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Die Aufräumarbeiten in Haiti gehen nach dem Erdbeben vom Mitte August weiter Die Aufräumarbeiten in Haiti gehen nach dem Erdbeben vom Mitte August weiter 

Haiti: Caritas setzt Hilfe für Erdbebenopfer fort

2.237 Opfer, 12.838 Verletzte, 63.645 zerstörte Häuser, 142 Kirchen und 56 katholische Schulen: Das ist die dramatische Bilanz des schweren Erdbebens der Stärke 7,2, das die Insel Haiti am 14. August erschütterte. Mehr als drei Wochen nach dem Beben zieht Pater Jean Herve François, nationaler Direktor der Caritas, Bilanz und zeichnet ein Gesamtbild des sozialen Kontextes in Haiti, der seit Monaten durch eine tiefe politische und wirtschaftliche Krise belastet ist.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Zu den genannten Krisen gesellt sich auch die Covid-19-Pandemie, die bis heute fast 21.000 Infektionen und offiziell über 580 Todesfälle verursacht hat. Infolgedessen sei die Verletzlichkeit der Menschen gestiegen, betont Pater François. „Familien leben auf der Straße, ohne ein Dach über dem Kopf. Darüber hinaus ist humanitäre Hilfe im Süden der Insel, der am stärksten vom Erdbeben betroffen ist, nur langsam wieder einigermaßen möglich. Wegen der Angriffe krimineller Banden musste ein Sicherheitskorridor von der Hauptstadt Port-au-Prince nach Les Cayes im Departement Grand Sud eingerichtet werden“, so der Caritas-Direktor.

Zum Nachhören - was in Haiti los ist

Für Kardinal Chibly Langlois aus Haiti handelt es sich bei den jetzigen Aufbauarbeiten in seinem Land um ein schwieriges Unterfangen, wie er im Gespräch mit Radio Vatikan sagt:

„Wir haben so viele Tote zu beklagen, zahlreiche Häuser sind zerstört worden und viele Menschen sind obdachlos. Auch viele Kirchgebäuden sind weiterhin nicht begehbar. Die Wunden des Erdbebens sind also noch weiterhin sichtbar.“

Einige Schulen in Haiti funktionieren wieder nach dem Erdbeben
Einige Schulen in Haiti funktionieren wieder nach dem Erdbeben

Die Kirche auf Haiti sei noch dran, die genauen Zahlen zu eruieren, wie viele Geistliche gestorben sind und wie viele Kirchen zerstört wurden, so Kardinal Chibly Langlois:

„Ich kann nur sagen, dass wir vor Kurzem zwei Leichen von verschütteten Priestern gefunden haben. Es gibt leider so viele Tote im Süden des Landes und wir müssen davon ausgehen, dass darunter auch etliche Priester und Ordensleute sind. Es gibt Gebiete, die komplett zerstört sind und wo nichts mehr steht.“

Katholische Schulen stark betroffen

Und gerade dort sei es schwierig, nicht nur nach Überlebenden zu suchen, sondern auch die Leichen zu bergen. Es seien viele katholische Schuleinrichtungen stark betroffen, so der Kardinal:

„175 kirchliche Einrichtungen auf Pfarreiebene sind zerstört worden. Viele Schulen sind nur noch eine Ruine geblieben. Und wir dürfen auch nicht die tausenden Verletzten vergessen. Jetzt geht es darum, ihnen zu helfen und beizustehen.“

Trotz der Gefahren „konnten die humanitären Konvois die Bevölkerung erreichen“, erklärt Pater François, „aber die verfügbaren Güter waren geringer als die Zahl der Bedürftigen, was die Verteilung der Hilfe weiter erschwerte“, so dass „die Menschen begannen, regelrechte Lager am Straßenrand zu errichten, um die Aufmerksamkeit der humanitären Helfer auf sich zu ziehen“. Caritas Haiti habe sofort Maßnahmen ergriffen, um den Opfern des Erdbebens zu helfen: „Zwei Stunden nach dem Erdbeben wurde das Notfallprotokoll in Kraft gesetzt und in Abstimmung mit Caritas International wurden mehrere Rettungsteams in das Gebiet entsandt.“

Eine nicht mehr begehbare Schule in Haiti
Eine nicht mehr begehbare Schule in Haiti

Bislang habe Caritas Haiti vor allem in Nippes, Grand'Anse und Sur Cayes Hilfe geleistet, wo mobile Kliniken eingerichtet und Gesundheitspakete, Lebensmittel und Trinkwasser geliefert wurden. Mittelfristig soll ein 6- bis 12-monatiges Wiederanlaufprogramm entwickelt werden. Pater Jean Herve François fügt abschließend hinzu: „Entsprechend den bereits mit den Diözesen getroffenen Vereinbarungen werden wir sowohl im Bereich der Infrastruktur für den Bau von Häusern und die Schaffung landwirtschaftlicher Strukturen als auch im Bereich der Unterstützung von Schulen und der Verteilung von Barmitteln tätig sein.“

In der Zwischenzeit ist Hilfe für Haiti von Papst Franziskus eingetroffen: Am 24. August teilte das Dikasterium für den Dienst der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen mit, dass der Papst beschlossen habe, einen ersten Hilfsfonds von 200.000 Euro auf die Insel zu schicken, um der Bevölkerung zu helfen. Die Summe, so erklärte das Dikasterium, werde in Zusammenarbeit mit der Apostolischen Nuntiatur unter den von der Katastrophe am stärksten betroffenen Diözesen verteilt und für Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer verwendet, mit dem Ziel, auch „ein Gefühl der geistlichen Nähe und väterlichen Ermutigung gegenüber den betroffenen Menschen und Gebieten zum Ausdruck zu bringen“.

(vatican news)

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06. September 2021, 12:27