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Brasiliens Präsident Bolsonaro Brasiliens Präsident Bolsonaro  

Brasiliens Bischöfe bedauern religiöse Manipulation im Wahlkampf

Brasiliens katholische Bischofskonferenz hat sich in einem offenen Brief gegen den Missbrauch von Glaube und Religion im aktuellen Präsidentschafts-Wahlkampf ausgesprochen. Darüber berichteten örtliche Medien am Dienstag.

Die Bischöfe sprechen keinen der Kandidaten direkt an, meinten jedoch offenbar Präsident Jair Messias Bolsonaro. Dieser hatte vergangene Woche an der traditionellen Prozession der Statue „Unserer lieben Frau von Nazareth" in Belém teilgenommen. Bei der Stichwahl am 30. Oktober stehen sich Amtsinhaber Bolsonaro und sein Herausforderer, der linke Ex-Präsident Luis Inácio Lula da Silva, gegenüber.

Am Freitag hatte der Erzbischof von Belém, Alberto Taveira Corrêa, öffentlich erklärt, der Präsident sei nicht offiziell zu den Prozessionen eingeladen. Bolsonaro war dennoch erschienen und nutzte seinen Aufenthalt für Wahlwerbung. In seinen sozialen Netzwerken stellte er die Flussprozession in Belém als Kundgebung seiner Anhänger dar. An den mehrtägigen Feierlichkeiten nehmen rund 2,5 Millionen Menschen teil.

„Die religiöse Manipulation beschädigt die Werte des Evangeliums“

„Die religiöse Manipulation beschädigt die Werte des Evangeliums und lenkt von den tatsächlichen Problemen ab, die in Brasilien gelöst werden müssen", so der Brief der Bischöfe. „Wir stellen klar, dass die Bischofskonferenz vehement jeglichen Missbrauch der Religion für Wahlkampfzwecke durch jedweden Kandidaten verurteilt."

Bolsonaro und Lula: beide katholisch getauft

Bolsonaro ist Katholik, hatte sich aber 2016 von einem evangelikalen Prediger im Jordan taufen lassen. Seitdem besucht er regelmäßig evangelikale Gottesdienste. Zudem gehören die Gründer der größten Pfingstkirchen Brasiliens zu seinen engsten politischen Verbündeten. Sein Verhältnis zur katholischen Kirche ist dagegen unterkühlt. Bei katholischen Wählern liegt sein Herausforderer Lula deutlich vor Bolsonaro.

Nun will Bolsonaro laut Beobachtern eine Offensive bei Katholiken starten. Dazu gehört auch sein Besuch des Wallfahrtsortes Aparecida, wo an diesem Mittwoch Brasiliens Nationalpatronin gedacht wird: Die Statue der „Schwarzen Madonna von Aparecida" wurde 1717 in einem Fluss gefunden. Der Erzbischof von São Paulo, Kardinal Odilo Pedro Scherer, reagierte am Dienstag in einem Interview der Zeitung „Folha de S. Paulo" auf Bolsonaros angekündigte Teilnahme ungehalten und verurteilte die „politische Instrumentalisierung des Glaubens".

Lula: Politik und Religion trennen

Herausforderer Lula da Silva, der katholisch ist, vermeidet im aktuellen Wahlkampf Auftritte im religiösen Rahmen. Man müsse Politik und Religion trennen, so Lula. Jüngste Umfragen sehen ihn vor der Stichwahl bei 51 bis 55 Prozent der Stimmen. Allerdings holte Bolsonaro zuletzt auf, auch aufgrund seiner großen Beliebtheit unter den evangelikalen Wählern.

(kna – gs)

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12. Oktober 2022, 11:06