verschiedene Weise mit den Behörden, mit den anderen gesellschaftlichen Gruppen insgesamt, aber natürlich auch mit den anderen Religionen im Austausch zu stehen - und umgekehrt unser religiöses Profil, also das, was wir als universale Kirche, als christliche Botschaft, als katholisches Weltjugendtreffen einbringen wollen, natürlich auch vorzustellen. Es bedeutet, dieses Profil zugleich einzubringen, aber zum anderen auch einladend und offen zu halten. Denn die Einladung gilt natürlich für alle junge Menschen der Welt und auch in Korea.

So wie es in der Vergangenheit schon war, wird es auch diesmal sein. Das heißt, bezogen auf die Kirche und bezogen auch auf den Ort, dass sich beide gegenseitig beschenken und auch in manchem gegenseitig verändern werden. Das geht schon los mit vielleicht unterschiedlichen kulturellen Verhaltensweisen, die für europäische Jugendliche eher ungewöhnlich sein könnten, dass es beispielsweise konkret zugewiesene Sitzplätze in der U-Bahn geben mag, die bestimmten Gruppen vorbehalten sind, bis hin zu konkreten tiefen geistlichen Erlebnissen, die man einander schenkt.

Sowohl die Ortskirche wird sich in schöner Weise verändern durch dieses internationale Herz, das hier schlagen wird, als auch die universale Kirche, die durch das, was Korea und der hiesige Weltjugendtag mitgeben werden, weiterwachsen wird und das dann wieder in ihre reiche Tradition des Glaubens integrieren wird."

Bei der Messe zum Jubiläum der Jugend in Tor Vergata (3. August 2025)
Bei der Messe zum Jubiläum der Jugend in Tor Vergata (3. August 2025)   (@Vatican Media)

Ortskirche und Weltkirche beeinflussen sich positiv

Gibt es denn schon Schätzungen, wie viele junge Menschen erwartet werden könnten? Und weiß man etwas über das Programm, was Sie uns erzählen können?

Alexander Bothe: „Die Frage nach den Teilnehmenden ist natürlich eine, die uns gerade alle sehr umtreibt. Das ist schwer zu sagen, auch deshalb, weil wir alle auch die Weltwirklichkeit im Moment sehen, die damit verbundenen Herausforderungen, die uns alle natürlich schmerzen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen der Welt gehen an keinem Jugendlichen, an keinem Menschen in unserer Zeit spurlos vorbei. Das betrifft natürlich dann auch in den organisatorischen Überlegungen konkrete Fragen, ganz klar. Auch von daher ist es gar nicht so leicht, hier eine Schätzung abzugeben.

Wir schauen im Moment mit großer Spannung auf den Herbst und die ersten konkreten Rückmeldungen der Verantwortlichen der Bischofskonferenzen und Gemeinschaften aus aller Welt. Generell wird es sicher so sein, dass, gesprochen aus den Erfahrungen, der Weltjugendtag während seines Verlaufs wächst und wächst - das heißt, in den Tagen der unmittelbaren Weltjugendtagswoche vom 3. August beginnend, wird immer mehr und mehr an Reichtum, an Nähe, aber auch an Menschenmenge ‚spürbar‘ sein.

Das Programm, das der Weltjugendtag in Seoul bereithält, wird erst noch veröffentlicht, doch vermutlich werden wir uns auch auf viele bewährte Bestandteile freuen können. So etwa darauf, die Heiligen Messen zum Beginn und zum Ende zu feiern, den Kreuzweg des Herrn im Gebet nachgehen, gemeinsame Katechesen, aber auch ein Youth Festival und viele weitere Begegnungen und Veranstaltungen zu teilen. Und zur Abschlussmesse dann gehen wir im Moment vorsichtig von bis zu etwa einer Million Teilnehmenden aus. Das sind die koreanischen Überlegungen, die auch in der koreanischen Öffentlichkeit kursieren. Im Herbst wissen wir zumindest etwas mehr und freuen uns darauf.“

Papst Leo trägt das WJT-Kreuz bei der Gebetsvigil in Tor Vergata mit Jugendlichen (2. August 2025)
Papst Leo trägt das WJT-Kreuz bei der Gebetsvigil in Tor Vergata mit Jugendlichen (2. August 2025)   (@Vatican Media)

Hoffnung auf ein Treffen mit dem Papst

Also eine Million Menschen, eine sehr ehrgeizige Zahl, nehmen den Planungen nach die Einladung von Papst Leo zu einem Treffen in Seoul an?

Alexander Bothe: „Das ist im Moment jedenfalls die Hoffnung und die Vorfreude. Aber ich sage noch einmal, wir wissen es im Moment nicht genau, weil eben die Weltwirklichkeit, aber auch die Planungen und Möglichkeiten der einzelnen Länder, der einzelnen Gemeinschaften, der einzelnen Aggregation eine große Rolle spielen. Das werden wir dann im Herbst schrittweise, genauer sagen können.

