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António Juliasse F. Sandramo, Apostolischer Administrator von Pemba (Mosambik) António Juliasse F. Sandramo, Apostolischer Administrator von Pemba (Mosambik) 

Mosambik: Humanitäre Krise in Cabo Delgado verschärft sich

Die humanitäre Krise im mosambikanischen Cabo Delgado wird immer schlimmer und die Unsicherheit hält an: Wenn nicht bald gehandelt wird, könnte es für die notleidenden Menschen zu spät sein. Davor warnt der Apostolische Administrator von Pemba, António Juliasse, im Interview mit Radio Vatikan.

Christine Seuss und P. Bernardo Suate - Vatikanstadt

Jüngst erst hatten die religiösen Führer von Cabo Delgado über die Religion als Teil der Lösung des Konflikts in der Provinz gesprochen. Dabei sei auch die humanitäre Krise in Cabo Delgado thematisiert worden, erzählt uns Bischof Juliasse. Allerdings sei in den letzten Monaten nur durch wenige Medien über die Geschehnisse in der Region berichtet worden, so dass der Eindruck enstehe, dass das Problem mittlerweile gelöst sei: „Aber das ist nicht wahr“, so der Weihbischof von Maputo, dem derzeit als Apostolischem Administrator die Verantwortung über die Diözese Pemba anvertraut ist. Pemba ist die Hauptstadt der Krisenprovinz Cabo Delgado und Anlaufpunkt für viele Hilfesuchende.

Militärparade in Pemba
Militärparade in Pemba

Humanitäre Krise wird immer schlimmer

„Die humanitäre Krise hier ist groß, und ich möchte diesen Moment der Freude über die einzigartige Erklärung der interreligiösen Führer zu Beginn des Jahres nutzen, um der ganzen Welt zu sagen, dass die humanitäre Krise in Cabo Delgado immer schlimmer wird“, warnt Juliasse. Es gebe praktisch keine Rückkehr der Vertriebenen, betont der Kirchenmann: „Es gibt nur wenige, die zurückkehren, weil die Bedingungen für die Rückkehr sehr schwierig sind, es keine Sicherheit gibt und immer eine militärische Begleitung erforderlich ist, die nicht immer verfügbar ist.“

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In Cabo Delgado gebe es immer noch 800.000 Vertriebene, und das bei einer mosambikanischen Gesamtbevölkerung von gut 31 Millionen Menschen. Erst am Neujahrstag war das Dorf Nova Zambézia in der Nähe von Macomia angegriffen worden, berichtet Juliasse. Dabei waren drei Menschen getötet und eine Person schwer verletzt worden. Viele Bewohner flüchteten und suchten nun bei Verwandten oder anderswo Schutz, erläutert Juliasse.

Vertriebene aus dem Dorf Palma haben sich nach Pemba geflüchtet (Archivbild)
Vertriebene aus dem Dorf Palma haben sich nach Pemba geflüchtet (Archivbild)

Terroristismus verschärft die Lage

„Derzeit gibt es in allen Bezirken des zentralen und südlichen Teils der Provinz Cabo Delgado Vertriebene, und auch aus dem nördlichen Teil der Nachbarprovinz Niassa strömen zahlreiche Vertriebene in den zentralen und südlichen Teil von Cabo Delgado. (...) Die Gewalt, die wir als Folge dieses Terrorismus erlebt haben, hat die humanitäre Krise hier in Cabo Delgado verschlimmert, zusätzlich zu den anderen Faktoren, die schon vorher bestanden, wie Armut, Ausgrenzung, der Mangel an Schulen in verschiedenen Orten - all diese Faktoren wurden durch den Terrorismus noch verschärft“, beklagt der Apostolische Administrator.

„Man darf diese Situation nicht vergessen, sonst ist es zu spät“

Die Situation bleibe also unverändert, mehr noch, sie werde immer dramatischer, so Bischof Juliasse. Viele Menschen müssten mittlerweile hungern, denn auch das Welternährungsprogramm WFP habe nicht mehr die Kapazität, alle Vertriebenen mit Nahrungsmitteln zu versorgen – zu stark sei ihre Zahl in kurzer Zeit gestiegen. Auch die Diözesan-Caritas und der Notfallfonds täten ihr Möglichstes, um zumindest denjenigen zu helfen, die sich in einer besonders verzweifelten Situation befinden.

„Die Botschaft, die ich hier senden kann ist, dass man diese Situation nicht länger vergessen darf und dass man Cabo Delgado nicht sich selbst und seinen Bewohnern überlassen darf: sonst wird es zu spät sein“, so der Appell von Juliasse. Doch er wolle die Gelegenheit auch nutzen, allen Menschen zu danken, „die in der ganzen Welt dazu beitragen, diese humanitäre Krise hier in Cabo Delgado zu bewältigen“, so das Anliegen des Bischofs.

(vatican news)

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10. Januar 2022, 13:55