Dass der Heilige Vater sozusagen eine Vereinbarung mit den Jugendlichen getroffen hat - das war beim Jubiläum der Jugend im vergangenen Heiligen Jahr - ist eine wunderschöne Aussicht. Es steht mir in keiner Weise zu, dem Heiligen Vater vorzugreifen. Aber ich freue mich natürlich gemeinsam mit allen jungen Menschen an der Hoffnung, dass wir tatsächlich Papst Leo dort begegnen könnten.“

Das lokale Organisationskomittee für den WJT Seoul 2027
Das lokale Organisationskomittee für den WJT Seoul 2027   (sito web GMG)

Kardinal Farrell, der Präfekt des zuständigen Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, hat die Jugendlichen ja auch eingeladen, sich sehr intensiv auf den Weltjugendtag 2027 in Seoul vorzubereiten. Was für Empfehlungen hat er denn da gegeben?

Alexander Bothe: „Das betrifft natürlich ein bisschen beides, muss man sagen. Hier geht es zum einen darum, dass organisatorische Gründe eine Rolle spielen. Die Frage: Wie öffne ich mich denn tatsächlich für dieses Land? Und wie öffne ich mich für den Reichtum dieser wunderschönen, universalen, aber eben auch lokalen Kirche, der ich begegne?

 Aber es geht Kardinal Farrell ganz besonders darum, die geistliche Vorbereitung anzusprechen.Ein Weltjugendtag ist ja kein Ereignis, das zu einem bestimmten abgegrenzten Zeitraum stattfindet. Es gibt natürlich die Weltjugendtagswoche, es gibt natürlich die Schönheit der Einladungen, auch der Diözesen in Korea zu den Tagen in den Diözesen, die vor dem WJT stattfinden.

Aber der geistliche Pilgerweg auf den Weltjugendtag hin spielt auch eine große Rolle. Und darauf weist Kardinal Farrell hin, dass - so wie es ja auch der Heilige Vater betont - wir unser Herz dafür öffnen, dass Christus zunächst zu uns kommen kann und wir, wenn wir jetzt aus dem Motto des Weltjugendtags „Habt Mut! Ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33) sprechen (so, wie es der Heilige Vater bei vielen Gelegenheiten formuliert), den Mut fassen können, tatsächlich diese Welt und dieses Leben mitzuformen und unseren Glauben wirklich auch als junge Menschen in die Welt zu tragen. Und das ist eine Vorbereitung, die jetzt schon beginnt. Von daher ein Pilgerweg, den wir gemeinsam mit dem Heiligen Vater gehen, um dann tatsächlich Jesus Christus zu begegnen.“

Vorbereitungen in Korea
Vorbereitungen in Korea   (sito web GMG)

Ein wichtiges Symbol für den Weltjugendtag ist ja auch die Hymne, die gerade in Seoul vorgestellt worden ist - in zwei Versionen, eine poppigere Version, eine klassischere Version. Was können Sie uns denn zur Entstehung dieser Hymne sagen?

Alexander Bothe: „Wir waren natürlich alle sehr gespannt auf diese Veröffentlichung und wir haben alle lange darauf hingefiebert. Auf sozusagen römischer Seite haben wir uns alle riesig mit dem koreanischen Organisationskomitee, mit den koreanischen Gruppen, gefreut auf diesen Tag, weil die Hymne einfach eine wirklich besondere Bedeutung hat. Sie gibt  dem Weltjugendtag jetzt schon eine Schwingung. Und darüber freuen wir uns sehr.

Die Einladung, also der Wettbewerb, ist vor mehr als einem Jahr ausgesprochen worden. Dann gab es eine lange Zeit, in der weit über 400 Wettbewerbsbeiträge aus aller Welt eingegangen sind. Der Großteil von außerhalb von Korea, aber was uns ebenso sehr gefreut hat, auch eine riesige Zahl aus Korea. Und dann gab es einen Auswahlprozess, an dem auch an den verschiedenen Stellen und Orten sehr viele junge Menschen beteiligt waren. Dazu selbstverständlich auch das professionelle musikalische Auswahlkomitee und schließlich die finale Entscheidung der Gastgeber.

An den unterschiedlichen Orten wurde dabei eine Entscheidung gesucht, die selbstverständlich gar nicht immer leicht ist. Denn die Musik hat ja großen Reichtum, unterschiedliche Traditionen. Aber ich freue mich riesig, dass das ,Confidite, Ego Vici Mundum‘ jetzt endlich da ist und so jetzt alle gemeinsam auch musikalisch in die Melodie des Weltjugendtages hineingehen können.“

Vielen Dank für dieses Gespräch und für die Vorfreude auf den Weltjugendtag 2027.

Alexander Bothe: „Ganz meinerseits, vielen Dank!”

Die Fragen stellte Christine Seuss

Die Hymne wurde am 3.8.2026 in Seoul vorgestellt

(vatican news)

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05. August 2026, 15:19